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EU_ECONOMICS06 / 17 · Geschichte des Tages3 Min. · 759 Wörter · 50 Quellen

Bulgarien und Ukraine nähern sich Gasdeal

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Geschrieben von KIto brief KI · 19. Juli 2026, 02:50
Wie sie entstand

Commercial capacity is booked, but the physical pipes await their first molecule of gas.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Wenn im Herbst ein Tanker mit amerikanischem Flüssiggas in Griechenland anlegt und dieses Gas im November in ukrainischen Speichern landet, hätte es fünf nationale Leitungssysteme in einer Richtung durchquert, für die diese Infrastruktur ursprünglich nicht gebaut wurde. Seit Russland Gasleitungen als politisches Druckmittel eingesetzt hat, ist dieses Szenario näher gerückt als je zuvor. Doch zwischen kommerziellem Interesse und physischer Lieferung liegt weiterhin ein beträchtlicher Abstand.

Die staatlichen Gaskonzerne Bulgariens und der Ukraine, Bulgargaz und Naftogaz, stehen offenbar kurz vor einer bilateralen Vereinbarung. Ein bulgarischer Abgeordneter bestätigte, beide Seiten seien „kurz davor, einen Vertrag zu unterzeichnen“, fügte aber hinzu, „nichts sei unterzeichnet“ und es gebe noch keine rechtlich bindenden Bedingungen (SEGA, Fakti). Über Mengen, Preise oder Laufzeiten ist öffentlich nichts bekannt.

Der Korridor existiert auf dem Papier. Unternehmen zahlen nun für seine Nutzung.

Der sogenannte Vertikale Gaskorridor ist keine neue Einzelpipeline. Er verbindet bestehende und modernisierte Netze in Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Moldau und der Ukraine zu einer kommerziellen Süd-Nord-Route. Die derzeitige Kapazität liegt bei rund 5,03 Mrd. Kubikmetern pro Jahr, eine erste Ausbaustufe soll 9,41 Mrd. Kubikmeter erreichen (Energy Industry Review, ZF).

Anfang Juli fanden am Grenzpunkt Sidirokastro, der Griechenland und Bulgarien verbindet, erstmals langfristige Kapazitätsauktionen statt. Rund 46 Prozent der verfügbaren Kapazität wurden für die Gasjahre 2026/2027 bis 2029/2030 gebucht (Energy World, OT). Das ist mehr als politische Symbolik: Energiehändler zahlen für künftigen Zugang zu Leitungen.

Eine Buchung ist allerdings nur ein Nutzungsrecht. Sie bedeutet noch nicht, dass Gas gekauft, Tagesflüsse nominiert oder tatsächlich Moleküle bis in die Ukraine transportiert wurden. Rumänien prüft weiterhin, ob die Transportkosten niedrig genug sind, damit Händler die Route auch tatsächlich nutzen. Der genannte Preis von Griechenland bis in die Ukraine liegt nach jüngsten Senkungen auf dem rumänischen Abschnitt bei 5,85 EUR je Megawattstunde (Euro2day, Parapolitika). Ohne direkten Vergleich mit Transitgebühren über Polen oder die Slowakei bleibt offen, ob dieser Preis im Markt trägt.

Bulgariens teurer Fehler wird zur Infrastruktur für andere

Bulgarien hat das klarste finanzielle Interesse daran, dass der Korridor funktioniert. Bulgargaz hatte sich in einem Vertrag vom Januar 2023 verpflichtet, rund 500.000 EUR pro Tag für türkische Regasifizierungskapazität zu zahlen, also für das Recht, Flüssiggas in der Türkei wieder in Pipelinegas umzuwandeln. Genutzt wurde diese Kapazität kaum. Bis zum Frühjahr waren gegenüber dem türkischen Unternehmen BOTAS Rückstände von rund 360 Mio. EUR aufgelaufen (BTA). Im Mai lagen die tatsächlichen Lieferungen bei nur 25 Mio. Kubikmetern, obwohl monatlich 154 Mio. Kubikmeter Kapazität vereinbart waren (EADaily).

Nach einem Treffen von Präsident Rumen Radew mit Recep Tayyip Erdoğan im Juni wurde der Vertrag für 15 Monate eingefroren: Bulgarien zahlt demnach nur für Kapazität, die es tatsächlich nutzt, während beide Seiten neu verhandeln (BNR). Energieministerin Iwa Petrowa sagte, die Einigung werde die bulgarischen Bürger nicht belasten. Diese Aussage muss sich aber erst in den Bilanzen zeigen. Wenn Bulgargaz die aufgelaufenen Verluste trägt, könnten Steuerzahler oder spätere Gaskunden doch noch über höhere regulierte Tarife oder staatliche Kapitalhilfen zahlen.

Sollte Gas für die Ukraine tatsächlich durch den Korridor fließen, würde Bulgarien aus einem teuren Kapazitätsproblem ein Transitgeschäft machen. Eine bislang verlustreiche Verpflichtung bekäme damit einen wirtschaftlichen Zweck: Moleküle von Süden nach Norden zu bewegen.

Die Ukraine braucht Gas vor dem Winter. Nur eine Importstrecke funktioniert.

Die Ukraine peilt vor Beginn der Heizperiode 14,6 Mrd. Kubikmeter in ihren unterirdischen Speichern an. Um dieses Ziel zu erreichen, wären nach aktuellen Preisen Gasimporte im Umfang von geschätzt 3,2 bis 3,8 Mrd. EUR nötig (DiXi Group). Anfang Juli lagen die Speicher bei 12,04 Mrd. Kubikmetern; Importe kamen nur aus Polen, mit 0,8 bis 1,6 Mio. Kubikmetern pro Tag (UEEX). Die EU hat eine Garantie der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung über 500 Mio. EUR mobilisiert, um die Auffüllung der Reserven zu unterstützen (European Commission).

Eine zweite Importrichtung ist deshalb mehr als technische Redundanz. Eine Leitung kann existieren und dennoch ungenutzt bleiben, wenn Tarife, Verträge oder erwartete Margen nicht passen. Bei der nördlichen Route über Polen endete die jüngste langfristige Kapazitätsauktion ohne Buchungen (TelegrafUA). Die südliche Route ist damit die realistische Alternative der Ukraine.

Das Urteil, das die Zahlen zulassen

Der Korridor ist kommerziell glaubwürdig, operativ aber noch nicht bewiesen. Unternehmen zahlen für künftigen Zugang. Bulgariens eingefrorener BOTAS-Vertrag schafft den passenden finanziellen Anreiz. Die ukrainische Speicherlücke schafft Nachfrage. Griechenland gewinnt eine Rolle als LNG-Eingangstor, Bulgarien einen Ausweg aus einem ruinösen Vertrag, Rumänien Transitgeschäft.

Doch im öffentlichen Register fehlen bisher ein unterschriebener Liefervertrag, gemessene physische Süd-Nord-Flüsse und durchgehende Nominierungen bis in die Ukraine. Der Nachweis kommt erst, wenn ukrainische Speicherdaten zeigen, dass Gas aus dem Süden tatsächlich ankommt.

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7/19/2026, 2:19:41 AM
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