Ägyptens Gasbedarf bremst Zyperns Exporte

A giant domestic appetite looms over the offshore pipeline intended for Europe.
Bildkomposition · tobriefZypern hat am 19. Mai die Entwicklung des Offshore-Gasfelds Kronos gebilligt und damit eine seit 15 Jahren blockierte Nutzung seiner Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer vorangebracht. Der Plan sieht erste Verkäufe nach Europa ab 2028 vor, verflüssigt werden soll das Gas in Ägypten. Doch Ägypten ist seit 2024 vom Gasexporteur zum Rekordimporteur geworden. Bevor zyprisches Gas europäische Käufer erreicht, dürfte es daher zunächst eine ägyptische Versorgungslücke schließen.
Das Geschäft und die Route
Das zyprische Kabinett billigte den Entwicklungsplan und die zentralen Bedingungen eines Gasverkaufsvertrags für Kronos. Das Feld liegt in Block 6 der ausschließlichen Wirtschaftszone Zyperns, also in jenen Meeresgebieten, in denen ein Küstenstaat Nutzungsrechte an Rohstoffen hat. Kronos gehört zu einer Gruppe von Funden, darunter Aphrodite, Zeus und Calypso, deren gemeinsame Ressourcen auf rund 10 Billionen Kubikfuß geschätzt und für den Export vorgesehen werden (Politis). Eine eigene Reservenschätzung nur für Kronos wurde nicht veröffentlicht.
Das Betreiberkonsortium aus ENI und TotalEnergies, beide mit je 50 Prozent beteiligt, will das Gas zunächst zur ägyptischen Offshore-Infrastruktur des Zohr-Felds leiten. Anschließend soll es im Terminal Damietta verflüssigt und per Tanker nach Europa verschifft werden. Kommt die endgültige Vereinbarung in den kommenden Wochen zustande, könnte die erste Produktion Ende 2027 oder in der ersten Jahreshälfte 2028 beginnen (Cyprus Mail, Protothema).
Zypern wählt diesen Weg, weil es keine eigenen Verflüssigungsanlagen besitzt. Die EastMed-Pipeline, eine geplante 1.900 Kilometer lange Unterseeverbindung über Griechenland nach Italien, wurde faktisch aufgegeben, nachdem die USA 2022 ihre Unterstützung zurückgezogen hatten. Ägypten bietet vorhandene Infrastruktur und kurze Wege. Im Februar 2025 unterzeichneten ENI und TotalEnergies mit Ägypten und Zypern ein trilaterales Abkommen, das diese Exportroute festschreibt.
Ägypten hat Vorrang
Ägyptens Gasproduktion sank von 70,4 Mrd. Kubikmetern (bcm) im Jahr 2021 auf 49,4 bcm im Jahr 2024. Das ist ein Rückgang um ein Drittel in drei Jahren, teilweise verursacht durch die nachlassende Förderung aus dem großen Zohr-Feld. Das Land wandelte sich vom Exporteur von 7 Mio. Tonnen LNG im Jahr 2022 zum Importeur von rekordhohen 9,01 Mio. Tonnen im Jahr 2025. LNG ist verflüssigtes Erdgas, das für den Transport per Tanker stark heruntergekühlt wird.
Das für zyprisches Gas vorgesehene Terminal Damietta nahm im Januar 2024 den Betrieb wieder auf, wurde aber schon im Mai erneut stillgelegt, weil Ägypten das Gas im Inland benötigte. Der Vertrag spiegelt diese Spannung wider: Al Manassa zufolge habe die ägyptische Binnennachfrage Vorrang; eine vierteljährliche Überprüfung könne Gasströme von europäischen Exporten abziehen. Hält das Defizit an, könnten europäische Käufer also Quartal für Quartal auf vertraglich erwartete Lieferungen warten.
Das Oxford Institute for Energy Studies überschrieb seine Analyse vom März 2025 mit „Cyprus upstream to help stabilize Egypt gas balances“, nicht mit einer Formel über Europas Versorgung. Das maßgebliche Energieforschungsinstitut beschreibt das Projekt damit zuerst als Stabilisierungsmaßnahme für Ägypten und erst danach als mögliche Lieferquelle für Europa.
Was noch fehlt
Die EU verbrauchte 2024 rund 332 bcm Gas. Kronos könnte bei voller Auslastung schätzungsweise 6 bis 8 bcm im Jahr liefern, also weniger als 2,5 Prozent des EU-Verbrauchs. In einem Markt, in dem Russlands Anteil am Pipelinegas von rund 40 Prozent im Jahr 2021 auf etwa 6 Prozent im Jahr 2025 gefallen ist, hilft jede zusätzliche Quelle am Rand. Eine strukturelle Veränderung des europäischen Gasmarkts wäre Kronos aber nicht.
Andere Gasprojekte in Südosteuropa liegen zeitlich ähnlich. Rumäniens Neptun Deep erwartet erstes Gas bis Herbst 2027 und eine Kapazität von 8 bcm im Jahr. Kronos unterscheidet sich jedoch in einem Punkt: Seine Exportroute führt durch ein Land, das das Gas möglicherweise selbst braucht.
Abgeschlossen ist das Geschäft ebenfalls noch nicht. ENI hat die endgültige Investitionsentscheidung, also die formale Freigabe der Finanzierung, noch nicht getroffen. Die Unterseepipeline nach Ägypten muss erst gebaut werden, die kommerziellen Bedingungen bleiben vertraulich. Wie Politis festhielt, bedeute eine Entdeckung noch keinen Entwicklungsplan, ein Entwicklungsplan noch keine Investitionsentscheidung und eine Investitionsentscheidung noch keine Förderung.
Das Feld Aphrodite wurde vor Zypern bereits 2011 entdeckt, produziert aber noch immer nicht und dürfte möglicherweise erst 2031 Gas liefern. Kronos ist auf dem Papier schneller vorangekommen. Ob daraus auch in der Praxis ein schnelleres Projekt wird, hängt an einer Größe, die Zypern nicht kontrolliert: Ägyptens wachsendem Eigenbedarf.
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- 5/19/2026, 2:33:17 PM
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