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TECH_SCIENCE05 / 08 · Geschichte des Tages3 Min. · 515 Wörter · 142 Quellen

ECB zitiert 111 Banken wegen 30-Minuten-KI-Exploits

Geschrieben von KIto brief AI · 26. Mai 2026, 03:50
Wie sie entstand

The steel architecture of European banking is rendered as porous as lace.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Wenn ein Softwarehersteller ein Sicherheitsupdate veröffentlicht, brauchen Banken oft Tage oder Wochen, bis es in allen Systemen eingespielt ist. Bisher war dieses Zeitfenster lästig, aber beherrschbar. Angreifer analysierten den Patch, rekonstruierten die geschlossene Lücke und versuchten, ungepatchte Systeme auszunutzen. Mit Anthropics neuem KI-Modell Claude Mythos schrumpft dieser Abstand auf 30 Minuten: So schnell kann das Modell aus einem Patch funktionsfähigen Angriffscode ableiten. Am Montag bestellte die Europäische Zentralbank deshalb 111 der größten Banken des Euroraums zu einer Krisensitzung ein.

Eine Maschine, die wie ein Hacker denkt

Frühere KI-Werkzeuge für Cybersicherheit arbeiteten eher wie Rechtschreibprüfungen für Programmcode: Sie markierten bekannte Fehlermuster und verdächtige Strukturen. Claude Mythos geht weiter. Das Modell liest Softwarearchitektur, erkennt Schwachstellen, die bisher keiner bekannten Kategorie zugeordnet waren, und verbindet mehrere kleinere Lücken zu einem vollständigen Angriffspfad, wie es sonst erfahrene Sicherheitsforscher tun.

Die Leistungsdaten erklären die Nervosität der Aufseher. In Tests erzeugte Claude Mythos beim ersten Versuch in 83 Prozent der Fälle funktionierende Exploits. Schlug ein Angriff fehl, überarbeitete das Modell seinen Ansatz und versuchte es eigenständig erneut. Das britische AI Security Institute ließ Claude Mythos Aufgaben auf Expertenniveau lösen; das Modell bestand 73 Prozent davon und überschritt damit als erstes KI-System diese Schwelle.

Anthropic hält das Modell für zu gefährlich für eine öffentliche Freigabe. Zugang erhalten bisher nur rund 50 geprüfte Organisationen über ein Programm namens Project Glasswing. Im ersten Monat fanden Glasswing-Partner mehr als 23.000 mögliche Schwachstellen in über 1.000 Open-Source-Projekten; 1.094 davon wurden als hoch oder kritisch eingestuft. Das Problem ist damit nicht nur die Angriffsfähigkeit selbst, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der solche Systeme neue Risiken sichtbar machen, bevor menschliche Teams sie überhaupt priorisieren können.

Europas Banken stehen auf der falschen Seite der Lücke

JPMorgan Chase, Goldman Sachs und andere amerikanische Banken haben bereits Zugang zu Glasswing und nutzen Mythos, um eigene Schwachstellen zu finden und zu schließen. Keine europäische Bank verfügt bisher über diesen Zugang. Die EU verhandelt seit einiger Zeit ohne Ergebnis mit Anthropic über eine Öffnung für europäische Institute. Der französische KI-Anbieter Mistral bringt sein eigenes Werkzeug zur Schwachstellenerkennung als souveräne Alternative in Stellung, unabhängige Vergleichstests gibt es dafür bislang aber nicht.

Der stellvertretende Vorsitzende der EZB-Bankenaufsicht, Frank Elderson, beschrieb die Dringlichkeit musikalisch: Banken müssten beim Patchen von „andante“ auf „presto“ umschalten. Fehlender Zugang zu dem Modell sei keine Entschuldigung für Untätigkeit, warnte er, weil Angreifer ähnliche Fähigkeiten wohl binnen Monaten nachbauen dürften. BaFin-Präsident Mark Branson kündigte neue „IT-Spotlight“-Prüfungen an, die schneller und häufiger stattfinden sollen als klassische Aufsichtsprüfungen. Die niederländischen Banken ING und ABN AMRO haben bereits begonnen, ihre Zeiten von der Schwachstellenerkennung bis zum Patch zu verkürzen.

Der regulatorische Druck ist real und erprobt

Die EZB hat dafür Instrumente. DORA, der Digital Operational Resilience Act der EU, ist seit Januar 2025 verbindlich und verpflichtet Banken, ihre digitale Widerstandsfähigkeit zu testen und schwere Cybervorfälle binnen vier Stunden zu melden. Am 2. August treten zudem die Hochrisiko-Vorschriften des EU-KI-Gesetzes in Kraft, die zusätzliche Pflichten für KI-Systeme in Kreditwürdigkeitsprüfungen oder Risikobewertungen bringen. Verstöße können Kapitalaufschläge, Geschäftsverbote oder Geldbußen von bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes nach sich ziehen.

Der wirksamste Hebel der EZB dürfte allerdings schon getestet sein. Der Cyber-Stresstest von 2024 sah keine formellen Strafen vor. Trotzdem erhöhten Banken unter besonders enger Aufsicht ihre Cybersicherheitsausgaben im Schnitt um 45 Prozent, Nachzügler sogar um 81 Prozent. Aufsichtlicher Druck allein veränderte also bereits das Verhalten.

Europäische Banken müssen ihre Systeme nun schneller schließen, als Angreifer dieselbe Klasse von KI-Fähigkeiten produktiv einsetzen können. Die EZB versucht, den Vorsprung kontrollierter Forschungsprogramme zu nutzen, bevor solche Werkzeuge außerhalb geschützter Zugänge verfügbar werden.

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claude-opus-4-6
Generated:
5/26/2026, 3:15:54 AM
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