Skip to main content
EU_ECONOMICS10 / 18 · Geschichte des Tages3 Min. · 616 Wörter · 36 Quellen

Dänemark deckt Gasbedarf mit Biogas

Geschrieben von KIto brief AI · 5. Juli 2026, 02:50
Wie sie entstand

A milestone for Danish biogas flows through a legacy infrastructure of increasing fragility.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Anfang Juli hat Dänemark an einem Tag erstmals genug Biogas erzeugt, um den gesamten nationalen Gasverbrauch zu decken (BT). Auf das Jahr gerechnet liefert Biogas inzwischen rund 40 Prozent des dänischen Gasverbrauchs. Möglich wurde der Rekord, weil zwei Entwicklungen zusammenfallen: Die Produktion erneuerbaren Gases steigt weiter, während die Gasnachfrage sinkt, da weniger Haushalte und Betriebe Gas zum Heizen nutzen. Das ist ein beachtlicher Fortschritt, aber eben einer auf günstigem Terrain: Dänemarks Gasmarkt ist klein und schrumpft.

Vom Mist in die Pipeline

Die Technik dahinter ist nicht neu. Bakterien zersetzen organische Abfälle wie Gülle, Lebensmittelreste oder Klärschlamm unter Ausschluss von Sauerstoff und erzeugen dabei Rohbiogas. Werden Kohlendioxid und Verunreinigungen entfernt, entsteht Biomethan, das rein genug ist, um in bestehende Gasleitungen eingespeist zu werden (IEA). Der dänische Netzbetreiber Energinet erfasst über Zertifikate, wie viel erneuerbares Gas ins System gelangt. Physisch vermischt sich das Gas im Netz; die Zertifikate dokumentieren die Mengen (Energinet).

Für Europa ist das mehr als eine dänische Erfolgsmeldung. Nachdem Russland 2022 seine Gaslieferungen gedrosselt hatte, setzte die EU im REPowerEU-Plan das Ziel, bis 2030 35 Mrd. Kubikmeter Biomethan zu erzeugen (REPowerEU). Die Logik ist nachvollziehbar: Gas aus heimischen Abfällen kann kein ausländischer Lieferant abdrehen. Anders als Wind- oder Solarstrom lässt sich Biomethan zudem in vorhandener Infrastruktur speichern und dort einsetzen, wo Elektrifizierung langsam oder teuer bleibt, etwa in Hochtemperaturprozessen der Industrie oder in schwer umzurüstenden Altbauten (Europäische Kommission).

Die Rechnung zahlen die verbleibenden Gasnutzer

Die unmittelbaren Gewinner sind Landwirte mit Biogasanlagen, Projektentwickler und Gasnetzbetreiber. Haushalte profitieren nur mittelbar, weil die Energieversorgung widerstandsfähiger wird. Direkt können sie dagegen belastet werden.

Biomethan ist teuer in der Herstellung. Fast überall braucht es garantierte Abnahmepreise, finanziert über Gasentgelte oder öffentliche Haushalte. Wenn der Gasverbrauch sinkt, verteilen sich zugleich die Fixkosten der Leitungsnetze auf weniger Nutzer. Die französische Energieregulierungsbehörde CRE erhöht den regulierten Gasverteilungstarif zum 1. Juli 2026 um 5,87 Prozent (CRE). Le Monde beschrieb den Mechanismus knapp: Der Verbrauch sinkt schneller als das Netz kleiner wird, also zahlt jeder verbleibende Kunde mehr für den Betrieb der Leitungen (Le Monde).

Dänische Haushalte geraten in dieselbe Klemme. Auch wenn das Netz grüner wird, folgen die Preise weiter den internationalen Großhandelsmärkten, weil Biomethan im selben Handelssystem landet wie fossiles Gas. Ein dänischer Bericht kam zu dem Ergebnis, dass Haushalte mit Gasheizung bereits 5.000 Kronen pro Jahr mehr zahlen als vor dem Preisschock von 2022 (Ritzau). Grüne Moleküle bedeuten also nicht automatisch niedrigere Rechnungen.

Aus deutscher Sicht wird der Punkt noch schärfer. Eine Studie des Fraunhofer ISE ergab, dass Gasheizungen mit steigenden Anteilen grünen Gases über 20 Jahre bis zu 49.000 EUR teurer sein könnten als eine Wärmepumpe in einem typischen Einfamilienhaus (Energie & Management). Das macht Biomethan nicht wertlos. Es zeigt aber, dass der Stoff zu knapp und zu teuer ist, um Millionen Haushalte dauerhaft im Gasnetz zu halten. Sein Nutzen liegt dort, wo Strom noch keine einfache Lösung bietet: in bestimmten Industrieprozessen, als Reserve und bei Gebäuden, die sich nur schwer umrüsten lassen.

Ein Rekord unter günstigen Bedingungen

Dänemarks Meilenstein ist das Ergebnis jahrzehntelanger Investitionen in landwirtschaftliches Biogas und eines überschaubaren Gasmarktes. Der größere Teil Europas ist davon weit entfernt. Irland etwa peilt bis 2030 5,7 TWh Biomethan an, hat aber erst zwei Anlagen, die ins Netz einspeisen, mit zusammen rund 75 GWh Jahresproduktion. Das entspricht weniger als 1,5 Prozent des Ziels (We Are Biogas).

Die dänische Erfahrung ist deshalb lehrreich, aber nicht beliebig übertragbar. Biomethan funktioniert, wenn es mit sinkendem Gasverbrauch verbunden wird und wenn klar bleibt, wohin der knappe grüne Brennstoff gehen soll. Das Risiko besteht darin, dass solche Rekorde politisch genutzt werden, um Gasinfrastruktur länger zu erhalten, als sie gebraucht wird. Die Kosten dafür landen dann bei denen, die noch am Netz hängen.

How was this article?

Help us get better

Details about this article
Model:
claude-opus-4-6
Generated:
7/5/2026, 2:33:18 AM
Pipeline run:
eu_pipeline_20260705_005005
Watermark:
SynthID (Google's invisible watermark)
Human review:
None before publication
Learn more about our methodology