Belgien setzt auf US-Drohnen

A guide with nothing to lead: European defense remains grounded by its own governance.
Bildkomposition · tobriefDer europäische Anspruch auf strategische Autonomie entscheidet sich selten in Grundsatzreden, sondern in Beschaffungsakten. Der belgische Verteidigungsminister Theo Francken soll das deutsch-französisch-spanische FCAS-Kampfjetprogramm für tot erklärt und dafür plädiert haben, Belgien solle sich auf autonome Drohnen aus den Vereinigten Staaten ausrichten (La Razón, g-enews). Belgien war bei FCAS allerdings nur Beobachter, kein Kernpartner. Sein Ausstieg würde das Programm nicht beenden.
Das politische Signal reicht dennoch weiter als die formale Entscheidung: Ein Nato-Staat, der bereits F-35 kauft, bewertet Europas wichtigstes Luftkampfprojekt offenbar als langsamer und weniger brauchbar als das, was Washington schon anbietet.
Das Kommandoproblem, das Brüssel nicht lösen kann
FCAS war als vernetztes Luftkampfsystem gedacht: ein bemannter Kampfjet, autonome Begleitdrohnen und eine gemeinsame Datenebene, die Sensoren, Waffen und Führung innerhalb einer Luftwaffe verbindet (The Guardian, El País). Gescheitert ist der Fortschritt an einer Frage, die industriell klingt, aber machtpolitisch ist: Wer bestimmt die Architektur?
Frankreichs Dassault führte die Kampfflugzeug-Säule und pochte auf die Hoheit über Grundarchitektur, Software und Exportrechte. Dahinter stand auch ein struktureller Grund: Das Flugzeug soll eines Tages die französische nukleare Abschreckung tragen. Geteilte Kontrolle wird damit für Paris zu einer Souveränitätsfrage (Le Figaro). Deutschlands Airbus wiederum wollte sich in einem Programm, das Berlin in erheblichem Umfang mitfinanziert, nicht auf eine nachgeordnete Rolle verweisen lassen (FAZ). Keine Seite gab nach. Das Programm geriet ins Stocken.
Die Europäische Union hat kein Instrument, um einen solchen Konflikt zu entscheiden. Die Beschaffung von Kampfflugzeugen bleibt nach den EU-Verträgen nationale Zuständigkeit. Artikel 346 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union räumt den Mitgliedstaaten bei Rüstungskäufen aus Gründen der nationalen Sicherheit großen Spielraum ein (Article 346). Brüssel kann gemeinsame Forschung über den Europäischen Verteidigungsfonds fördern und gemeinsame Beschaffung über Programme wie EDIP, das Europäische Verteidigungsindustrieprogramm, attraktiver machen (EDF, EDIP). Es kann aber keinen Generalunternehmer ernennen, keine Designhoheit zuweisen und keinen Minister daran hindern, amerikanisch einzukaufen.
Nach dem EDIP-Vorschlag der Kommission flossen nach dem Verteidigungsanstieg seit 2022 78 Prozent der Beschaffungsausgaben der Mitgliedstaaten an Anbieter außerhalb der EU, 63 Prozent allein an amerikanische Lieferanten (EDIP proposal). Die europäische Autonomiepolitik soll diese Abhängigkeit verringern. Franckens berichteter Kurs würde sie vertiefen.
Geld bewegt sich schneller als europäische Führungsstrukturen
Der FCAS-Stillstand schadet den Partnern auf unterschiedliche Weise. Frankreich gewinnt kurzfristig Handlungsspielraum, um Dassaults Designhoheit zu schützen und einen engeren Weg nach der Rafale zu verfolgen. Paris verliert aber Mitfinanzierung und das politische Argument, Europa könne Kampfflugzeuge bauen, ohne am Ende doch wieder nach Washington zu blicken (Brussels Signal).
Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hat den nächsten Schritt als Suche nach „verlässlicheren Optionen“ beschrieben. Im Raum stehen sowohl eine von Airbus geführte Alternative als auch zusätzliche F-35 (Deutschlandfunk). Berlins Druckmittel ist Geld: Frankreich kann einen Kampfjet der sechsten Generation kaum ohne einen finanzstarken Partner stemmen (FAZ).
Spanien, der dritte FCAS-Partner, steht zwischen diesen Positionen und zugleich unter amerikanischem Druck, die Tür zur F-35 wieder zu öffnen (Infobae). Für Staaten an der Ostflanke wie Polen ist die Rechnung einfacher: Angesichts Russlands zählt die Interoperabilität mit amerikanischen Systemen heute mehr als ein europäischer Kampfjet, der frühestens um 2040 erwartet wird.
Der Wettbewerbsdruck verschärft diese Dynamik. Die amerikanische Luftwaffe hat bereits erste Produktionsaufträge für 150 Collaborative Combat Aircraft vergeben, also autonome Drohnen, die gemeinsam mit bemannten Jets fliegen sollen. Den Zuschlag erhielten Anduril und General Atomics (Shephard, Forecast International). Europäische Programme verhandeln derweil noch über Governance. Amerikanische Programme bestellen bereits Gerät.
Damit liegt der eigentliche Test für die europäische Verteidigungspolitik offen. Brüssel hat Finanzierungsinstrumente aufgebaut und Anreize gesetzt. Was fehlt, ist ein Verfahren, das die Frage der Designführung klärt, bevor die Käufer einzeln zu dem greifen, was schon verfügbar ist.
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- 7/2/2026, 3:30:42 AM
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