Kroatien verspricht NATO 5% für Verteidigung

The ambitious defense pledge currently exists as a massive accounting exercise without a physical roadmap.
Bildkomposition · tobriefFünf Prozent der Wirtschaftsleistung: So viel will Kroatien bis 2035 für Verteidigung ausgeben. Ministerpräsident Andrej Plenković sagte dies NATO-Generalsekretär Mark Rutte diese Woche in Brüssel zu und stellte Zagreb damit hinter die neue Ausgabenmarke des Bündnisses (24sata, NATO). Kroatien liegt derzeit knapp über zwei Prozent. Der Weg auf fünf Prozent bedeutete also mehr als eine Verdopplung binnen zehn Jahren, bisher allerdings ohne öffentlich nachvollziehbaren Finanzplan.
Was fünf Prozent tatsächlich bedeuten
Die neue NATO-Zielmarke besteht aus 3,5 Prozent des BIP für klassische Verteidigung, also Streitkräfte, Ausrüstung und Einsätze, sowie bis zu 1,5 Prozent für verteidigungsnahe Widerstandsfähigkeit: kritische Infrastruktur, Cybersicherheit, zivile Vorsorge und Rüstungsindustrie (NATO, Evening Standard). Die alte Zwei-Prozent-Marke war 2006 als politische Leitlinie gesetzt und nach der Annexion der Krim durch Russland 2014 bekräftigt worden. Rechtlich einklagbar war sie nie. Auch das neue Ziel wirkt über politischen Druck im Bündnis, nicht über Gerichte (Institute for Government).
Politisch wird vor allem der zweite Topf, weil er Spielraum für nationale Buchführung lässt. Italien kommt auf rund 2,8 Prozent, wenn Carabinieri, Küstenwache, Raumfahrt und Cybersicherheit einbezogen werden; Fachanalysen verorten die eigentlichen Militärausgaben aber eher bei 1,57 Prozent (Sky TG24, Analisi Difesa). Slowenien erklärte, es habe im vergangenen Jahr 2,01 Prozent erreicht; nach slowenischen Medien habe Rutte dagegen die Auffassung vertreten, Ljubljana erfülle die Zwei-Prozent-Marke nach NATO-Methodik nicht (Svet24, Regional Obala). Was Regierungen anrechnen und was die NATO akzeptiert, ist eben nicht immer dieselbe Zahl.
Die Lücke im Südosten
Kroatiens Zusage zielt auf reale Fähigkeitslücken an der südöstlichen NATO-Flanke, von der Adria über den Balkan bis zum Schwarzen Meer. Es geht um integrierte Luft- und Raketenabwehr, Drohnenabwehr, Munitionsvorräte und logistische Korridore, über die alliierte Verstärkung verlegt werden kann. Rutte und Plenković sprachen ausdrücklich über Luft- und Raketenabwehr sowie die Sicherheit des Westbalkans (NATO, 24sata). Wenn kroatisches Geld in interoperable Systeme fließt, stärkt es mehr als nur kroatisches Territorium. Wenn es bei Buchungstricks bleibt, bleibt der Adria-Balkan-Korridor militärisch dünn.
Polen zeigt beide Seiten dieses Problems. Warschau gab 2025 rund 4,48 Prozent des BIP für Verteidigung aus und war damit gemessen am Anteil der Wirtschaftsleistung Europas Spitzenreiter (Euronews). Der polnische Fiskalrat warnte jedoch, die Verteidigungsbedarfe nach 2028 müssten mit Haushaltsstabilität in Einklang gebracht werden (Rzeczpospolita). Der Oberste Rechnungshof stellte zudem in Frage, wie die Regierung militärische Vorauszahlungen im Haushalt klassifiziert (Bankier). Hohe Ausgaben bedeuten also nicht automatisch hohe Einsatzbereitschaft. Große Lieferungen ziehen sich über Jahre hin, und rund 40 Prozent der europäischen Ausgaben für Ausrüstung gehen Berichten zufolge an Lieferanten außerhalb der EU (Euronews).
Der fehlende Plan
Rutte verlangt von den Verbündeten „klare, konkrete und glaubwürdige Pläne“ und macht damit deutlich, dass Gipfelzusagen allein nicht genügen (NATO). Kroatien hat einen solchen Plan bislang nicht veröffentlicht. Es gibt keinen öffentlich einsehbaren Ausgabenpfad Jahr für Jahr, keine Aufteilung zwischen klassischer Verteidigung und Widerstandsfähigkeit, keine Beschaffungsliste mit Lieferterminen und keine Übersicht, welche Branchen die Aufträge erhalten sollen. Die Zusage verschafft Kroatien vor dem NATO-Gipfel im kommenden Monat politischen Kredit. Ohne Zahlenwerk hält solcher Kredit gewöhnlich nicht lange.
Der Gipfel wird zeigen, ob aus der Zusage tatsächlich Luftabwehrbatterien und Verstärkungskorridore entstehen, oder ob vor allem eine Buchführung wächst, deren Ergebnis davon abhängt, wer gerade nachrechnet.
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- 6/18/2026, 3:17:24 AM
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