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EU_ECONOMICS01 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 633 Wörter · 72 Quellen

Dürre kostet Ungarn 1,760 MW

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Geschrieben von KIto brief KI · 4. August 2026, 02:50
Wie sie entstand

A falling river now decides which parts of the economy keep running.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Die Donau ist in der vergangenen Woche so stark gefallen, dass Ungarn fast seine gesamte Atomstromproduktion verlor. Rumänien steht wenige Tage davor, auch den letzten laufenden Reaktor in Cernavodă abschalten zu müssen. In beiden Ländern gilt inzwischen dieselbe Priorität: Industrieproduktion kann warten, Haushalte sollen weiter Strom bekommen.

Wie ein Fluss einen Reaktor abschaltet

Kernkraftwerke brauchen Flusswasser, um Abwärme abzuführen. Es ist die kalte Seite jenes Systems, das aus nuklearer Wärme Strom macht. Sinkt der Pegel zu stark, können Pumpen nicht mehr genug Wasser ansaugen. Wird der Fluss zugleich warm oder fließt zu langsam, treibt das eingeleitete Kühlwasser die Temperatur flussabwärts über zulässige Grenzwerte. In einer Dürre fallen beide Risiken zusammen.

In Paks, Ungarns einzigem Kernkraftwerk und normalerweise eine 2.000-Megawatt-Quelle, erfolgte die Abschaltung schrittweise. Der staatliche Energiekonzern MVM begann mit Leistungsreduzierungen, nachdem die Donau am Kraftwerkspegel unter minus 106 Zentimeter gefallen war (MVM Paks). Bis zum 2. August lief nur noch einer von acht Turbogeneratoren mit rund 240 Megawatt (Portfolio, Telex). AP berichtete von einer vollständigen Abschaltung (AP). In jedem Fall verlor Ungarn binnen Tagen den größten Teil seiner nuklearen Grundlast, also jener rund um die Uhr verfügbaren Stromproduktion, auf der das Netz im Normalbetrieb aufbaut.

In Rumänien ist die Lage noch enger. In Cernavodă war Block 1 bereits vom Netz. Block 2 blieb angeschlossen, doch das Zulaufbecken stand bei 2,02 Metern und damit nur zwölf Zentimeter über dem Niveau, bei dem die Pumpen ausfallen (Ziua de Constanta). Ein Nebenarm nahe dem Bala-Kanal zog rund 85 Prozent des Donauwassers vom Kühlwassereinlass des Kraftwerks ab. Das Militär setzte kontrollierte Sprengungen ein, um Wasser zurück in Richtung Anlage zu lenken (Radio Constanta). Das verschaffte nach Behördenangaben wohl vier bis fünf weitere Tage Betrieb (Agerpres).

Solarstrom hilft mittags, nicht am Abend

Rumäniens Tagesbilanz wirkt zunächst beherrschbar. Am 3. August erzeugte das Land 6.009 Megawatt bei einer Nachfrage von 5.212 Megawatt; Solarstrom deckte mehr als 45 Prozent (Agerpres). Nach Sonnenuntergang verschwindet dieser Beitrag, während Klimaanlagen weiterlaufen. Am Abend des 31. Juli produzierte Rumänien 5.239 Megawatt, verbrauchte aber 7.177 Megawatt und musste 1.938 Megawatt importieren (Radio Timisoara). Genau in dieser Abendlücke wird der Verlust von Atomstrom spürbar.

Europas Strommärkte sind über Interkonnektoren verbunden, also Hochspannungsleitungen, die Strom aus günstigeren in teurere Preiszonen leiten. Wenn Ungarn und Rumänien zur selben Abendzeit Ersatzstrom brauchen, wird nicht nur Strom knapp, sondern auch Leitungskapazität. Der slowenische Netzbetreiber ELES begrenzte für den 3. August die grenzüberschreitenden Kapazitäten an der Grenze zu Österreich (ELES). Die Großhandelspreise stiegen auf mehr als 150 EUR je Megawattstunde, mit Abendspitzen nahe 270 EUR je Megawattstunde, deutlich über üblichen Sommerwerten (Serbia Energy).

Fabriken tragen den Stoß, damit Haushalte Strom haben

Beide Regierungen setzen dieselbe Reihenfolge: zuerst die Industrie. In Ungarn ermächtigt eine Notverordnung den Netzbetreiber MAVIR, große Industrie- und Gewerbekunden zu drosseln oder vom Netz zu nehmen; Haushalte sollen erst zuletzt betroffen sein (HVG). Ministerpräsident Péter Magyar sagte, Großverbraucher hätten bis zum 3. August freiwillige Einsparungen von mehr als 630 Megawatt zugesagt (Telex). Das hilft, schließt die Lücke aber nicht: Paks liefert im Normalbetrieb 2.000 Megawatt.

In Rumänien stoppten die Autobauer Dacia und Ford freiwillig ihre Produktion bis zum 19. August und machten damit etwa 200 Megawatt frei (Agerpres). Nuclearelectrica, Betreiberin von Cernavodă, warnte Kunden, Lieferverträge womöglich nicht erfüllen zu können (ZF).

Private Stromrechnungen bleiben vorerst durch Festverträge geschützt. Dieser Schutz ist real, aber er funktioniert nur, weil Fabriken, Importe und Netzbetreiber den Schock auffangen. Jede eingesparte Megawattstunde in der Industrie bedeutet verschobene Autos, gestörte Lieferketten und Kosten, die später sichtbar werden. Am Wochenende hielt das System. Bleiben die Pegel niedrig, dürfte aus freiwilligem Sparen rasch verpflichtende Rationierung werden. Dann stellt sich auch die Frage, wie lange Regierungen Ersatzstrom zu 270 EUR je Megawattstunde bezahlen können, um Haushalte auf Kosten der Industrie zu schonen.

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8/4/2026, 1:45:29 AM
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