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EU_ECONOMICS02 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 717 Wörter · 50 Quellen

Hormus-Prämie verteuert Europas Energie

Geschrieben von KIto brief AI · 12. August 2026, 02:50
Wie sie entstand

Every mile through Hormuz adds another line to Europe’s fuel bill.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Durch die Straße von Hormus fließen täglich rund 20 Mio. Barrel Öl, etwa ein Fünftel des weltweiten Erdölverbrauchs (EIA). Die Tanker fahren weiterhin. Doch jede Passage ist teurer geworden, und diese Zusatzkosten schlagen inzwischen in Europas Preisdaten durch: Nach der Schnellschätzung von Eurostat lagen die Energiepreise im Euroraum im Juli 10,0 Prozent höher als ein Jahr zuvor (Eurostat). Europa erlebt damit keinen klassischen Versorgungsengpass, sondern einen Bezahlbarkeitsschock.

Warum billigeres Öl nicht an der Zapfsäule ankommt

Brent, die wichtigste internationale Ölsorte, liegt deutlich unter den Höchstständen des Frühjahrs. Eigentlich müsste das die Kraftstoffpreise senken. Genau das passiert bislang kaum.

Der Abstand erklärt sich vor allem durch zwei Kostenblöcke. Erstens sind die Kriegsrisikoprämien gestiegen, also die Zusatzversicherung, die Reeder für Fahrten durch Konfliktzonen zahlen. Eine Klausel aus dem Lloyd’s-Markt weist darauf hin, dass die Zahlung einer vorgeschlagenen iranischen Transitgebühr den Versicherungsschutz eines Schiffes vollständig gefährden könnte. Die Route wäre dann zwar technisch offen, für versicherten Handel aber praktisch kaum nutzbar (GCC Freight).

Zweitens haben sich die Raffineriemargen ausgeweitet. Diese Marge beschreibt die Differenz zwischen dem Preis, den Raffinerien für Rohöl zahlen, und dem Preis, den sie für Diesel oder Benzin verlangen. Die EZB bestätigte am 31. Juli, Raffinerien hätten auf bereits erhöhte Rohölkosten zusätzliche Aufschläge erhoben und den Preisschub damit verstärkt, bevor der Kraftstoff die Verbraucher erreichte (EZB).

Hinzu kommen Frachtkosten und Prüfungen zur Einhaltung von Sanktionen. In der EU lagen die Kraftstoffpreise im privaten Verkehr im Juni 13,7 Prozent über dem Vorjahresniveau (Eurostat). Der italienische Verbraucherverein Assoutenti brachte die Entkopplung auf den Punkt: Obwohl Brent wieder etwa auf dem Niveau von Anfang März lag, kostete italienischer Diesel 0,38 EUR je Liter mehr als beim gleichen Rohölpreis einige Monate zuvor (Assoutenti). Das Rohöl wurde billiger. Die Lieferkette zwischen Barrel und Autofahrer eben nicht.

Wer zahlt, wer profitiert

Zuerst zahlen die Autofahrer. Der Verbraucherverband Codacons schätzte, italienische Autofahrer hätten am ersten August-Reisewochenende 370 Mio. EUR mehr ausgegeben als 2025; eine typische Dieselfüllung habe rund 22 EUR zusätzlich gekostet (ANSA). Rom reagierte mit einer Senkung der Dieselsteuer und einer Steuergutschrift für Spediteure.

Danach zahlen die Staaten, weil sie zur Entlastung auf Einnahmen verzichten. In Irland kostet eine 50-Liter-Dieselfüllung etwa 9,50 EUR mehr als Anfang Juli. Taoiseach Micheál Martin rechnete vor, dass ein Auslaufen der derzeitigen Verbrauchsteuersenkung von 30 Cent den Preis auf etwa 2,25 EUR je Liter treiben würde (RTÉ). Finanzminister Jack Chambers sagte, die Senkungen könnten verlängert werden, falls die Preise erhöht blieben (Irish Examiner). Jeder Monat Entlastung kostet Dublin Einnahmen, die anderswo fehlen, etwa im Wohnungsbau oder im Gesundheitswesen.

Verlierer gibt es also viele, Gewinner aber auch. Der kroatische Pipelinebetreiber JANAF schloss mit dem ungarischen Konzern MOL einen Take-or-pay-Vertrag, bei dem MOL für Pipelinekapazität zahlt, ob sie vollständig genutzt wird oder nicht. Transportiert werden sollen 2,05 Mio. Tonnen Rohöl im Jahr 2026 (HRT). Eine Adria-Route nach Mitteleuropa wird wertvoller, wenn die Verschiffung durch den Golf riskanter wird. Auch Raffinerien mit höheren Margen dürften profitieren, obwohl sie zugleich größere Beschaffungskostenrisiken tragen.

Warum die Preise trotz Reserven hoch bleiben

Europa wird nicht ohne Kraftstoff dastehen. EU-Recht verpflichtet die Mitgliedstaaten zu Notölvorräten, die mindestens 90 Tage der Nettoimporte abdecken (Richtlinie 2009/119/EG). Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate können über Pipelines rund 2,6 Mio. Barrel pro Tag an Hormus vorbeileiten (EIA).

Doch Reserven und Umgehungsrouten lösen das Preisproblem nicht. Rystad Energy schätzte, dass die Störung auf ihrem Höhepunkt 14,5 Mio. Barrel pro Tag aus dem Markt genommen habe; Freigaben aus Notreserven hätten diese Lücke nicht vollständig geschlossen (Rystad Energy). Für Katars Flüssigerdgas, das gekühlt per Tanker transportiert wird, gibt es gar keine Landumgehung. Die EIA warnte in der vergangenen Woche, gestörte Handelsmuster dürften wohl erst Anfang 2027 wieder das Vorkonfliktniveau erreichen (EIA).

Die EZB ließ die Zinsen am 23. Juli unverändert und bezeichnete Energiepreise als „hochvolatil“ und „deutlich über dem Vorkonfliktniveau“ (EZB). Entscheidend ist für die Notenbank, ob dieser Preissprung, der aus gestörtem Angebot und nicht aus stärkerer Nachfrage stammt, einmalig bleibt oder in Löhne und breitere Kostenstrukturen wandert. Eine weitere EZB-Analyse vom 7. August warnte, große Energieschocks würden dauerhaft, wenn sie beeinflussten, wie Unternehmen Preise setzen und Beschäftigte Löhne aushandeln (EZB).

Die Straße von Hormus ist offen. Die Prämie, die Europa für ihre Nutzung zahlt, dürfte aber bleiben.

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8/12/2026, 1:52:39 AM
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