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EU_ECONOMICS02 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 619 Wörter · 62 Quellen

Ungarn kappt Fabriken den Strom

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Geschrieben von KIto brief KI · 2. August 2026, 02:50
Wie sie entstand

Thousands of industrial anchors sit idle as the river’s retreat paralyzes the power grid.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Ungarns Stromversorgung hängt in diesen Tagen an einem ungewöhnlich einfachen Engpass: dem Wasserstand der Donau. Die Regierung veröffentlichte am Freitagabend die Notverordnung 118/2026, die dem Netzbetreiber MAVIR erlaubt, große Industriebetriebe vom Stromnetz zu trennen (444, HVG). Der Grund ist das Atomkraftwerk Paks, Ungarns einziges Kernkraftwerk, dessen Leistung wegen Niedrigwassers bereits um mehr als die Hälfte gefallen ist. Ministerpräsident Péter Magyar sagte, die privaten Haushalte stünden am Ende der Einschränkungskette. Zuerst trifft es also die Industrie.

Wie ein trockener Fluss ein Kraftwerk abschaltet

Paks braucht Donauwasser nicht als Brennstoff, sondern zur Kühlung. Das Kraftwerk pumpt Flusswasser durch Kühlkreisläufe, führt damit Abwärme ab und leitet das erwärmte Wasser anschließend zurück in die Donau. Fällt der Pegel zu stark, entstehen zwei Probleme: Das zurückgeleitete Wasser kann die umweltrechtlichen Temperaturgrenzen überschreiten, und die Ansaugstellen der Kühlpumpen geraten im Extremfall über die sinkende Wasserlinie (Die Presse, MVM).

Der staatliche Betreiber MVM hat in der vergangenen Woche deshalb einen Block nach dem anderen heruntergefahren. Am 1. August lag die Leistung nur noch bei rund 940 MW, normalerweise liefert Paks etwa 2.000 MW. Der Donaupegel stand bei -124 cm und sank weiter (VG). MVM zufolge würde ein Pegel von -134 cm die vollständige Abschaltung erzwingen. Die Prognosen zeigen in Richtung -144 cm.

Die Industrie fängt den Schlag ab

Die Verordnung gibt MAVIR eine dreistufige Eingriffsmöglichkeit. Zunächst soll der Netzbetreiber Großverbraucher mit mehr als 0,5 MW Anschlussleistung zu freiwilligen Einsparungen auffordern. Danach kann er verbindliche Reduktionsanordnungen erlassen. Wer nach einer zweistündigen Vorwarnung nicht folgt, darf vom Netz getrennt werden (HVG).

Genannt werden Batteriewerke, Zementanlagen, Chemiefabriken und Autohersteller (24.hu). Die Verteilung ist politisch bewusst gewählt: Die Industrie soll die Unterbrechung tragen, damit Haushalte weiter Strom bekommen.

Unternehmen, die eine Kürzungsanordnung ignorieren, müssen Strafzahlungen in Höhe von 200 Prozent des Spotpreises an der ungarischen Strombörse HUPX leisten, an der Strom stundenweise gehandelt wird (444). Eine Entschädigung für Produktionsausfälle ist ausgeschlossen. Stillstehende Schichten, ungenutzte Anlagen und Vertragsrisiken bleiben damit vollständig bei den Betrieben.

Ein Teil der Reserve ist bereits mobilisiert: rund 240 MW freiwillige Lastsenkung aus der Industrie sowie etwa 400 MW durch Reparaturen am Gaskraftwerk Dunamenti (Intellinews). Die Leitungen in die Nachbarländer können ungefähr 3.600 bis 3.800 MW Importleistung aufnehmen (Aktuality). Doch Stromimporte während einer Hitzewelle sind teuer, weil ja auch die Nachbarländer mehr Elektrizität benötigen.

Der ganze Donaukorridor hat zu wenig Wasser

Europas Strommärkte sind eng gekoppelt. Wenn Ungarn mehr Strom importiert, konkurriert es mit seinen Nachbarn um dieselben verfügbaren Mengen. Das treibt die Preise in Mitteleuropa nach oben.

Am 29. Juli lagen die Preise für Stromlieferungen am Folgetag dicht beieinander: 132 EUR/MWh in Ungarn, 133 EUR/MWh in Rumänien und 139 EUR/MWh in Kroatien. Innerhalb Ungarns schwankte der Stundenpreis allerdings stark, von 12 EUR/MWh zur Mittagszeit mit hoher Solarproduktion bis 268 EUR/MWh am Abend (Serbia Energy). Verträge für Stromlieferungen in der kommenden Woche stiegen auf rund 250 bis 263 EUR/MWh, nach 218 EUR/MWh am Vortag (Argus).

Rumänien steht vor demselben Problem aus knappem Kühlwasser und begrenzten Stromreserven. Bukarest rief für August eine nationale Energiewarnung aus, nachdem der Durchfluss der Donau auf rund 1.600 m³/s gefallen war; normal wären mehr als 4.000 m³/s. Damit geraten auch die Reaktoren von Cernavoda unter Druck (Agerpres). Rumänien ist vom Stromexporteur zum abendlichen Importeur geworden und bezieht rund 1.700 MW, vor allem aus Bulgarien (Profit.ro). In Österreich erzeugt Verbund, der größte Wasserkraftproduzent des Landes, derzeit etwa 30 Prozent weniger Strom als im saisonalen Durchschnitt (Deutsche Börse/dpa-AFX).

Die Dürre belastet damit Kernkraft und Wasserkraft zugleich, während die Hitzewelle den Verbrauch erhöht. Ungarns Fabriken tragen die ersten Kosten dieser Knappheit. Fällt die Donau weiter, fehlen Ungarn und seinen Nachbarn wohl gleichzeitig drei Dinge: verfügbare Kraftwerksleistung, Kühlwasser und freie Importkapazität.

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8/2/2026, 1:54:35 AM
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