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EU_PUBLIC_AFFAIRS02 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 646 Wörter · 28 Quellen

Europa setzt 2,4 Mrd. EUR auf Aerospacelab

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Geschrieben von KIto brief KI · 11. September 2026, 02:50
Wie sie entstand

Europe’s satellite ambitions now wait inside an unfinished factory.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Noch Mitte August befand sich die Megafabrik von Aerospacelab im wallonischen Charleroi im Bau; die Produktion soll 2027 beginnen (Kölnische Rundschau). Am 10. September gab das Unternehmen bekannt, es habe einen Auftrag über 2,4 Mrd. EUR für den Bau von 264 Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn erhalten. Sie sind für IRIS² bestimmt, das europäische Satellitennetz für verschlüsselte staatliche Kommunikation (Aerospacelab, Reuters). Der Auftrag entspricht rund 80 Prozent der erdnahen Schicht und drei Vierteln der gesamten Konstellation (European Commission, Aerospacelab). Damit trägt ein Start-up den größten Teil der Fertigungslast, obwohl seine neue Fabrik ihre Fähigkeit zur Serienproduktion erst noch nachweisen muss.

Was die Fabrik beweisen muss

Nach Angaben von Aerospacelab soll das Werk in Charleroi nach der Inbetriebnahme bis zu 500 Satelliten im Jahr fertigen können (Kölnische Rundschau). Belege dafür, dass die Fabrik bereits Abnahmetests oder Qualitätszertifizierungen bestanden beziehungsweise einen Meilenstein der Serienfertigung erreicht habe, hat das Unternehmen bislang nicht veröffentlicht (Aerospacelab).

Hinzu kommt eine Abhängigkeit innerhalb der Lieferkette. Aerospacelab fertigt die Satellitenplattform, also die tragende Struktur samt Energieversorgung, Antrieb und Bordcomputern. Die sicheren Kommunikationsnutzlasten liefert Thales Alenia Space auf Grundlage eines gesonderten Vertrags über rund 500 Mio. EUR (Thales Alenia Space). Aerospacelab integriert anschließend beide Teile und übergibt die fertigen Satelliten an Eutelsat (European Spaceflight). Sollten die Nutzlasten von Thales vorgeschriebene Tests nicht bestehen oder verspätet eintreffen, stünden die Integrationsanlagen eben auch dann still, wenn Aerospacelab seine Plattformen termingerecht produziert.

Ein früherer deutscher Bericht sprach noch von „bis zu 264“ Satelliten und einem Auftragswert von „mindestens 1,8 Mrd. EUR“. Die Abweichung zeigt, wie wenig über den tatsächlich unterzeichneten Vertrag öffentlich bekannt ist (Kölnische Rundschau).

Wer Aerospacelab auswählte und wer eingreifen kann

Die Europäische Kommission kauft die Satelliten nicht selbst. Sie vergab eine zwölfjährige Konzession an SpaceRISE, ein Konsortium der Satellitenbetreiber Eutelsat, SES und Hispasat (European Commission). Innerhalb dieses Modells verantwortet Eutelsat das erdnahe Segment und wählte Aerospacelab in einem Verfahren aus, bei dem mögliche Lösungen vor den endgültigen Angeboten ausgehandelt wurden. Nachdem Airbus und Thales sich aus dem Kern der Ausschreibung zurückgezogen hatten, blieb SpaceRISE als einziges Konsortium übrig; der Wettbewerbsdruck auf die Vertragsbedingungen war damit begrenzt (Journal of European Public Policy, European Commission).

Zum Vergleich: Airbus fertigt in Toulouse mindestens 66 Satelliten der ersten Serie, die 2029 bereitstehen sollen (Airbus). Das deutsche Raumfahrtunternehmen OHB beziffert seinen Auftrag für 18 Plattformen in mittlerer Erdumlaufbahn auf knapp 1 Mrd. EUR (OHB). Der Anteil von Aerospacelab übertrifft beide Aufträge bei weitem.

Unbeantwortet bleibt, wer eingreifen kann, falls das erdnahe Segment in Verzug gerät. Ob Eutelsat einzelne Losgrößen verringern, Vertragsstrafen verhängen oder die Liefervereinbarung kündigen kann, ist ebenso wenig veröffentlicht wie die Aufsichtsbefugnisse der Europäischen Kommission gegenüber dem Konzessionsnehmer. Ursprünglich hatte die Konzession einen Wert von 10,6 Mrd. EUR: 6 Mrd. EUR sollten aus dem EU-Haushalt, 550 Mio. EUR über die an der Entwicklung beteiligte Europäische Weltraumorganisation ESA und mehr als 4 Mrd. EUR von den privaten Betreibern kommen (ESA). Nach der Erweiterung auf insgesamt 348 Satelliten im August 2026 bezifferte ein Branchenmedium das Programm auf rund 15,6 Mrd. EUR; die Kommission hat diese Summe jedoch nicht bestätigt (Advanced Television). Aus den veröffentlichten Vertragsangaben geht auch nicht hervor, ob Betreiber, Zulieferer oder der EU-Haushalt die Mehrkosten von Verzögerungen tragen.

Der Zeitplan

Nach Angaben der Agentur der Europäischen Union für das Weltraumprogramm EUSPA sind die ersten Starts für 2029 vorgesehen; die Satelliten von Aerospacelab sollen ab 2030 folgen (EUSPA). Die Europäische Kommission führt die Beschaffung der Startdienste allerdings weiterhin als künftigen Schritt auf, ohne bislang einen Anbieter zu nennen (European Commission).

Mit der Auftragsvergabe übernimmt Aerospacelab nun einen wesentlichen Teil der industriellen Verantwortung für IRIS², doch die Lieferfähigkeit im erforderlichen Maßstab ist noch nicht belegt. Aerospacelab muss die Inbetriebnahme des Werks und eine dauerhaft verlässliche Produktionsleistung nachweisen, Eutelsat die Abnahmemeilensteine offenlegen. Die Europäische Kommission wiederum sollte erklären, wer für Verzögerungskosten aufkommt. Nach dem derzeitigen Informationsstand lässt sich diese für den europäischen Steuerzahler zentrale Frage nicht beantworten.

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9/11/2026, 1:47:37 AM
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