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EU_PUBLIC_AFFAIRS04 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 769 Wörter · 48 Quellen

Elf Milliarden Euro für alte Ausgaben

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Geschrieben von KIto brief KI · 10. September 2026, 02:50
Wie sie entstand

Germany’s borrowing towers over the forces it has yet to deliver.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Die im Grundgesetz verankerte Ausnahme für Verteidigungsausgaben funktioniert genau nach ihrem Wortlaut. Darin liegt das Problem. Im Jahr 2025 nahm der Bund 28,6 Mrd. EUR an Krediten außerhalb der Schuldenbremse auf, jener Regel, die die jährliche Nettokreditaufnahme des Bundes begrenzt. Die anrechenbaren Sicherheitsausgaben stiegen gegenüber dem Vorjahr jedoch nur um 17,6 Mrd. EUR (FAZ, Die Zeit). Nach Berechnungen des Ifo Instituts entfallen damit rund 11 Mrd. EUR auf bereits bestehende Ausgaben, die nun kreditfinanziert werden dürfen. Dadurch wurden Steuereinnahmen für andere Haushaltszwecke frei. Unabhängig davon kam die Bundesbank zu einem ähnlichen Ergebnis: Die Kreditaufnahme nach den neuen Verteidigungs- und Infrastrukturregeln habe die tatsächlich zusätzlichen Ausgaben übertroffen und zur Deckung allgemeiner Haushaltslücken beigetragen (Bundesbank).

Dass geliehenes Geld aus dem Verteidigungshaushalt abgeflossen sei, hat niemand nachgewiesen. Der Befund lautet vielmehr, dass Kredite an die Stelle bisheriger Steuerfinanzierung traten.

Wie die Bemessungsgrenze einen Haushaltsspielraum schafft

Seit der Grundgesetzänderung vom März 2025 fallen Sicherheitsausgaben des Bundes oberhalb von 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht mehr unter die Schuldenbremse. Berücksichtigt werden fünf Bereiche: Verteidigung, Zivil- und Bevölkerungsschutz, Nachrichtendienste, Cybersicherheit sowie Hilfen für Staaten, die militärisch angegriffen werden (Bundestag).

Die Grenze lag allerdings unter den Ausgaben, die Deutschland in diesen Bereichen ohnehin bereits tätigte. Der Bund konnte deshalb vom ersten Tag an bestehende Verpflichtungen über neue Kredite finanzieren, ohne auch nur einen zusätzlichen Euro in militärische Fähigkeiten zu investieren. Das Bundesfinanzministerium verweist zu Recht darauf, dass jeder aufgenommene Euro der grundgesetzlichen Formel entsprochen habe. Das Ifo Institut legt dagegen einen wirtschaftlichen Maßstab an: Die Kredite sollten zusätzliche Sicherheitsleistungen finanzieren und nicht Steuereinnahmen ersetzen, aus denen dieselben Ausgaben zuvor bestritten worden seien (Ifo).

Beide Bewertungen sind miteinander vereinbar. Die Kreditaufnahme war rechtmäßig, doch rund 38,5 Prozent der von der Schuldenbremse ausgenommenen Summe finanzierten nach Berechnungen des Ifo Instituts keine zusätzlichen Verteidigungsleistungen (FAZ).

Litauen als Praxistest

Bei der Beschaffung kann die Bundesregierung durchaus auf Fortschritte verweisen. Die Ausgaben für militärische Beschaffungen stiegen 2025 um 4,53 Mrd. EUR, davon entfielen 2,32 Mrd. EUR zusätzlich auf Munition (Die Zeit). Auch der Mittelabfluss aus dem älteren 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das 2022 einmalig durch Kredite zur Modernisierung der Bundeswehr eingerichtet wurde, beschleunigte sich: Waren 2022 erst 3,5 Prozent ausgezahlt, lag die Quote 2024 bei 84 Prozent (French Treasury).

Ob aus dem zusätzlichen Geld tatsächlich personell und materiell einsatzbereite Verbände entstehen, zeigt sich besonders deutlich an der Panzerbrigade 45 in Litauen, Deutschlands wichtigstem Beitrag zur Sicherung der östlichen NATO-Flanke. Der Brigade sind rund 1.700 Soldaten zugeordnet. Darin enthalten ist allerdings eine bereits zuvor stationierte NATO-Kampfgruppe mit mehr als 1.000 rotierenden Kräften; die Zahl steht daher nicht für 1.700 neu nach Litauen versetzte Soldaten (Bundeswehr, LRT). Die schweren Panzer- und Panzergrenadierbataillone sollen erst 2027 aus Deutschland verlegt werden. Bis August 2026 waren lediglich 60 Prozent der endgültig vorgesehenen Dienstposten durch Freiwillige besetzt (Lrytas).

Litauen investiert seinerseits 1,33 Mrd. EUR in die militärische Infrastruktur, die für die Aufnahme der vollständigen Brigade erforderlich ist (Lithuanian Defence Ministry).

Die fiskalische Umschichtung und die Personallücke der Brigade bestehen nebeneinander; dass das eine das andere verursacht habe, lässt sich aus den vorliegenden Belegen nicht ableiten. Rekrutierungsprobleme, lange Beschaffungsfristen und industrielle Engpässe haben jeweils eigene Ursachen. Im Zusammenspiel zeigen beide Befunde jedoch, wie weit der verfassungsrechtlich geschaffene Kreditspielraum und die bislang nachgewiesene Fähigkeit auseinanderliegen, damit kampfbereite Verbände aufzustellen.

Warum die Verbündeten betroffen sind

Ob Deutschland seine Zusagen erfüllt, betrifft unmittelbar auch andere Bündnispartner. Alle drei niederländischen Kampfbrigaden sind in deutsche Divisionen eingegliedert. Während der Übung Fighter Lion 2026 trainierten mehr als 7.000 deutsche und niederländische Soldaten gemeinsame Operationen (Defensie Dichtbij, Bundeswehr). Auf dem Übungsplatz funktioniert die Zusammenarbeit. Ob sich die niederländischen Brigaden in einem länger dauernden Kampfeinsatz auch auf die erforderlichen deutschen Führungs- und Logistikstrukturen verlassen könnten, ist bislang nicht erprobt.

Wie wir vergangene Woche berichteten, warnt der Bundesrechnungshof davor, dass die deutschen Staatsschulden bis 2030 auf mindestens 3 Billionen EUR steigen könnten. Die jährlichen Zinsausgaben könnten dann 80,7 Mrd. EUR erreichen (Bundestag). Der finanzpolitische Spielraum ist also begrenzt, weil steigende Zinslasten früher oder später mit Verteidigungsausgaben um dieselben Haushaltsmittel konkurrieren werden.

Deutschland hat belegt, dass seine Kreditaufnahme mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Noch fehlt jedoch der Nachweis, dass der gesamte neue Finanzierungsspielraum zusätzliche, personell besetzte und vollständig ausgerüstete militärische Fähigkeiten hervorgebracht hat. Bundesregierung, Verteidigungsministerium, Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr sowie der Haushaltsausschuss des Bundestages, der die jährlichen Ausgaben bewilligt und deren Vollzug kontrolliert, tragen dafür jeweils einen Teil der Verantwortung. Bei den 11 Mrd. EUR handelt es sich um die Ifo-Schätzung einer fiskalischen Umschichtung, nicht um einen nachgewiesenen Verlust. Verbündete, die ihre Verteidigungsplanung auf deutsche Zusagen stützen, brauchen allerdings mehr als rechtmäßige Haushaltsbuchungen. Sie brauchen einsatzbereite Bataillone.

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9/10/2026, 2:10:51 AM
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