Frankreichs Risikoaufschlag steigt auf 94 Basispunkte

France still finds buyers, but each new loan carries more weight.
Bildkomposition · tobriefFrankreich musste am 10. September für zehnjährige Staatsanleihen einen Renditeaufschlag gegenüber Deutschland von knapp 94 Basispunkten zahlen, also 0,94 Prozentpunkte. Anleger verlangen damit für ein Darlehen gleicher Laufzeit an den französischen Staat fast einen Prozentpunkt mehr Jahresrendite als für Bundesanleihen. Ein größeres Gefälle hatte es zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum 2012 gegeben (Le Monde, DHnet).
Nach der Zinserhöhung der EZB und angesichts eines Brent-Ölpreises von fast 100 Dollar stiegen die Anleiherenditen an diesem Tag im gesamten Euroraum. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen legte um rund 5,3 Basispunkte zu, die französischer Papiere nach Reuters-Daten dagegen um 9,8 Basispunkte (Boursorama). Der zusätzliche französische Anstieg von etwa 4,5 Basispunkten lässt sich deshalb nicht allein mit dem gemeinsamen Zins- und Energieschock erklären.
Warum gerade Frankreich betroffen ist
Der EZB-Rat erhöhte den Einlagensatz, zu dem Banken überschüssiges Geld über Nacht bei der Notenbank anlegen können, auf 2,50 Prozent (EZB). Zwar kann die EZB weder Öl noch Gas bereitstellen. Mit höheren Zinsen versucht sie jedoch zu verhindern, dass der Energiepreisanstieg über Lohnnachforderungen und weitere Preiserhöhungen der Unternehmen auf die übrige Wirtschaft übergreift. Nach ihrer September-Projektion erreichte die Energieinflation im Euroraum im August 14,3 Prozent, nach 10,3 Prozent im Vormonat (EZB-Projektionen).
Steigende Leitzinsen verteuern grundsätzlich die Finanzierung aller Staaten. Frankreich trägt darüber hinaus jedoch einen eigenen Haushaltsaufschlag: Die Europäische Kommission erwartet ohne zusätzliche Konsolidierungsmaßnahmen für 2026 ein Defizit von 5,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und für 2027 sogar von 5,7 Prozent, während die Schuldenquote auf mehr als 120 Prozent steigen dürfte (Europäische Kommission). Weil das Haushaltsloch nicht schnell genug kleiner wird, verlangen Anleger eben eine höhere Risikoprämie.
Der Vergleich mit Italien verdeutlicht die Neubewertung. Zwar beträgt die italienische Schuldenquote rund 138,6 Prozent, doch liegt das Defizit mit etwa 2,9 Prozent deutlich niedriger und geht zurück (UPB). Seit Ende August muss Frankreich für zehnjährige Kredite geringfügig mehr zahlen als Italien (Euronews Italia). Am 10. September weitete sich Italiens Renditeabstand zu Deutschland lediglich um rund drei Basispunkte aus, Frankreichs Abstand dagegen um etwa 4,5 Basispunkte (QuiFinanza). Die zusätzliche Belastung konzentrierte sich also auf französische Anleihen.
Die Haushaltsbelastung wächst allmählich
Frankreich plante für 2026 die Rekordsumme von 310 Mrd. EUR an mittel- und langfristigen Anleiheemissionen (Agence France Trésor). Jeder zusätzliche Basispunkt erhöht die Finanzierungskosten allerdings nur bei neuen Papieren, mit denen unter anderem fällige Schulden ersetzt werden. Da die durchschnittliche Restlaufzeit der ausstehenden Staatsschulden mehr als acht Jahre beträgt, gelten für einen Großteil der Verbindlichkeiten weiterhin die früher vereinbarten, niedrigeren Zinssätze (Französischer Senat). Die Mehrbelastung ist somit real, baut sich aber über mehrere Jahre der Refinanzierung auf.
An Nachfrage nach französischen Staatsanleihen fehlt es bislang nicht. Bei einer Auktion am 3. September stieg die Rendite von 3,90 Prozent im Vormonat auf 4,23 Prozent; zugleich erreichten die Gebote das 2,28-Fache des angebotenen Volumens (Agence France Trésor). Der Staat konnte die Papiere also problemlos platzieren, musste den Käufern dafür aber eine höhere Verzinsung bieten. Die Anleger ziehen sich nicht zurück, sondern lassen sich das zusätzliche Haushaltsrisiko bezahlen.
Keine Krise, aber eine spürbare Verteuerung
In den Jahren 2011 und 2012 erreichten die italienischen und spanischen Renditeaufschläge 500 bis 650 Basispunkte. Damals fürchteten Anleger ein Auseinanderbrechen des Euroraums, während Banken Schwierigkeiten mit ihrer eigenen Refinanzierung hatten (EZB-Jahresbericht 2012). Frankreichs Abstand von 94 Basispunkten liegt in einer völlig anderen Größenordnung; am 10. September deutete nichts darauf hin, dass der französische Staat den Zugang zum Kapitalmarkt verlieren könnte.
Frankreich zahlt inzwischen einen klar erkennbaren Haushaltsaufschlag, doch der Anleihemarkt funktioniert weiterhin. Die unmittelbare Folge ist eine schrittweise Refinanzierung zu höheren Zinsen, keine Finanzierungskrise. Entscheidend wird sein, ob das zersplitterte Parlament Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen beschließen kann, bevor der wachsende Schuldendienst den finanzpolitischen Spielraum weiter einengt. Aus einer einzelnen Handelssitzung lässt sich weder die genaue Ursache der Ausweitung noch ihre Dauer ableiten. Die Richtung ist dennoch klar: Unter den Regierungen des Euroraums muss derzeit vor allem Frankreich den Anlegern erklären, wie es seine Staatsfinanzen ordnen will.
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