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EU_ECONOMICS05 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 720 Wörter · 40 Quellen

Deutschland riskiert €2.5bn für Sprit-Rabatt

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Geschrieben von KIto brief KI · 20. September 2026, 02:50
Wie sie entstand

Berlin bears the full cost; the benefit may vanish before delivery.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Ein deutscher Autofahrer, der 50 Liter Benzin tankt, könnte pro Tankfüllung höchstens 8,50 EUR sparen. Mehr wäre nicht möglich, weniger allerdings schon. Am 18. September einigten sich die Bundesregierung und die 16 Landesregierungen darauf, die Energiesteuer, eine feste Abgabe auf jeden Liter Kraftstoff, um 14 Cent zu senken (Bundesregierung, ZDF). Weil die Mehrwertsteuer auf den bereits um die Energiesteuer erhöhten Preis erhoben wird, ergibt sich insgesamt eine Entlastung von ungefähr 17 Cent je Liter.

Die öffentlichen Haushalte müssten dafür voraussichtlich 2,5 Mrd. EUR an Einnahmen aufgeben, die jeweils zur Hälfte auf den Bund und die Länder entfielen (Bundesregierung, ZDF). Die Vereinbarung ist jedoch politischer Natur und noch kein Gesetz. Der Bundestag hat bislang keinen Gesetzentwurf verabschiedet, eine Abstimmung ist nicht angesetzt. Der genannte Beginn zum 1. Oktober bleibt damit zunächst ein politisches Ziel (Bundestag).

Der Staat trägt die gesamten Kosten, die Autofahrer erhalten womöglich nicht die gesamte Entlastung

Selbst nach einer gesetzlichen Umsetzung dürften die vollen 17 Cent nicht zwingend an der Zapfsäule ankommen. Als Deutschland im Sommer 2022 die Energiesteuer stärker senkte, stellte das ifo Institut fest, dass Tankstellen die Entlastung nur teilweise weitergaben (ifo Institute). Rohölpreise, Wechselkurse und Margen im Tankstellenhandel verändern sich täglich, sodass sich die Wirkung der Steuersenkung nicht isoliert beobachten lässt. Das Bundeskartellamt, das die Kraftstoffpreise wettbewerbsrechtlich überwacht, hat darauf ebenfalls hingewiesen (Bundeskartellamt).

Darin liegt das schärfste Problem des Pakets. Der Staat verzichtet unabhängig vom Ergebnis auf die vollen 2,5 Mrd. EUR. Wenn Tankstellen einen Teil der Senkung über höhere Margen einbehalten, fällt die Entlastung für Autofahrer geringer aus, während die Steuerzahler weiterhin die gesamte Maßnahme finanzieren. Den nicht weitergegebenen Teil erhält dann derjenige, der ihn einbehält; der öffentliche Haushalt trägt die Kosten in jedem Fall.

Die Entlastung je Liter wächst zudem mit dem Verbrauch. Fuhrparkbetreiber, Haushalte mit mehreren Autos und Berufspendler mit langen Wegen erhalten in Euro gerechnet am meisten. Wer nicht fährt, geht leer aus. Frankreichs Rechnungshof untersuchte eine vergleichbare, allgemeine Kraftstoffvergünstigung im Umfang von 7,6 bis 8 Mrd. EUR und kam zu dem Schluss, dass sie schlecht zielte: Haushalte mit höherem Verbrauch erhielten einen größeren Anteil der Gesamtsumme (Cour des comptes).

Ein starrer Preisdeckel kann Importe vom Markt verdrängen

Der anspruchsvollere Teil des Pakets existiert bislang kaum mehr als auf dem Papier. Berlin soll bis Januar 2027 mit der Mineralölwirtschaft über einen befristeten Preisdeckel verhandeln, der sich grob an den Regelungen in Belgien oder Luxemburg orientiert. Ein Höchstpreis, eine Berechnungsformel und eine zuständige Durchsetzungsbehörde sind noch nicht festgelegt (Bundesregierung, BR).

Auf die Ausgestaltung kommt es deshalb entscheidend an. Bei einer Steuersenkung können Lieferanten den Preis weiterhin nach ihren Beschaffungskosten festsetzen; der Staat nimmt lediglich weniger ein. Ein Preisdeckel verändert diese Rechnung. Liegt der Höchstpreis unter den Kosten, die eine Tankstelle für den nächsten Liter aufbringen muss, wird jeder Verkauf zum Verlustgeschäft. Importeure würden ihre Lieferungen dann in Märkte ohne Preisobergrenze umleiten.

Ungarn wählte den starren Ansatz. Im November 2021 fror die Regierung den Benzin- und Dieselpreis bei 480 Forint je Liter ein. Auf dem Höhepunkt der Preisentwicklung im Jahr 2022 ersparte das Autofahrern etwa 200 bis 300 Forint je Liter (ECB, AP). Importe lohnten sich jedoch nicht mehr, wenn der Verkauf Verluste verursachte. Es folgten Abgabebeschränkungen, Tankstellenschließungen und Warteschlangen. Am 6. Dezember 2022 schaffte Ungarn den Preisdeckel ab; die Preise sprangen unmittelbar nach oben.

Das belgische Modell ist weniger riskant, weil es den Höchstpreis täglich anhand eines regionalen Großhandelsreferenzpreises neu berechnet. So bleiben die Vertriebsmargen erhalten, während die Aufschläge im Einzelhandel begrenzt werden (Le Monde). Die Obergrenze steigt, wenn die Großhandelspreise steigen, also gerade dann, wenn Haushalte einen Schutz vor höheren Kosten benötigen.

Günstigerer Kraftstoff in Deutschland zieht Käufe über die Grenze

Erreicht die Steuersenkung tatsächlich die Zapfsäule, werden auch die Nachbarländer ihre Wirkung spüren. In den Niederlanden kostete Diesel am 18. und 19. September etwa 2,81 EUR je Liter, in Deutschland dagegen rund 2,47 EUR (NRC). Betreiber niederländischer Tankstellen an der Grenze warnten bereits vor Kundenverlusten (Gelderland). Mit jedem Liter, der jenseits der Grenze gekauft wird, verlagern sich auch Einnahmen aus Energie- und Mehrwertsteuer.

Das Paket verursacht damit verlässlich hohe Kosten, bietet Autofahrern aber nur eine unsichere Entlastung. Der Preisdeckel, der die politische Debatte beherrscht, hat noch keine Berechnungsgrundlage. Die wichtigste Feststellung ist zugleich die einfachste: Deutschland wird 2,5 Mrd. EUR verlieren, unabhängig davon, ob die Fahrer den vollen Vorteil an der Zapfsäule erhalten.

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9/20/2026, 1:38:32 AM
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