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EU_ECONOMICS05 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 702 Wörter · 37 Quellen

Ungarn unterschreibt, Netzausbau wartet

Geschrieben von KIto brief AI · 23. August 2026, 02:50
Wie sie entstand

Hungary’s contracts are in place; its new grid remains underground.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Ungarns staatliche Entwicklungsbank hat fünf Verträge unterzeichnet, mit denen EU-Mittel aus dem Wiederaufbaufonds in den Ausbau des Stromnetzes und in intelligente Stromzähler fließen sollen. Ein politisch gut vernetztes Unternehmen wurde aus Transparenzgründen ausgeschlossen. Bis zur Frist für die Erfüllung der EU-Auflagen am 31. August bleiben neun Tage. Was die Verträge bislang nicht hervorgebracht haben, ist ein Kilometer neues Kabel oder ein installierter Zähler.

Die Akten sind fertig, das Netz noch nicht

Am 22. August teilte Minister István Kapitány mit, die Verträge seien unterzeichnet worden (24.hu, Telex). Vertragspartner sind die Magyar Fejlesztési Bank, also Ungarns staatliche Entwicklungsbank MFB, der nationale Übertragungsnetzbetreiber MAVIR, der Versorger E.ON mit seinem ungarischen Verteilnetzgeschäft und der staatliche Energiekonzern MVM.

Das Geld stammt aus der Aufbau- und Resilienzfazilität, dem Corona-Wiederaufbaufonds der EU. Aus diesem Fonds zahlt Brüssel erst dann aus, wenn die Europäische Kommission bestätigt, dass ein Mitgliedstaat vereinbarte Reform- und Investitionsziele erreicht hat (Europäische Kommission). Die ungarische Regierung bezeichnete das Paket von knapp 500 Mrd. Forint, umgerechnet etwa 1,2 Mrd. Euro, als weiteren Schritt, um „EU-Gelder nach Hause zu holen“ (Népszava). Diese Formulierung ist politisch aufgeladen. Wie To Brief vor drei Tagen berichtete, prüft Ungarns Verfassungsgericht noch eines der Gesetze, auf denen das Auflagenpaket beruht; eine Auszahlungsentscheidung der Kommission zu diesen Etappenzielen liegt bislang nicht vor.

Rund 486 Mrd. Forint sind für den Ausbau des Stromnetzes vorgesehen, damit es mehr Solar- und Windstrom aufnehmen kann (444.hu). Weitere 54 Mrd. Forint fließen in intelligente Stromzähler. Die Fördersätze unterscheiden sich: Verteilnetzbetreiber erhalten bis zu 75 Prozent der Kosten, MAVIR bis zu 90 Prozent, intelligente Zähler werden vollständig finanziert (Portfolio). Für den Netzausbau müssen die Betreiber also Eigenkapital mitbringen, was kleinere oder finanzschwächere Anbieter faktisch ausschließt.

Bei den Vereinbarungen handelt es sich um nationale Förderverträge. Die MFB fungiert als zwischengeschaltete Stelle; MAVIR, E.ON und MVM sind die Unternehmen, die das Geld ausgeben sollen (kormany.hu). Das ungarische Finanzportal Portfolio formulierte es nüchtern: Mit den Unterschriften sei die Verwaltungsphase abgeschlossen, nun könne die „praktische Umsetzung“ beginnen (Portfolio). Die Bau- und Installationsarbeiten beginnen also nach der Ankündigung, nicht davor.

EU-Auflagen verändern die Verteilung

Ein Unternehmen kam nicht zum Zug. Die MFB schloss OPUS TITÁSZ, das ungarische Wirtschaftsmedien mit dem Unternehmer Lőrinc Mészáros in Verbindung bringen, aus Transparenzgründen sowohl vom Netzausbauprogramm als auch vom Zählerprogramm aus (Világgazdaság). OPUS TITÁSZ bezeichnete den Entzug der Förderung als unbegründet (Alternativ Energia). Der Ausschluss ist das bislang greifbarste Zeichen dafür, dass die EU-Auflagen tatsächlich verändern, wer Geld erhält. Ungarn verschärfte im August zudem die Kontrolle über EU-Mittel, darunter die verpflichtende Nutzung von ARACHNE+, dem Datenanalysewerkzeug der Kommission zur Betrugsbekämpfung, sowie Interessenkonfliktprüfungen (Schoenherr).

Für Brüssel stellt sich nun die praktische Frage, ob die neuen Kontrollen konfliktbelastete Ausgaben wirklich verhindern oder nur die Akte vor Fristablauf vervollständigen. Die Frist für die Etappenziele läuft am 31. August ab, der letzte Antrag auf Auszahlung muss bis zum 30. September gestellt werden, und Auszahlungen der Kommission sind nur bis zum 31. Dezember möglich (Schoenherr). Danach verfällt nicht genutztes Geld aus dem Wiederaufbaufonds endgültig.

Warum das Netz über Ungarn hinaus zählt

Ungarns Netzengpass ist mehr als ein Bauproblem. Wenn Leitungen, Umspannwerke und Steuerungstechnik nicht ausreichen, können Solar- und Windparks nicht angeschlossen werden oder müssen zeitweise abgeregelt werden. Dann geht erneuerbarer Strom verloren, während die Systemkosten für alle Verbraucher steigen.

Das Problem reicht über Ungarn hinaus. In Mittel- und Osteuropa fließen RRF-Mittel in Stromnetze, deren physischer Ausbau Jahre braucht. Rumäniens Übertragungsnetzbetreiber Transelectrica hat 2026 mehr als 2.500 MW neue Erzeugungs- und Speicherkapazität ans Netz angeschlossen (InvesTenergy); rumänische Exporte in Richtung Ungarn erreichten bei hoher Solarproduktion Spitzenwerte von rund 3.974 MW (xchg.ro). Ein stärkeres ungarisches Netz würde es ermöglichen, diesen Strom besser aufzunehmen oder weiterzuleiten, statt an lokalen Engpässen zu scheitern. Davon hätten beide Seiten des Grenzkorridors etwas.

Die Verträge sind keine bloße PR. Namentlich bekannte Netzbetreiber haben Vereinbarungen unterschrieben, ein politisch vernetztes Unternehmen wurde ausgesiebt, und der Investitionsbedarf im Stromnetz ist real. Doch zwischen Fördervertrag und funktionierender Infrastruktur liegt genau der Bereich, in dem Rechenschaftspflicht beginnt. Die nächsten Belege müssen später kommen: eine von der Kommission bestätigte Auszahlung, vergebene Aufträge, installierte Zähler, in Betrieb genommene Umspannwerke und messbar höhere Netzkapazität. Bis dahin hat Ungarn die Akten geschlossen. Das Netz wartet weiter.

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8/23/2026, 1:57:18 AM
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