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EU_ECONOMICS03 / 07 · Geschichte des Tages3 Min. · 535 Wörter · 146 Quellen

Hormuz-Blockade verdreifacht Chemieengpässe

Geschrieben von KIto brief AI · 30. Mai 2026, 03:50
Wie sie entstand

A maritime guide stands abandoned in the dry void of Europe’s depleted gas reserves.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Seit drei Monaten ist die Straße von Hormus für Handelsschiffe geschlossen. Aus der geopolitischen Krise ist damit ein Problem der deutschen Industrie geworden: Der Anteil der Chemieunternehmen, die Materialengpässe melden, stieg von 7 Prozent im April auf 31,1 Prozent im Mai (Wiwo/ifo, 28. Mai). Die ifo-Ökonomin Anna Wolf bezeichnete den Auftragsanstieg als „vorübergehend“. Viele Unternehmen stellen sich dennoch auf eine längere Störung ein, denn selbst ein diplomatischer Durchbruch in dieser Woche würde die bereits entstandenen Schäden nicht rasch beheben.

Die Versicherung hält die Meerenge geschlossen

Am 5. März strichen die großen P&I-Clubs, also die Gegenseitigkeitsversicherer für Besatzung, Ladung und Umwelthaftung fast aller Handelsschiffe, die Kriegsrisikodeckung für Hormus (Property Casualty 360, März 2026). Ohne diese Deckung kann ein Schiff praktisch keinen Hafen anlaufen. Wer die Passage dennoch versucht, zahlt für die Kriegskaskoversicherung derzeit 5,5 Prozent des Schiffswerts. Bei einem großen Tanker kostet eine einzelne Fahrt damit mehr als 6 Mio. Dollar allein an Versicherung (The Flow Weekly, 26. Mai).

Tank- und LNG-Schiffe weichen deshalb über das Kap der Guten Hoffnung aus, was jede Fahrt um Wochen verlängert. Die LNG-Transporte durch den Suezkanal sind nach Schiffsverfolgungsdaten um rund 90 Prozent gefallen (Schiffsradar24.de). Diese Umleitung bindet weltweit Schiffskapazität und verteuert auch Fracht, die nie in die Nähe des Golfs gekommen wäre.

Die Diplomatie kommt dem Marktmechanismus bislang nicht hinterher. Trumps Sitzung im Situation Room am 29. Mai endete ohne Einigung; Teheran widerspricht seiner Darstellung der Bedingungen (PBS News, Al Jazeera). Ein Abkommen würde aber ohnehin nur den Beginn der Normalisierung markieren. Die Minenräumung dauert vier bis sechs Monate. Danach müsste Lloyd’s die Zone neu einstufen, bevor Versicherer wieder normale Deckung anbieten. Eine volle Durchfahrtkapazität vor Januar 2027 gilt deshalb als unwahrscheinlich (LMA Lloyd's).

Die Speicherlücke von 15 Mrd. EUR

Europa füllt seine Gasspeicher im Sommer, damit im Winter genug Heizgas vorhanden ist. Genau dieser Aufbau liegt deutlich zurück. Deutschlands Speicher sind zu 30,6 Prozent gefüllt, etwa halb so stark wie die für Ende Mai üblichen 67 Prozent (BDEW). Die EU-Energieaufsicht ACER schätzt, dass das Schließen dieser Lücke europaweit zusätzlich 10 bis 15 Mrd. EUR kosten wird (EMA Energiewelt). Dieses Geld landet über Versorger bei Haushalten und Industrie, also als höhere Rechnung.

Deutsche Fabriken verkürzen bereits Arbeitszeiten, um den Angebotsschock abzufedern. Gleichzeitig dürfte die EZB, die die Zinsen für die 20 Euroländer festlegt, am 11. Juni die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte erhöhen. Die Märkte preisen diesen Schritt mit einer Wahrscheinlichkeit von 91 Prozent ein (ECB Watch, Euronews). Finanzierungskosten steigen damit genau in dem Moment, in dem Unternehmen und Verbraucher Geld an die Energierechnung verlieren.

Auch der weltweite Puffer wird dünner. Die strategische Freigabe der Internationalen Energieagentur von 400 Mio. Barrel ist bereits zu rund 55 Prozent verbraucht; das kumulierte Angebotsdefizit könnte bis September 900 Mio. Barrel erreichen (Brookings). Dann fallen die Sommernachfrage nach Kraftstoff und der Strombedarf für Kühlung zusammen. Ausweichpipelines durch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate transportieren nur einen Bruchteil dessen, was vor der Krise durch Hormus lief.

Rainer Seele, Verwaltungsratschef von ADNOC XRG und langjähriger Kenner der Energiebeziehungen zwischen Golfstaaten und Europa, fasste die Lage nüchtern zusammen: „Die Erholung der Lieferketten wird nicht über Nacht kommen. Sie wird Monate dauern“ (Tagesspiegel, 27. Mai). Ab Herbst wird jede weitere Woche Verzögerung direkt in Europas Gasspeichern sichtbar.

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5/30/2026, 3:03:27 AM
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