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EU_ECONOMICS02 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 652 Wörter · 29 Quellen

Griechenland ändert Kabelrendite

Geschrieben von KIto brief AI · 23. August 2026, 02:50
Wie sie entstand

Electricity users become the cable’s strongest financial insulation.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Bei großen Stromnetzen entscheidet oft nicht die Technik über die Rechnung der Verbraucher, sondern die Regulierung dahinter. Genau darum geht es nun beim Great Sea Interconnector, der geplanten Unterwasserleitung zwischen Griechenland und Zypern. Die griechische Energie- und Wasseraufsicht RAAEY hat am 21. August eine Konsultation zur Erlösmethodik für den griechischen Projektanteil eröffnet; Stellungnahmen sind bis zum 11. September möglich (iEnergeia).

Der Great Sea Interconnector soll auf 1.208 Kilometern Länge und mit 1.000 Megawatt Leistung Zypern an das europäische Stromnetz anbinden. Die Insel wäre damit nicht länger der letzte EU-Mitgliedstaat ohne elektrische Verbindung zum Binnenmarkt (Europäische Kommission). Die griechische Konsultation klingt nach einer technischen Anpassung. Tatsächlich geht es um die Frage, wie viel Rendite der Betreiber über Netzentgelte aus Stromrechnungen einnehmen darf.

Was die Verschuldungsquote verändert und warum sie für Stromrechnungen zählt

Im Zentrum steht die sogenannte Gearing-Annahme, also der unterstellte Fremdkapitalanteil an der Projektfinanzierung. Regulierer nutzen diese Annahme, um die gewichteten Kapitalkosten zu berechnen, den WACC. Aus ihm ergibt sich die jährliche Erlösobergrenze, die ein Netzbetreiber über regulierte Entgelte einziehen darf.

Der griechische Netzbetreiber ADMIE will diese Verschuldungsquote während der Bauphase auf 50 bis 60 Prozent festlegen und in den späteren Abschreibungsjahren auf 40 bis 50 Prozent senken. Die bisherige Formel habe nach Medienberichten 60 bis 80 Prozent unterstellt und damit deutlich mehr als die 45 bis 60 Prozent, die für das reguläre Netzgeschäft von ADMIE gelten (Sigmalive).

Eine niedrigere unterstellte Verschuldung bedeutet spiegelbildlich einen höheren Eigenkapitalanteil. Eigenkapital ist teurer als Fremdkapital, weil Investoren ein höheres Risiko tragen. In der Regulierungsformel erhöht ein größerer Eigenkapitalanteil daher die zulässige Rendite und damit auch den Betrag, den das Projekt Jahr für Jahr einnehmen darf.

Für Banken ist genau dieser regulierte Zahlungsstrom entscheidend, bevor sie Kreditverträge unterschreiben. Für ADMIE und den neuen Mehrheitsgesellschafter Meridiam, der im August 66 Prozent übernommen hat, würde eine kreditfreundlichere Formel den Finanzierungsabschluss näher rücken (Politis, iEnergeia). Für Stromkunden in Griechenland und Zypern heißt das: Was nach dem EU-Zuschuss von rund 657 Mio. EUR übrig bleibt, wird über Netzentgelte refinanziert (CINEA).

Zypern bestreitet die Rechnung

Griechenland kann seine eigene Formel verfeinern. Die Wirtschaftlichkeit der Leitung hängt aber davon ab, dass beide Seiten dieselbe Kostenbasis akzeptieren. Nach der bestehenden Kostenaufteilung trägt Zypern 63 Prozent der Restkosten auf dem Abschnitt Griechenland-Zypern, obwohl die Insel eine deutlich kleinere Verbraucherbasis hat (Cyprus Mail).

Der Abstand zwischen den von ADMIE geltend gemachten und den von Zypern anerkannten Ausgaben ist groß. Die zyprische Regulierungsbehörde CERA habe Berichten zufolge nur rund 82 Mio. EUR der etwa 251 Mio. EUR anerkannt, die ADMIE bisher als Ausgaben anführt; das entspricht ungefähr 32 Prozent (Proto Thema).

Die zyprische Regierung hat zudem die erste von fünf zugesagten jährlichen Vorauszahlungen über jeweils 25 Mio. EUR zurückgehalten. Sie werde erst zahlen, wenn eine NAVTEX, also eine maritime Bekanntmachung zur Genehmigung von Meeresbodenuntersuchungen, erlassen sei und die physischen Arbeiten wieder aufgenommen würden (Philenews). Öffentlich bestätigt ist eine solche Bekanntmachung bislang nicht (Cyprus Mail).

Wer gewinnt und wer das Risiko trägt

Wenn die Leitung planmäßig gebaut wird, profitiert vor allem Zypern. Der Anschluss an ein größeres Stromnetz erhöht die Versorgungssicherheit und eröffnet Zugang zu günstigerem Strom. ADMIE und Meridiam erhielten ein langlebiges reguliertes Infrastrukturvermögen. Griechenland gewänne eine strategische Brückenfunktion im östlichen Mittelmeer.

Wenn sich das Projekt verzögert und genehmigte Kosten steigen, bleiben am Ende die Stromkunden als Absicherung. Der frühere CERA-Vorsitzende Andreas Poullikkas hat argumentiert, Zuschüsse und Markterlöse müssten abgezogen werden, bevor über höhere Stromrechnungen gesprochen werde (Cyprus Mail). Buchhalterisch ist das richtig. Der Europäische Rechnungshof hat jedoch darauf hingewiesen, dass grenzüberschreitende Stromprojekte wiederholt unter Verzögerungen litten, wodurch Erlöse später flössen, Finanzierungskosten stiegen und die Kostenverteilung neu aufbreche (Europäischer Rechnungshof).

Griechenland kann das Bankenmodell verbessern. Es kann aber nicht wegregulieren, dass Zypern die Kostenbasis bisher nicht akzeptiert. Solange beide Regulierer nicht einig sind, was ausgegeben wurde und was über Stromrechnungen eingezogen werden darf, ist die Leitung auf dem Papier leichter finanzierbar als in der Kasse.

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8/23/2026, 1:52:15 AM
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