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EU_ECONOMICS02 / 04 · Geschichte des Tages3 Min. · 584 Wörter · 47 Quellen

DAX-Konzerne streichen 41,000 Jobs

Geschrieben von KIto brief AI · 15. August 2026, 02:50
Wie sie entstand

Record profits rise as Europe’s industrial workforce quietly disappears.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Die Gewinnlage der großen deutschen Börsenkonzerne und die Lage der industriellen Beschäftigung fallen immer weiter auseinander. Die 40 Dax-Unternehmen erzielten im zweiten Quartal einen operativen Rekordgewinn von 52,6 Mrd. EUR, knapp 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zugleich beschäftigten sie 41.000 Menschen weniger (Tagesschau, Handelsblatt). Beides gehört zusammen: Viele Konzerne verdienen ihr Geld inzwischen dort, wo sie keine zusätzlichen deutschen Industriearbeitsplätze brauchen.

Woher die Gewinne kommen

Der Dax ist kein Abbild der deutschen Fabrikhallen. In ihm stecken Telekommunikationskonzerne, Versicherer, Rüstungsunternehmen und Pharmagruppen. Größter Gewinnbringer des Quartals war die Deutsche Telekom mit 6,9 Mrd. EUR operativem Gewinn, getragen vor allem vom US-Geschäft der Tochter T-Mobile US. Dahinter folgte der Versicherer Allianz mit 4,9 Mrd. EUR (Handelsblatt). Die FAZ weist deshalb zu Recht darauf hin, dass der Gewinnboom wenig über den Zustand des deutschen Industriestandorts aussagt.

In den Fabriken sieht die Entwicklung anders aus. Die Beschäftigung in der Autoindustrie sank binnen eines Jahres um 5,8 Prozent auf 691.500 Stellen, den niedrigsten Stand seit 2005. Das Verarbeitende Gewerbe insgesamt verlor 2,7 Prozent seiner Beschäftigten und kam nur noch auf 5,29 Millionen Arbeitnehmer (Tagesschau). Bei den Autozulieferern betrug der Rückgang 7,6 Prozent (DW). Diese Zahl ist besonders wichtig, weil sich der Druck über Zulieferketten eben nicht an der deutschen Grenze stoppt.

Deutschland ersetzt weniger, als verschleißt

Das tiefere Problem liegt bei den Investitionen. Unternehmen stecken nicht mehr genug Geld in ihre deutschen Standorte, um den Verschleiß von Maschinen, Anlagen und Gebäuden auszugleichen. Die Bundesbank berichtete im Mai, die Nettoanlageinvestitionen der Unternehmen seien 2024 und 2025 negativ gewesen, erstmals seit der Wiedervereinigung. Gemeint ist der Betrag, der nach Abzug des Kapitalverschleißes tatsächlich zusätzlich in den Produktionsapparat fließt (Bundesbank). Preisbereinigt sinken die Investitionen in Maschinen seit 2019.

Dahinter steht ein Wettbewerbsproblem. Nach Schätzung der Bundesbank gehen rund drei Viertel des jüngsten Verlusts deutscher Exportmarktanteile auf schwächere Wettbewerbsfähigkeit zurück, nicht bloß auf eine lahmere Weltkonjunktur. Die deutschen Autoexporte nach China halbierten sich zwischen 2021 und 2025 nahezu (Bundesbank). Die industriellen Strompreise lagen im Juni zwar 4,2 Prozent unter dem Vorjahreswert (Destatis), womit der stärkste Druck der Energiekrise von 2022 und 2023 nachgelassen hat. Die Kostenstruktur bleibt für neue Kapazitäten in Deutschland aber offenbar unattraktiv.

Der Druck erreicht Mitteleuropa

Deutschland ist der Knotenpunkt vieler industrieller Lieferketten in Europa. Knapp 28 Prozent der polnischen Exporte gehen nach Deutschland (PAP Mediaroom). In Tschechien ist es etwa ein Drittel (Novinky). Die EZB, die die Geldpolitik im Euroraum steuert, warnt, dass Kostenbelastungen und Nachfrageschwäche über solche Verflechtungen rasch weitergegeben werden (EZB).

Rumänien zeigt bereits, wie das praktisch aussieht. Die Fahrzeugproduktion sank im ersten Halbjahr um 12,7 Prozent, zwischen Januar 2025 und April 2026 gingen mehr als 18.000 Arbeitsplätze in der Autoindustrie verloren (PSNews, ZF). Andere Standorte gewinnen weiter Aufträge: In Tschechien stieg die Autoproduktion im ersten Halbjahr um 4,5 Prozent, Škoda produziert an der Kapazitätsgrenze (iROZHLAS). In Ungarn legte die Fahrzeugproduktion im Juni um 21 Prozent zu (HVG). Das sind aber selektive Gewinne in einem europäischen Autosektor, der insgesamt schrumpft.

Global aufgestellte deutsche Konzerne sichern ihre Margen durch Auslandserträge, Kostensenkungen und eine günstigere Branchenmischung. Für Deutschland wird zugleich unsicherer, ob die nächste Fabrik, Batterielinie oder Zulieferbestellung noch im eigenen Land landet. Diese Entscheidung bleibt nicht national: Sie läuft über Lieferketten nach Polen, Tschechien, in die Slowakei und nach Rumänien. Mitteleuropäische Werke können zwar Aufträge gewinnen, wenn Produktion verlagert wird. Sichere Beschäftigung entsteht daraus aber nur begrenzt, solange die Konzerne, die diese Aufträge vergeben, ihre europäische Belegschaft insgesamt verkleinern.

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8/15/2026, 1:50:24 AM
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