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TECH_SCIENCE11 / 18 · Geschichte des Tages3 Min. · 708 Wörter · 32 Quellen

Frankreich sperrt soziale Medien für Unter-15-Jährige

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Geschrieben von KIto brief KI · 21. Juli 2026, 02:50
Wie sie entstand

A digital border rises in the silence of a French school courtyard.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Wenn in Frankreich im September die Schulen wieder öffnen, könnte für viele Jugendliche eine neue digitale Grenze gelten. Am 20. Juli einigte sich ein gemeinsamer Ausschuss aus Abgeordneten und Senatoren auf ein Verbot, das Kindern unter 15 Jahren eigene Konten in sozialen Netzwerken untersagen soll (Le Progrès, Midi Libre). Stimmen beide Kammern dem Text zu, wird Frankreich zu einem der klarsten europäischen Testfälle für eine Frage, die viele Eltern längst beschäftigt: Lässt sich der Zugang von Jugendlichen zu Instagram, TikTok oder Snapchat tatsächlich wirksam begrenzen?

Das Parlament entschied sich für die einfache, weit gefasste Lösung. Statt nur besonders problematische Plattformen zu erfassen und Eltern bei anderen Diensten eine Zustimmungsmöglichkeit zu lassen, wie es der Senat bevorzugt hatte, zieht der Kompromiss eine feste Alterslinie: keine sozialen Netzwerke vor dem 15. Geburtstag. Ausgenommen bleiben Bildungsangebote wie Wikipedia (Le Parisien, LCP). Frankreich setzt damit auf eine einheitliche Schwelle statt auf eine Plattformprüfung im Einzelfall.

Wie prüft man Alter, ohne Identität zu prüfen?

Ein Verbot zu beschließen, ist der einfache Teil. Schwieriger wird die Umsetzung, wenn nicht jeder Login zu einer Ausweiskontrolle werden soll. Frankreich schlägt nicht vor, dass TikTok künftig den Pass eines Jugendlichen verlangt. Das von Befürwortern beschriebene Modell sieht vielmehr unabhängige Altersprüfer vor: Ein externer Dienst stellt fest, ob eine Person älter oder jünger als 15 Jahre ist, und übermittelt der Plattform nur ein Ja oder Nein (RTL).

Das Prinzip ähnelt der Kontrolle am Eingang eines Clubs. Der Türsteher sieht den Ausweis, prüft das Alter und lässt den Gast hinein; die Bar selbst erfährt weder Namen noch Geburtsdatum. In der Kryptographie gibt es dafür einen Begriff: Zero-Knowledge-Proof, also ein Verfahren, mit dem eine einzelne Tatsache nachgewiesen werden kann, ohne die zugrunde liegenden Daten offenzulegen. Ein Expertengremium der EU-Kommission zur Sicherheit von Kindern empfiehlt genau diesen datenschutzschonenden Weg (Commission panel). Parallel arbeitet die EU an einer digitalen Identitätsbörse, mit der Bürger künftig etwa ihr Alter nachweisen können sollen, ohne den gesamten Ausweis preiszugeben (EU Digital Identity Wallet).

Ganz neu ist diese Infrastruktur nicht. Die britische Medienaufsicht Ofcom zählte in ihrer ersten Untersuchung zur Altersprüfung 69 Mio. abgeschlossene Alterschecks bei 32 Diensten, unter anderem durch Gesichtsaltersschätzung und Abgleich mit Ausweisdokumenten (Ofcom). Doch in der Größenordnung sozialer Netzwerke ist keines dieser Systeme bislang erprobt.

Der Unterschied zwischen Schranke und Mauer

Bei einer Pornographieseite gibt es meist einen klaren Zugangspunkt: Wer hineinwill, muss durch ein Tor. Soziale Netzwerke funktionieren anders. Es gibt bestehende Konten, gemeinsam genutzte Familientablets, die Telefone älterer Geschwister, VPN-Dienste und eine große Gruppe von 14-Jährigen, die genug Anreiz hat, jede Sperre zu umgehen.

Das Expertengremium der Kommission warnt, erste Erfahrungen mit pauschalen Verboten deuteten darauf hin, dass viele Minderjährige dennoch Wege auf die Plattformen fänden (Commission panel). Die einfachste Prüfung, das bekannte Dropdown-Menü mit dem Geburtsdatum, gilt laut Ofcom nicht als wirksam (Ofcom). Verfahren zur Schätzung des Alters anhand des Gesichts liegen dazwischen, werden aber ausgerechnet im Bereich von 14 bis 15 Jahren ungenauer, also dort, wo die gesetzliche Grenze verlaufen soll.

Frankreich schreibt die Regel. Wer setzt sie durch?

Frankreich kann ein Gesetz beschließen, doch Meta, TikTok und Google steuern ihre EU-Geschäfte weitgehend aus Irland. Die Durchsetzung läuft deshalb über das Gesetz über digitale Dienste der EU, den Digital Services Act, der der Europäischen Kommission und der irischen Aufsicht eine gemeinsame Kontrolle sehr großer Plattformen gibt (DSA). Die Kommission prüft bereits Meta und TikTok wegen Gestaltungselementen, die jüngere Nutzer besonders stark binden könnten; möglich sind Bußgelder von bis zu 6 Prozent des weltweiten Umsatzes (Slaughter and May, DSA). Spanien arbeitet an einem eigenen Rahmen, der Altersgrenzen mit Pflichten für das Plattformdesign verbindet (20minutos). Irlands EU-Kommissar Michael McGrath argumentiert, die technische und rechtliche Komplexität spreche für EU-weite Regeln statt für einen Flickenteppich nationaler Vorgaben (Irish Examiner).

Frankreich versucht damit, Plattformen, Altersprüfer und europäische Aufseher nachträglich zur Lösung der technischen Infrastruktur zu zwingen. Befürworter wollen das Verbot schon zur rentrée, dem Schuljahresbeginn im September, wirksam sehen (RTL). Doch ein Gesetz lässt sich schneller verabschieden, als sich datenschutzfeste Altersprüfsysteme auf allen großen Plattformen ausrollen lassen. Entscheidend wird nun sein, ob die Unternehmen wirklich prüfbare und datensparsame Lösungen bauen, ob Jugendliche sie umgehen und ob die EU-Aufseher die Durchsetzung als dringlich behandeln oder in den üblichen langen Verfahren versanden lassen.

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7/21/2026, 2:32:49 AM
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