Gotion baut Sagunto-Werk und übernimmt 49 Prozent

At Sagunto, the partners disclose the investment but leave control unseen.
Bildkomposition · tobriefBei der geplanten Batteriefabrik in Sagunto sollen sich Eigentum und Bauaufträge auf dieselben Partner verteilen. Der chinesische Batteriehersteller Gotion High-tech wolle rund 1,1 Mrd. EUR in PowerCos Werk nahe Valencia investieren und dafür 49 Prozent erhalten; Volkswagens Batteriesparte blieben 51 Prozent (El Confidencial, Volkswagen). Zugleich soll eine Gotion-Tochter große Bauaufträge am Standort übernehmen. Die veröffentlichten Konditionen zeigen, wohin das Geld fließt. Offen bleibt, welchen Gewinn Gotion erzielt und wer die zentralen Entscheidungen für das Werk trifft.
Geld hinein, Geld hinaus
Gotion soll neue Aktien der PowerCo Spain zeichnen, geht aus der Börsenmitteilung des Unternehmens hervor. Das Geld soll in die Gesellschaft fließen, die das Werk baut, und nicht an Volkswagen (Xinhua Finance). Gotion würde damit als Miteigentümer Kapital in ein gemeinsames Vorhaben einbringen. Niemand verkauft einen bestehenden Anteil und streicht den Verkaufserlös ein.
In die andere Richtung fließt Geld für Bauleistungen. Gotion Spain Green Energy, eine Tochtergesellschaft von Gotion, soll in Sagunto Ingenieur- und Bauaufträge im Umfang von 1,094 Mrd. EUR übernehmen (CLS). Die erste Phase umfasst ein Paket im Wert von 295 Mio. EUR für Trockenräume: abgeschlossene Hallen mit sehr niedriger Luftfeuchtigkeit, weil Feuchtigkeit Batteriezellen beschädigt. Die zweite Phase beinhaltet weitere Arbeiten für 799 Mio. EUR. Beide Phasen sind zu Festpreisen vereinbart (Futunn).
Bei einem Festpreis trägt der Auftragnehmer grundsätzlich die Mehrkosten, die über die vereinbarte Summe hinausgehen. Dass sich Auftragsvolumen und Investitionssumme beinahe entsprechen, sagt daher wenig über Gotions Rendite aus. Die Bauaufträge bringen Einnahmen für festgelegte Leistungen; Gotions Gewinn hängt davon ab, was der Bau tatsächlich kostet. Keines der Unternehmen hat diese Kosten veröffentlicht.
Ein größeres Geschäft mit drei Werken
Sagunto ist Teil eines Verbunds aus drei Gemeinschaftsunternehmen; bei den beiden anderen kehrt sich die Beteiligungsverteilung um. Gotion soll jeweils 51 Prozent an einem Zellwerk im slowakischen Šurany und an einer neuen Fabrik im marokkanischen Kenitra halten, die Kathodenmaterial herstellen soll, einen zentralen Bestandteil von Batteriezellen. PowerCo würde bis 2030 für rund 470 Mio. EUR jeweils 49 Prozent übernehmen (Reuters). Volkswagen behielte die Mehrheit an dem Werk, dessen Bau bereits begonnen hat; Gotion bekäme die Mehrheit an den beiden Werken, die es führen soll. An allen drei Standorten zeigen die veröffentlichten Konditionen, wem wie viel gehört, aber nicht, wer entscheidet.
Was noch unterzeichnet werden muss
Noch ist keine der Vereinbarungen vollzogen. Die Gemeinschaftsunternehmen benötigen behördliche Genehmigungen; außerdem müssen Gotions Aktionäre zustimmen. Sie müssen auch die Bauaufträge als Geschäfte mit nahestehenden Unternehmen billigen, also als Verträge zwischen Firmen, die durch Eigentumsverhältnisse verbunden sind (Xinhua Finance). Die zusätzliche Abstimmung berücksichtigt den möglichen Interessenkonflikt, wenn ein Unternehmen auf beiden Seiten desselben Vertrags steht. In diesem Fall wäre Gotion am Auftraggeber beteiligt und würde zugleich den Auftragnehmer vollständig besitzen.
Volkswagen beschreibt Sagunto als gemeinsam geführtes Projekt. Keine der beiden Firmen hat bislang veröffentlicht, wie viele Sitze die Partner im Aufsichtsorgan erhalten, welche Mehrheiten für Beschlüsse nötig sind, ob Gotion Vetorechte bekommt oder ob eine Technologielizenz vorgesehen ist. Diese Regelungen bestimmen, wer Budgets genehmigt, Lieferanten auswählt und das Tempo des Ausbaus festlegt – unabhängig davon, welcher Partner den größeren Anteil hält.
Offen ist auch, wie viele Zellen Volkswagen abnehmen wird. Der europäische Bedarf des Konzerns soll bei der Produktion Vorrang erhalten; Abnahmemengen und Liefergarantien sollen jedoch erst in späteren Vereinbarungen festgelegt werden (Automotive World). Für Gotion als Miteigentümer ist das relevant, denn der Wert einer Fabrik hängt auch davon ab, wie viele Bestellungen ihr langfristig sicher sind.
Spanische Berichte nennen 2027 als geplanten Start und sehen für die erste Phase mehr als 1.500 direkte Arbeitsplätze vor (Expansión). Das sind Unternehmensziele für das gesamte Werk, keine Arbeitsplätze, die allein durch Gotions Einstieg entstehen.
Nach den veröffentlichten Konditionen würde Gotion in Sagunto sowohl Miteigentümer als auch Hauptauftragnehmer. Das Unternehmen soll rund 1,1 Mrd. EUR einzahlen und Bauaufträge im nahezu gleichen Umfang erhalten (El Confidencial, CLS). Ob das Baugeschäft eine Marge abwirft und ob Volkswagen mit seiner Mehrheit das letzte Wort behält, lässt sich erst anhand der tatsächlichen Baukosten und der Vereinbarung zur Unternehmensführung beurteilen. Beides haben die Unternehmen nicht offengelegt.
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