Skip to main content
EU_ECONOMICS01 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 741 Wörter · 33 Quellen

Zypern ringt um Kabelrechnung

Geschrieben von KIto brief AI · 14. August 2026, 02:50
Wie sie entstand

The cable reaches Cyprus only when its cost reaches consumers.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Der Great Sea Interconnector soll eines der strukturellen Energieprobleme im östlichen Mittelmeer lösen: Zypern ist bis heute der einzige EU-Mitgliedstaat ohne Stromverbindung zu einem anderen Land. Genau daraus entsteht nun die politische Schärfe des Projekts. ADMIE, der griechische Übertragungsnetzbetreiber, hat die Energieregulierer in Zypern und Israel aufgefordert, die Kostenverteilung für den Abschnitt zwischen Zypern und Israel festzulegen (ADMIE, Cyprus Mail). Das geplante Seekabel würde Griechenland, Zypern und Israel zu einem gemeinsamen Stromverbund zusammenschalten.

Damit rückt das Projekt aus der Phase politischer Unterstützung in die eigentliche Verteilungsfrage: Welche Verbraucher zahlen über ihre Stromrechnung welchen Anteil?

Ein Baubeginn oder eine verbindliche Finanzierungszusage ist der Antrag nicht. Die Regulierer sollen zunächst entscheiden, wie die Investitionskosten aufgeteilt werden und welcher Teil über Netzentgelte oder Stromtarife zurückverdient werden darf, also über jene Kilowattstundenpreise, die Verbraucher ohnehin zahlen (Euronews Greece). Das klingt technisch, ist aber der Punkt, an dem solche Infrastrukturvorhaben stehen oder fallen. Ohne Tarifentscheidung fehlt Banken der Nachweis künftiger Rückzahlungen. Mit ihr werden die erwarteten Einnahmen berechenbar genug, um Finanzierung überhaupt möglich zu machen.

Warum die Tarifentscheidung wichtiger ist als das Kabel

Der Mechanismus ist einfach, aber politisch heikel. Die Regulierer der beteiligten Länder genehmigen eine Kostenaufteilung. Daraus ergibt sich, welchen Betrag der jeweilige Netzbetreiber über Jahre hinweg von den Stromkunden einziehen darf. Diese garantierten künftigen Zahlungen sind die Grundlage, auf der Banken und Investoren Milliarden für Bau und Ausrüstung bereitstellen.

Bleibt die Aufteilung unklar oder verweigert ein Land seine Zustimmung, nützen auch politische Absichtserklärungen wenig. Dann fehlt dem Projekt der regulierte Zahlungsstrom, der es finanzierbar macht.

Der Abschnitt zwischen Zypern und Israel soll eine Kapazität von 1.000 MW über rund 324 km Seekabel übertragen, teils in sehr großen Meerestiefen. Das ist kostenrelevant, weil Tiefseekabel aufwendiger vermessen, verlegt und im Schadensfall repariert werden müssen (Kathimerini Greece). Der größere Abschnitt zwischen Griechenland und Zypern umfasst etwa 1.208 km; seine Kosten werden auf rund 1,9 Mrd. EUR geschätzt. Etwa 657 Mio. EUR davon sollen über die Connecting Europe Facility kommen, das EU-Programm für grenzüberschreitende Infrastruktur (Enerdata, CINEA).

ADMIE teilt mit, die eigene Kosten-Nutzen-Analyse habe die Verbindung „in allen untersuchten Szenarien“ als tragfähig bewertet. Veröffentlicht ist die vollständige Studie allerdings nicht. Auch die Investitionskosten des Abschnitts Zypern-Israel, der vorgeschlagene prozentuale Verteilungsschlüssel und eine Schätzung der Auswirkungen auf Verbraucherrechnungen sind bislang nicht öffentlich (Philenews).

Zypern gewinnt am meisten und trägt das größte Risiko

Der Antrag kam eine Woche, nachdem der französische Infrastrukturinvestor Meridiam eine Mehrheit von 66 Prozent an der Projektgesellschaft übernommen hatte; ADMIE hält die übrigen 34 Prozent. Damit kamen privates Kapital und ein langfristig orientierter Investor an Bord, zwei Elemente, die dem Vorhaben zuvor fehlten (EnergyNews).

In Griechenland wurde der Schritt als neues Momentum gewertet. In Zypern fiel die Reaktion zurückhaltender aus. Energieminister Michalis Damianos sagte, Nikosia werde die Due-Diligence-Prüfung der Europäischen Investitionsbank abwarten, bevor es über eine Beteiligung als Anteilseigner oder über die Akzeptanz der Kostenschlussfolgerungen entscheide (Politis, Times of Israel). Die Oppositionspartei AKEL verlangte die vollständige Offenlegung der Bedingungen der Meridiam-Vereinbarung und der Folgen für Verbraucher, bevor neue Verpflichtungen eingegangen würden (Kathimerini Cyprus).

Diese Vorsicht hat einen greifbaren Grund. Zypern erzeugt seinen Strom mangels Verbindung zu anderen Netzen vollständig selbst, meist mit teuren importierten Brennstoffen. Die Beendigung dieser Isolation ist das stärkste Argument für das Kabel. Zugleich schwächt sie aber die zyprische Verhandlungsposition, weil das Land den größten Nutzen aus der Verbindung ziehen dürfte.

Ein Bericht nennt für den Abschnitt Griechenland-Zypern eine mögliche Kostenaufteilung von 63 Prozent zulasten zyprischer Verbraucher und 37 Prozent zulasten griechischer Verbraucher; bestätigt ist dieses Verhältnis von den Regulierern nicht (Serbia Energy). Sollte es zutreffen, läge ein erheblicher Teil des Kostenrisikos bei zyprischen Haushalten, vor allem wenn Baukosten steigen oder günstigere Stromimporte später eintreten als kalkuliert.

Was offenbleibt

Das Projekt hat nun zwei Dinge, die ihm vor einem Jahr noch fehlten: einen privaten Kapitalgeber, der Eigenmittel einbringen will, und einen formalen Antrag, der die Regulierer zu einer schriftlichen Antwort auf die Kostenfrage zwingt. Damit ist der Great Sea Interconnector investierbarer geworden als zuvor. Finanziert ist er damit noch nicht.

Meridiam hat bislang keine öffentlichen Details zu Zahlungsplan, Kostenüberschreitungen oder Abschlussbedingungen vorgelegt (Marine Cyprus). Die Meeresbodenuntersuchungen sind nicht abgeschlossen. Hinzu kommen die türkischen Einwände im östlichen Mittelmeer, die weiterhin über möglichen Verlegerouten liegen (Capital).

Der eigentliche Test liegt nun bei den zyprischen Regulierern: Akzeptieren sie eine Kostenverteilung, die den größeren Anteil auf die eigenen Stromkunden legt? Diese Zahl wird am Ende nicht in einer Pressemitteilung stehen, sondern auf den Stromrechnungen.

How was this article?

Help us get better

Details about this article
Model:
claude-opus-4-6
Generated:
8/14/2026, 2:03:07 AM
Pipeline run:
eu_pipeline_20260814_005006
Watermark:
SynthID (Google's invisible watermark)
Human review:
None before publication
Learn more about our methodology