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EU_ECONOMICS04 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 723 Wörter · 72 Quellen

Donau stoppt Rumäniens Atomstrom

Geschrieben von KIto brief AI · 13. August 2026, 02:50
Wie sie entstand

Romania’s nuclear certainty lies stranded by the shrinking Danube.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Rumäniens Stromsystem verliert mitten in der sommerlichen Dürre seine verlässlichste Grundlast. Am 13. August begann auch Block 2 des Kernkraftwerks Cernavodă mit der Abschaltung, weil der Wasserstand der Donau unter die für die Kühlung nötige Mindestmarke gefallen ist. Zwei Wochen zuvor war Block 1 aus demselben Grund vom Netz gegangen (Agerpres, Argus).

Zusammen lieferten die beiden Reaktoren rund 1,4 Gigawatt Strom, unabhängig von Tageszeit und Wetter. Die Regierung in Bukarest verweist auf Importe, Kohle und Windkraft als Ersatz. Doch der wichtigste Puffer besteht aus Stromkäufen bei Nachbarn, die selbst unter derselben Dürre leiden.

Warum ein Fluss einen Reaktor stoppt

Cernavodă braucht ständig Donauwasser, um die Anlage zu kühlen. Die nationale Wasserbehörde ANAR meldete am Pegel Cernavodă einen Stand von minus 230 Zentimetern; Behördenvertreter bezeichneten diesen Wert als beispiellos (Digi24, Mediafax). Am Zufluss bei Baziaș wurden nur noch rund 1.400 Kubikmeter pro Sekunde gemessen, etwa ein Drittel des üblichen Augustmittels (Brussels Signal, Agerpres).

Die kurzfristigen Arbeiten mit Felskähnen am Flussbett haben Tage gewonnen, aber keine Wochen. Für ein Kernkraftwerk ist der entscheidende Punkt eben nicht der rechnerische Jahresdurchschnitt, sondern ob in jeder Stunde genügend Kühlwasser verfügbar ist.

Die Lücke am Abend

Auf dem Papier wirken Rumäniens Ersatzoptionen ausreichend. In den kritischen Stunden sind sie deutlich weniger belastbar.

Der größte Hebel sind Importe. Rumänien verfügt über 3,2 bis 4,0 Gigawatt grenzüberschreitende Leitungskapazität. Diese Zahl beschreibt aber nur, wie viel Strom physisch ins Land fließen könnte. Sie sagt nichts darüber, ob am anderen Ende tatsächlich Kraftwerke laufen und ob deren Betreiber verkaufen wollen (Curs de Guvernare).

Die übrigen Ersatzquellen sind kleiner. In Rovinari soll ein Kohleblock mit 330 Megawatt wieder anlaufen, die Wasserkraft liefert wegen der Trockenheit nur etwa 300 Megawatt, und die Windkraft kommt im Schnitt auf rund 525 Megawatt, kann aber auf 100 Megawatt fallen (Digi24). Das ersetzt keine Kernkraftproduktion, die rund um die Uhr stabil einspeist.

Eng wird es vor allem zwischen 19 und 23 Uhr. Dann verschwindet die Solarleistung, Wind bleibt unsicher, während Haushalte weiter Klimaanlagen und Beleuchtung nutzen. Schon vor der Abschaltung von Block 2 importierte Rumänien nach Angaben von Adevărul zu abendlichen Spitzenzeiten etwa 2.150 Megawatt, bei einem Gesamtverbrauch von rund 8.000 Megawatt (Adevărul).

Der Energieanalyst Dumitru Chisăliță warnte, an einem ungünstigen Abend gehe es nicht mehr um den Preis, sondern darum, „wer abgeschaltet wird“ (Mediafax). Die Behörden sagen, Privathaushalte müssten keine Zwangsabschaltungen erwarten: Der Notfallplan sieht zuerst große Industriekunden für verpflichtende Verbrauchssenkungen vor (EMI Bulgaria).

Der Preis bleibt dennoch Teil des Problems. Fällt günstige Kernkraft weg, ersetzt Rumänien sie durch Kohle und Importe zu Marktpreisen. Das trifft zunächst die Großhandelsmärkte und später die Stromrechnungen. Nuclearelectrica informierte Kunden, das Unternehmen könne sich auf höhere Gewalt berufen, also auf eine Vertragsklausel, die Lieferpflichten unter außergewöhnlichen Umständen aussetzt (ZF).

Die Nachbarn, auf die Rumänien setzt

Entscheidend sind vor allem Ungarn und Bulgarien.

Ungarn ist in dieser Lage kein Lieferant, sondern ein konkurrierender Käufer. Das Kernkraftwerk Paks, die einzige ungarische Atomanlage, verlor wegen desselben niedrigen Donauwassers rund 1.770 Megawatt seiner üblichen 2.000 Megawatt Leistung (MVM Paks, kormany.hu). Budapest hat den Netzbetreiber MAVIR ermächtigt, Industriekunden mit mehr als 0,5 Megawatt Leistung abzuschalten; bei Verstößen drohen Strafzahlungen von 200 Prozent des Spotpreises (HVG).

Bulgarien ist der wichtigste Entlastungskanal der Region. Am 7. August erreichten die bulgarischen Stromexporte 2.180 Megawatt, davon gingen 1.355 Megawatt nach Rumänien (economic.bg). Doch auch Bulgariens Angebot folgt dem Tagesprofil: Mittags treiben Solaranlagen die Exporte nach oben, am Abend hängt die Versorgung vor allem vom Kernkraftwerk Kosloduj und den Kohlekraftwerken Mariza ab.

Der bulgarische Energieminister sagte, Kosloduj habe bei den niedrigen Donaupegeln noch einen Spielraum von ungefähr anderthalb Wochen (DBR). Sollte auch dieser Puffer schrumpfen, wird die wichtigste Reserve der Region kleiner.

Rumänien hat die Europäische Kommission informiert und um eine regionale Angemessenheitsprüfung gebeten, also um eine Einschätzung, ob unter Stress genügend Kraftwerksleistung und grenzüberschreitende Kapazität vorhanden sind, um die Nachfrage zu decken (HotNews). Die Kommission erklärte, Europas Stromsystem bleibe „trotz extremer Wetterbedingungen stabil“ (European Commission).

Das beschreibt Europa insgesamt, aber nicht Rumäniens Problem um 21 Uhr. Das Risiko liegt in jener abendlichen Importstunde, in der zwei von der Dürre getroffene Länder jeweils mehr als 2.000 Megawatt aus derselben Nachbarschaft ziehen wollen. Ob daraus industrielle Zwangsabschaltungen werden, hängt davon ab, welche bulgarischen Kraftwerke in genau diesen Stunden laufen und wie lange Koslodujs eigener Donaupuffer hält. Beides kontrolliert Bukarest nicht.

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8/13/2026, 2:02:38 AM
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