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EU_ECONOMICS08 / 08 · Geschichte des Tages3 Min. · 698 Wörter · 143 Quellen

Frankreichs Schulden kosten mehr als Griechenlands

Geschrieben von KIto brief AI · 5. Juni 2026, 03:50
Wie sie entstand

France’s future infrastructure is held aloft by the paper debt it can no longer outrun.

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der Text · 3 Min. Lesezeit

Sechzehn Jahre nachdem Griechenlands Staatskrise den Euro an den Rand einer Zerreißprobe brachte, weist Athen einen Haushaltsüberschuss aus. Frankreich, die zweitgrößte Volkswirtschaft des Euroraums, kündigt dagegen Einsparungen an, die nicht einmal den jährlichen Anstieg seiner Zinslast decken. Zehnjährige griechische Staatsanleihen rentieren bei rund 3,40 Prozent, französische bei 3,68 Prozent (Bank of Greece, Trading Economics). Die fiskalische Rangordnung, die den Euroraum seit der Schuldenkrise geprägt hat, hat sich damit umgekehrt.

Der Schneeball, der die Kürzungen auffrisst

Frankreichs Defizit lag 2025 bei 152,5 Mrd. EUR, das entspricht 5,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (INSEE, Le Monde). Die Regierung kündigte Ausgabenkürzungen von 6 Mrd. EUR an. Die Zinsausgaben steigen aber binnen eines Jahres um 9 Mrd. EUR auf 74 Mrd. EUR im Jahr 2026 (Kero.media). Schon rechnerisch reichen die Kürzungen also nicht aus, um nur den zusätzlichen Schuldendienst zu finanzieren.

Frankreich nimmt neue Schulden auf, um Zinsen auf alte Schulden zu zahlen. Bis 2026 verschlingt der Schuldendienst fast die Hälfte des gesamten Defizits (INSEE). Die Zinsrechnung liegt inzwischen über dem Verteidigungshaushalt; umgerechnet fließen etwa 949 EUR je Bürger und Jahr an Anleihegläubiger (Le Français Moyen).

Der Internationale Währungsfonds kommt zu dem Schluss, Frankreich brauche bis 2029 jährlich rund 20 bis 25 Mrd. EUR an struktureller Anpassung, also dauerhafte Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen statt bloßer Einmaleffekte (IMF). Die angekündigten 6 Mrd. EUR decken davon etwa ein Viertel. Der unabhängige französische Fiskalrat nannte den Rahmen der Regierung zwar „kohärent“, bemängelte aber fehlende Details zu den tatsächlichen Einsparungen (Affiches-Moniteur).

Künftiges Wachstum wird geopfert

Getroffen werden vor allem Investitionen. Die Forschungsförderung, der eigentlich ein Plus von 400 Mio. EUR zugesagt war, erhält stattdessen eine Kürzung um 324 Mio. EUR (Le Monde). France 2030, der Fonds für Industriepolitik, verliert 400 Mio. EUR. Programme für die ökologische Transformation werden um 275 Mio. EUR gekürzt, die Förderung von Ausbildungsplätzen um weitere 400 Mio. EUR (Capital).

Renten und Gesundheitsausgaben bleiben dagegen unangetastet. Frankreich gibt 34 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für soziale Sicherung aus, 4,5 Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt des Euroraums (Banque de France). Steuererhöhungen seien aus Sicht des IWF kaum noch ein Ausweg, weil die Staatseinnahmen bereits mehr als 51 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen (OECD). Damit fällt die Konsolidierung auf Forschung, Ausbildung und grüne Infrastruktur, während laufender Konsum und Zahlungen an Gläubiger politisch geschützt bleiben.

Europas fiskalische Landkarte sortiert sich neu

Griechenland verließ am 3. Juni die Überwachung der EU wegen makroökonomischer Ungleichgewichte und weist einen Überschuss von 1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus (European Commission, via Lifo). Frankreich und Deutschland stehen dagegen beide im Defizitverfahren, dem formalen EU-Verfahren für Staaten, die die Defizitgrenze von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verletzen. Zehn Mitgliedstaaten sind inzwischen betroffen, so viele wie seit der Staatsschuldenkrise nicht mehr. Italien rechnet damit, im Herbst aus dem Verfahren herauszukommen, weil sein Defizit auf 2,9 Prozent sinken soll (ADNKronos).

Deutschland entgeht Sanktionen über eine neue Ausnahmeklausel, die Verteidigungsausgaben aus der Defizitberechnung herausnimmt; bereinigt liegt der Wert bei 2,9 Prozent (n-tv). Frankreich kann dieselbe Klausel kaum nutzen, weil sein Defizit zu groß ist, um sich allein mit Verteidigungsausgaben erklären zu lassen (European Parliament). Auch die Anleihemärkte zeigen diese Verschiebung: Im September 2025 lagen die Renditen zehnjähriger französischer Staatsanleihen kurzzeitig über denen Italiens, zum ersten Mal seit Einführung des Euro (Flossbach von Storch).

Treiben in Richtung 2027

Die Präsidentschaftswahl im April 2027 macht eine tiefe Haushaltskorrektur politisch schwer durchsetzbar. Kein führender Kandidat schlägt Kürzungen in der Größenordnung vor, die der IWF für nötig hält (Connexion France). Zugleich ist noch nie ein EU-Land im Defizitverfahren tatsächlich finanziell sanktioniert worden (Council of the EU). Das niederländische Parlament bekräftigte im Mai mit 122 zu 27 Stimmen, die Niederlande „garantierten nicht für die nationalen Schulden anderer Länder“ (Tweede Kamer); gemeinsame Schuldenaufnahme als kollektiver Ausweg rückt damit weiter weg.

Im pessimistischen Szenario der Europäischen Kommission steigt das französische Defizit 2027 auf 5,7 Prozent (Boursorama). Sollten sich die Renditeaufschläge, also der Abstand zwischen französischen und deutschen Finanzierungskosten, stark ausweiten, könnte die EZB ihr Transmission Protection Instrument einsetzen, einen Schutzmechanismus gegen Anleihepanik im Euroraum. Voraussetzung ist allerdings, dass das betroffene Land die fiskalischen Empfehlungen der EU befolgt. Die Regeln des Euroraums wurden einst mit Ländern wie Griechenland im Blick geschrieben. Griechenland hält sie nun ein. Frankreich, das an dieser Ordnung mitgeschrieben hat, tut es nicht.

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6/5/2026, 3:22:41 AM
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