Skip to main content
EU_ECONOMICS15 / 18 · Geschichte des Tages3 Min. · 661 Wörter · 33 Quellen

Ungarn lockert Hitzelimit für Paks

Geschrieben von KIto brief AI · 30. Juni 2026, 09:07
Wie sie entstand

National power grids prioritize domestic cooling as river temperatures exceed environmental safety limits.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Die Donau war am Montagmorgen 500 Meter unterhalb des ungarischen Kernkraftwerks Paks 30,22 Grad Celsius warm (HVG). Damit lag sie über jener Grenze von 30 Grad, die Fische und Sauerstoffgehalt des Flusses schützen soll. Nach den üblichen Auflagen hätte Paks seine Leistung um 640 Megawatt senken müssen.

Ungarns Energieminister Kapitány István entschied anders. Er erteilte dem Kraftwerk für zwei Tage eine Ausnahmegenehmigung und hob die zulässige Höchsttemperatur für die Einleitung auf 31,5 Grad an. Die vorgesehene Leistungsdrossel schrumpfte damit auf 40 Megawatt (Portfolio, Telex). Begründet wurde der Schritt mit der Netzsicherheit, auf Empfehlung von MAVIR, dem ungarischen Übertragungsnetzbetreiber. Formal ging es um ein Kraftwerk, einen Fluss und eine Ministerentscheidung. Tatsächlich zeigt der Fall ein Problem, das Europas Stromsystem in Hitzesommern immer häufiger trifft.

Warum heiße Flüsse Strom teuer machen

Kernkraftwerke und große Wärmekraftwerke erzeugen Strom, indem sie Wasser zu Dampf erhitzen. Nachdem der Dampf die Turbinen angetrieben hat, bleibt Abwärme zurück, die abgeführt werden muss. Viele Anlagen nutzen dafür Flusswasser, leiten es durch ihre Kühlsysteme und geben es erwärmt zurück.

Die Umweltgenehmigungen setzen dieser Erwärmung Grenzen, weil warmes Wasser weniger gelösten Sauerstoff enthält und Fische gefährden kann. Die Wasserrahmenrichtlinie der EU schreibt den Schutz der Gewässer als übergeordnetes Ziel vor; die konkrete Temperaturgrenze ergibt sich dann aus der jeweiligen Betriebsgenehmigung eines Kraftwerks (eur-lex).

Wenn eine Hitzewelle Flüsse an diese Schwellen bringt, müssen Kraftwerke ihre Leistung senken. Das Angebot fällt ausgerechnet in den Stunden, in denen Klimaanlagen den Verbrauch nach oben treiben. Im europäischen Großhandelsmarkt bestimmt das letzte, teuerste Kraftwerk, das noch zur Deckung der Nachfrage gebraucht wird, den Preis. Fällt günstige, gleichmäßige Kernkraft weg, springen häufig Gaskraftwerke ein, und der Preis steigt für alle, die mit dem Netz verbunden sind.

Frankreich hat gezeigt, wie schnell sich dieser Effekt ausbreitet. EDF senkte in der vergangenen Woche die Kernkraftproduktion um 4,1 Gigawatt, rund 7 Prozent der Mittagsnachfrage, weil Flusstemperaturen an Reaktoren wie Golfech und Nogent-sur-Seine die Genehmigungsgrenzen erreichten (Reuters, Le Figaro). Die französischen Stromexporte fielen von etwa 10 bis 12 Gigawatt auf rund 3 Gigawatt (Le Monde). Nachbarländer, die auf diese Lieferungen setzen, gerieten dadurch unter Druck. In Belgien stiegen die Viertelstundenpreise am Großhandelsmarkt in den Abendstunden auf mehr als 1.000 EUR je Megawattstunde, als die Solarproduktion nachließ, der Kühlbedarf aber hoch blieb (Euronews).

Die Hitze trifft auch die Industrie

Das Problem betrifft nicht nur Reaktoren. Kraftwerke im Raum Mainz-Wiesbaden entnehmen dem Rhein für ihre Kühlung rund 80.000 Kubikmeter Wasser pro Stunde und müssen mit Teillast oder Abschaltungen rechnen, wenn sich der Fluss 28 Grad nähert. Auch das Chemiewerk Budenheim könnte bei ähnlichen Temperaturen energieintensive Prozesse drosseln müssen (Tagesschau). Rheinland-Pfalz hat bereits die erste Warnstufe wegen erhöhter Flusstemperaturen ausgelöst; höhere Warnstufen wurden 2018, 2019, 2022 und 2025 erreicht (Rhein-Ahr-Anzeiger). Was früher als Ausnahmelage galt, wird damit Teil des normalen Betriebsrisikos.

Wer die Kosten trägt

Die ungarische Ausnahmegenehmigung hielt rund 600 Megawatt günstige Kernkraft im Netz und begrenzte damit den Preisschub, den Verbraucher sonst wohl gespürt hätten. Die ökologischen Kosten wurden auf die Donau verlagert. Die Regierung erklärte, laufende Messungen hätten keine Gefahr für das Wasserleben gezeigt (HVG, Telex). Unabhängige Daten zum Sauerstoffgehalt oder eine ökologische Bewertung wurden jedoch nicht veröffentlicht.

Auffällig ist auch der politische Wechsel innerhalb weniger Tage. Zunächst bezeichnete dieselbe Regierung die ersten Leistungsdrosselungen in Paks als üblich und beherrschbar. Am Montag galten weitere Kürzungen dann als nicht mehr vertretbar (444.hu). Warum sich die Bewertung so schnell änderte, blieb offen.

Frankreich hat rechtlich dieselbe Möglichkeit. Während der Hitzewelle 2022 liefen vier französische Anlagen insgesamt 24 Tage lang mit Umwelt-Ausnahmegenehmigungen (Le Monde). Im Jahr 2026 drosselte EDF dagegen die Produktion und hatte zum Zeitpunkt der Berichte keine neue Ausnahme beantragt. Der Unterschied liegt also weniger im Recht als in der Abwägung: Frankreich nahm den Angebotsverlust hin, Ungarn das ökologische Risiko.

Je häufiger Hitzewellen werden, desto öfter geraten Flusstemperaturgrenzen und hitzegetriebene Stromnachfrage aneinander. Jede Ausnahme, die ohne transparente ökologische Belege erteilt wird, senkt die Schwelle für die nächste.

How was this article?

Help us get better

Details about this article
Model:
claude-opus-4-6
Generated:
6/30/2026, 9:00:47 AM
Pipeline run:
eu_pipeline_20260630_070736
Watermark:
SynthID (Google's invisible watermark)
Human review:
None before publication
Learn more about our methodology