EZB plant 2.25% trotz Subventionsende

A one-size-fits-all interest rate becomes an immovable barrier in a cooling economy.
Bildkomposition · tobriefIn der Eurozone lässt der binnenwirtschaftliche Preisdruck nach: Die Kerninflation, also die Teuerung ohne schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise, sank im April auf 2,2 Prozent. Die Tariflöhne gingen von 3,0 auf 2,6 Prozent zurück (ECB Wage Tracker). Trotzdem dürfte die Europäische Zentralbank die Geldpolitik wieder straffen. Für den 11. Juni wird erwartet, dass der EZB-Rat den Einlagensatz, den wichtigsten Leitzins für die Finanzierungskosten im Euroraum, von 2,00 auf 2,25 Prozent anhebt (EZB). An den Märkten wird dieser Schritt mit 80 bis 91 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreist (Euronews).
Die Gesamtinflation sieht auf den ersten Blick deutlich unangenehmer aus. In Italien stieg sie im Mai auf 3,2 Prozent (ISTAT), in Spanien verharrte sie auf demselben Niveau (INE). Die Ursache liegt aber weniger in europäischen Geschäften als in der Straße von Hormus. Seit Anfang März ist die Meerenge geschlossen; der Brent-Preis liegt dadurch weiter nahe 109 Dollar je Barrel. Die EZB selbst schätzt, dass dieser Energieschock die Gesamtinflation um etwa einen Prozentpunkt erhöht (EZB). Rechnet man diesen Effekt heraus, liegt der Euroraum nahe am eigenen 2-Prozent-Ziel der Notenbank.
Zinserhöhungen öffnen keine Schifffahrtsrouten
Höhere Zinsen dämpfen Nachfrage, weil Kredite teurer werden und Investitionen sowie Konsum unattraktiver werden. Das wirkt, wenn die Preise steigen, weil zu viel Nachfrage auf zu wenig Angebot trifft. Der aktuelle Preisschub kommt jedoch vor allem von einem knapperen Ölangebot. Kein Zinsschritt kann Rohöl fördern, Tanker umleiten oder Kriegsrisikoprämien von 13 bis 16 Dollar je Barrel beseitigen, die selbst nach einem Waffenstillstand monatelang bestehen können.
Die Logik der EZB ist vorbeugend: Höhere Energiekosten sollen sich nicht in Löhnen festsetzen und dadurch eine eigene Dynamik entwickeln. Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel nannte eine Zinserhöhung im Juni „notwendig“, selbst wenn sich der Konflikt im Nahen Osten rasch löse (Bloomberg). Doch gerade die Dienstleistungsinflation, die besonders eng mit inländischen Löhnen verbunden ist, fiel im April von 3,3 auf 3,0 Prozent (Eurostat). Auch die Löhne steigen langsamer. Die Spirale, vor der die EZB warnt, hat bisher nicht eingesetzt.
Junis doppelte Belastung
Die Zinserhöhung käme in einem Monat, in dem mehrere Regierungen gleichzeitig Energieentlastungen zurückfahren, ohne dies europäisch abzustimmen. Spanien hat die Mehrwertsteuer auf Strom, also die EU-weit übliche Verbrauchsteuer, am 1. Juni von 10 auf 21 Prozent zurückgesetzt; für Haushalte bedeutet das 10 bis 20 EUR mehr im Monat (Endesa). In Italien läuft die Senkung der Kraftstoffsteuer am 6. Juni aus. In Deutschland endet der Tankrabatt am 30. Juni, was an der Zapfsäule rund 17 Cent je Liter ausmacht (WiWo). Haushalte in drei der größten Volkswirtschaften der Eurozone bekommen damit im selben Monat höhere Energierechnungen und höhere Finanzierungskosten.
Bei Immobilienkrediten wirkt das unmittelbar. Portugiesische Eigentümer müssen bei einem Standardkredit über 150.000 EUR mit bis zu 60 EUR mehr im Monat rechnen (ECO). Spanische Kreditnehmer mit variabler Verzinsung zahlen etwa 65 EUR zusätzlich (Kelisto). In Italien liegen die Mehrbelastungen für variabel verzinste Darlehen ähnlich, bei 60 bis 70 EUR (Teleborsa).
Deutschland zeigt besonders klar, wie grob ein einheitlicher Zinssatz für sehr unterschiedliche Volkswirtschaften ist. Die Gesamtinflation liegt hier nur bei 0,6 Prozent, während die Wirtschaft in der längsten Rezession ihrer jüngeren Geschichte steckt. Der Sachverständigenrat hat seine Wachstumsprognose für 2026 auf 0,5 Prozent gesenkt (WiWo). Deutschland bekäme also eine geldpolitische Straffung, die vor allem auf Italien und Spanien zielt, wo die Preise mehr als fünfmal so schnell steigen.
Die Frage von 2011
Die EZB kennt diese Konstellation. 2011 erhöhte ihr damaliger Präsident Jean-Claude Trichet zweimal die Zinsen, obwohl der Preisdruck stark von Rohstoffen kam. Die Schuldenkrise in der Eurozone verschärfte sich; sein Nachfolger machte beide Zinsschritte binnen weniger Monate rückgängig (PitchBook). Heute liegt der Renditeaufschlag italienischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen bei 75 Basispunkten, also 0,75 Prozentpunkten (Borsa Italiana). Das ist vorerst beherrschbar. BNP Paribas erwartet allerdings bis September drei Zinserhöhungen um zusammen 0,75 Punkte, wodurch der Einlagensatz auf 2,75 Prozent steigen würde (FXStreet).
Der Fragmentierungsschutz der EZB, das Transmission Protection Instrument, wurde 2022 geschaffen, um Anleihen von Staaten zu kaufen, die unter ungeordneten Marktdruck geraten. Aktiviert wurde es noch nie (EZB). Drei Zinserhöhungen in Folge, während Deutschland in der Rezession steckt, wären ein harter Test dafür, ob dieses Instrument im Ernstfall wirklich trägt.
How was this article?
Help us get better
Help us get better
Details about this article
- Model:
- claude-opus-4-6
- Generated:
- 5/30/2026, 3:04:59 AM
- Pipeline run:
- eu_pipeline_20260530_015008
- Watermark:
- SynthID (Google's invisible watermark)
- Human review:
- None before publication