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EU_PUBLIC_AFFAIRS04 / 04 · Geschichte des Tages3 Min. · 725 Wörter · 42 Quellen

Zypern-Kabel hängt an Athen

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Geschrieben von KIto brief KI · 7. September 2026, 02:50
Wie sie entstand

A missing notice leaves Europe’s cable stranded in contested waters.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Zwischen Kreta und Zypern entscheidet sich an einem Vermessungsschiff, ob ein europäisches Infrastrukturprojekt überhaupt in die Bauphase kommt. Die griechische Navigationsmeldung, die dem Schiff die Weiterfahrt erlauben würde, ist noch nicht veröffentlicht. Solange sie ausbleibt, bleibt der Great Sea Interconnector dort stecken, wo er seit zwei Jahren steckt: an der Grenze zwischen Energiepolitik und ungeklärten Hoheitsansprüchen im östlichen Mittelmeer.

Das Kabel, die Lücke, das blockierte Schiff

Der Great Sea Interconnector (GSI) soll Zypern aus seiner Sonderlage befreien. Die Insel ist der einzige EU-Mitgliedstaat ohne Stromverbindung zum europäischen Verbundnetz. Geplant ist ein 1.208 Kilometer langes Unterseekabel von Kreta nach Zypern, in Wassertiefen von bis zu knapp 3.000 Metern und zu geschätzten Kosten von 1,9 Mrd. EUR (Enerdata). Die Europäische Kommission hat das Vorhaben als Projekt von gemeinsamem Interesse eingestuft und über die Connecting Europe Facility, ihr Infrastrukturförderprogramm, fast 658 Mio. EUR zugesagt (Euronews, Cyprus Mail).

Rund 60 Prozent der Meeresbodenvermessung sind abgeschlossen. Die übrigen 40 Prozent liegen in Seegebieten, auf die sowohl Griechenland als auch die Türkei Ansprüche erheben (Greek News Agenda). Genau dort liegt das politische Problem. Als im Juli 2024 ein Vermessungsschiff unter italienischer Flagge in den Korridor südlich von Kasos und Karpathos einfuhr, entsandte die Türkei Kriegsschiffe; das Schiff stoppte seine Arbeit. Seitdem kam die Vermessung nicht weiter (DW).

Frankreich kaufte einen Anteil, keine Garantie

Am 5. August übernahm der französische Infrastrukturinvestor Meridiam die Mehrheit an der Projektgesellschaft. IPTO, der griechische Stromnetzbetreiber, behält die technische Führung bei der Umsetzung (Prime Minister of Greece). Eine gesonderte Vereinbarung zwischen IPTO und dem französischen Kabelhersteller Nexans, der bereits einen Kabelauftrag im Wert von rund 1,43 Mrd. EUR hält, betrifft jene Meeresbodenuntersuchungen, die vor der Verlegung nötig sind (Energynews.pro, Powergame).

Paris ist damit finanziell, industriell und diplomatisch stärker in das Projekt eingebunden. Berichten zufolge sprachen der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis, der zyprische Präsident Nikos Christodoulides und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron darüber, die Navigationsmeldung zu beschleunigen, sobald die operativen Entscheidungen getroffen seien (Cyprus Mail). In griechischen Medien wurde über eine französische Marinebegleitung spekuliert; eine offizielle Bestätigung aus Paris, Athen oder Nikosia gab es jedoch nicht (RUA). Französisches Kapital erhöht die politischen Kosten einer Blockade. Es gibt Griechenland aber noch keine freie Hand, das Schiff einfach loszuschicken (Kathimerini).

Ankara bleibt bei seiner Linie. Türkische Regierungsvertreter sagen, Arbeiten am Meeresboden in Gebieten, die die Türkei beanspruche, bedürften türkischer Genehmigung (Hürriyet). Der Rechtsstreit ist nicht bloß vorgeschoben. Griechenland und Zypern berufen sich auf das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen, das die maritime Zuständigkeit regelt, und argumentieren, Inseln erzeugten eigene ausschließliche Wirtschaftszonen. Die Türkei hat das Abkommen nicht unterzeichnet und vertritt die Auffassung, dass Inseln dort keine solche Wirkung hätten, wo sie mit dem Festlandsockel eines Küstenstaats kollidierten. Nach türkischer Lesart liegen die Gewässer zwischen Kreta und Zypern in einer türkischen Zone; nach griechischer Lesart treffen dort griechische und zyprische Zonen aufeinander.

Eine Meeresbodenvermessung ist deshalb kein neutraler technischer Schritt. Sie legt eine mögliche Kabeltrasse fest, die eine Seite später als Bestätigung ihrer Seegebietsansprüche lesen könnte. Dass Ankara 2024 militärisch reagierte, zeigte eben, wo die Türkei die operative Schwelle zieht: bei der Genehmigung der Vermessung (Daily Sabah).

Zypern zahlt am meisten und sieht am wenigsten

Zypern soll 63 Prozent der Kabelkosten tragen, etwa 786 Mio. EUR, weil die Insel der letzte isolierte Strommarkt der EU ist (Euronews). Von den 251 Mio. EUR, die IPTO nach eigenen Angaben bereits ausgegeben hat, erkannte die zyprische Energieregulierungsbehörde nur 32 Prozent als erstattungsfähig an (ProtoThema). Oppositionsführer Stefanos Stefanou fragte den Finanzminister, wie sich der Einstieg Meridiams auf Gesamtkosten, Tragfähigkeit und Verbraucherbelastung auswirke. Die Frage ist naheliegend: Zyprische Steuerzahler und Stromkunden finanzieren ein Kabel, dessen nächster physischer Schritt von einer Konfrontation abhängt, die Nikosia allein nicht steuern kann.

ENTSO-E, der Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber, bestätigte im April, dass GSI die einzige anerkannte Stromverbindung für Zypern sei. Eine Alternative über die Türkei oder Nordzypern lehnte der Verband ab (ENTSO-E). Die Kommission nennt ihr Engagement „glasklar“. Die Navigationsmeldung, die diese Klarheit praktisch testen würde, wird um den Oktober herum erwartet.

Brüssel hat fast 658 Mio. EUR für die Einstufung, Förderung und Planung eines Kabels gebunden, dessen nächster Schritt ein Vermessungsschiff in Gewässer führt, in denen ein Nicht-EU-Staat vor zwei Jahren Kriegsschiffe entsandte. Bisher behandelte die Kommission den GSI vor allem als Energieprojekt. Die nächste Navigationsmeldung wird zeigen, ob sie bereit ist, ihn auch als Souveränitätsfrage zu behandeln.

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9/7/2026, 1:35:41 AM
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