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EU_PUBLIC_AFFAIRS05 / 18 · Geschichte des Tages3 Min. · 697 Wörter · 39 Quellen

Hormus-Angriff treibt Ölpreis über $90

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Geschrieben von KIto brief KI · 22. Juli 2026, 02:50
Wie sie entstand

The tension of the Strait reaches the shore as a fracture in energy costs.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Der Konflikt um die Straße von Hormus trifft Europa nicht erst dann, wenn Tanker ausbleiben. Schon die Neubewertung des Risikos reicht aus, um Energie teurer zu machen. Am Montag wurde der kuwaitische Tanker Kaifan nahe Oman von einem Geschoss getroffen; die Besatzung verließ das Schiff. Der Preis für Brent-Öl stieg auf mehr als 90 Dollar (OilPrice).

Der Angriff steht am Ende eines Monats, in dem sich amerikanische und iranische Schläge rund um die Straße von Hormus verschärft haben. Durch diese Meerenge laufen täglich rund 20 Mio. Barrel Öl sowie etwa ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels (EIA). Für Europa entsteht der Schaden nicht vor allem durch fehlende Fracht, sondern über höhere Frachtraten, Versicherungsprämien und Referenzpreise, die Gas, Strom und Kraftstoffe auf dem ganzen Kontinent verteuern.

Von der Meerenge zur Rechnung

Europa muss kein Öl aus Iran beziehen, um die Krise zu spüren. Die Kriegsrisikoversicherung für eine einzelne Passage durch Hormus ist von etwa 0,125 Prozent auf bis zu 1 Prozent des Schiffswerts gestiegen; die Frachtraten für sehr große Rohöltanker haben sich ungefähr vervierfacht (Eightx, LMA).

Die Schiffe fahren also weiter, aber jede Fahrt wird neu bepreist. Diese Mehrkosten landen direkt im Lieferpreis von Rohöl, Flüssigerdgas und Raffinerieprodukten an europäischen Häfen. Eine physische Versorgungskrise beginnt erst, wenn Ladungen ganz ausfallen. Der Preisschock ist schon da.

Halbvolle Speicher zur falschen Zeit

Der Zeitpunkt macht die Lage empfindlicher. Die EU-Gasspeicher waren Mitte Juli nur etwa zur Hälfte gefüllt, deutlich unter dem 90-Prozent-Ziel, das die Mitgliedstaaten nach EU-Recht bis zum 1. November erreichen müssen (Gas Outlook, Europäische Kommission). ACER, die Energieregulierungsbehörde der EU, warnte, Europa müsse wohl rund 13 Prozent mehr LNG importieren als im Vorjahr, um diese Vorgabe zu erfüllen (Enerdata).

Ein Schock am Golf während der Einspeichersaison zwingt europäische Käufer, stärker um Ersatzladungen zu bieten. Der niederländische TTF, der wichtigste europäische Gaspreisindex, überträgt diesen Wettbewerb dann in Lieferverträge und Rechnungen auf dem ganzen Kontinent.

Die Wirkung ist bereits sichtbar. Der deutsche Branchenverband BDEW meldete für den 18. Juli einen Spotpreis für Gas von 57,8 EUR je Megawattstunde, einen durchschnittlichen Strompreis der vergangenen 30 Tage von 113 EUR je Megawattstunde und einen nationalen Speicherstand von nur 45,2 Prozent (BDEW). In Italien stammt rund 45 Prozent des Stroms aus Gaskraftwerken; Gas setzt dort häufig den Grenzpreis am Strommarkt. Ein Schock beim Gaspreis wird deshalb auch für Haushalte zur Strompreisbelastung, die mit Tankerrouten sonst nichts zu tun haben (ANSA).

Terminals sichern Mengen, nicht Preise

Einige Länder wirken besser geschützt. Spanien bezieht 34 Prozent seines Gases über die Medgaz-Pipeline aus Algerien und umgeht Hormus damit vollständig. Zudem verfügt das Land über die größte Regasifizierungsflotte der EU mit sieben Anlagen, in denen LNG wieder in gasförmiges Erdgas umgewandelt wird (El Mundo).

Doch auch der spanische Gaspreisindex lag bereits über dem TTF, weil knappe LNG-Verfügbarkeit und Hitzewellennachfrage die Preise trieben (S&P Global). Pipelines und Terminals helfen bei der Versorgungssicherheit. Sie verhindern aber nicht, dass Referenzpreise steigen.

Griechenland zeigt besonders klar, wie unterschiedlich Gewinne und Kosten einer Schifffahrtskrise verteilt werden. Zwei griechisch kontrollierte Tanker wurden in der Hormus-Zone getroffen (Kathimerini). Zugleich stammten nach einer von OT zitierten Analyse in den Jahren 2023 bis 2025 25,4 Prozent der griechischen Energieproduktimporte aus Golfstaaten, viermal so viel wie im EU-Durchschnitt von 6,6 Prozent. Griechische Reeder verdienen an höheren Frachtraten. Griechische Verbraucher zahlen mehr für Kraftstoff und Strom.

Europa hat nach dem russischen Gaslieferstopp drei Jahre lang Pipelinegas aus Russland durch seegestütztes LNG, norwegische Lieferungen und nordafrikanische Pipelines ersetzt (Bruegel). Das hat Moskaus Hebel verkleinert, aber neue Abhängigkeiten geschaffen: von Seewegen, Versicherungsmarkt und internationalem Wettbewerb um freie Ladungen. Genau über diese Kanäle erreicht der Hormus-Schock nun die europäischen Energierechnungen.

Nationale Regierungen können Strom- und Gasrechnungen subventionieren und über die Internationale Energieagentur, die strategische Reserven wohlhabender Demokratien koordiniert, Notfreigaben von Öl abstimmen. Die EU setzt Speicherziele, bestimmt aber nicht die Verbraucherpreise. Jeder Mitgliedstaat entscheidet selbst, wie viel der Mehrkosten bei Haushalten und Unternehmen ankommt.

Eine physische Knappheit bleibt bei einer kurzen Störung eher unwahrscheinlich. Doch Europa füllt seine Reserven zu Krisenpreisen. Bisher hat keine Regierung erklärt, wer die Rechnung trägt, wenn der Speicher zwar reicht, aber die Kosten aus dem Ruder laufen.

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7/22/2026, 2:14:35 AM
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