Hormus-Verhandlungen schützen Tanker noch nicht

Hormuz remains a passage in name while captains wait for safe water.
Bildkomposition · tobriefDie Straße von Hormus bleibt für Tanker riskant: Der Iran erklärt, Washington habe einige seiner sieben Bedingungen für eine Wiederöffnung akzeptiert, die übrigen aber offengelassen. Weitere Schritte werde es erst geben, wenn die USA diese Punkte präzisierten (IRNA, Reuters). Sicherer ist die Route dadurch nicht geworden. Am Samstag meldete ein auslaufender Tanker einen Geschosstreffer (UKMTO), am Sonntag ein zweiter Schäden unklarer Ursache. Öl und Gas aus dem Golf gelangen weiterhin nur auf wenigen kostspieligen Fahrten nach Europa. Ein Termin für die Rückkehr des regulären Schiffsverkehrs steht nicht fest.
Wer den ersten Schritt macht
Mohsen Rezaei, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats des Iran, erhob diesen Anspruch in einem Interview, das die staatliche Nachrichtenagentur am 11. Oktober verbreitete (IRNA). Er sagte nicht, welche Bedingungen angenommen worden seien und welche „unklar“ blieben. Eine amerikanische Antwort ist nicht veröffentlicht; die behauptete Teileinigung stützt sich allein auf seine Darstellung.
Rezaeis sieben Bedingungen sind nicht öffentlich. Den klarsten Hinweis auf Teherans Forderungen liefert ein separater Plan, den Außenminister Abbas Araghchi Ende September bei den Vereinten Nationen vorstellte. Er sieht vor, dass zuerst die USA handeln, der Iran anschließend die Meerenge wieder öffnet und erst danach Gespräche beginnen (AP). Iran will die amerikanische Seeblockade seiner Häfen aufheben lassen und den Verkauf seines Öls sowie die Freigabe eingefrorener Gelder erreichen. Ob dieser Plan und Rezaeis Liste dieselben Forderungen enthalten, ist nicht geklärt.
Washington will die Reihenfolge umkehren. US-Vertreter argumentieren, zuerst müsse es echte Fortschritte im Atomstreit geben, weil sich iranische Zusagen nach dem Scheitern einer vorläufigen Vereinbarung im Juni als unzuverlässig erwiesen hätten (AP). Die Reihenfolge ist entscheidend, weil die Kontrolle über den Schifffahrtsweg Teherans wichtigstes Druckmittel ist. Nach Araghchis Ablauf bekäme Teheran die Entlastung, bevor es dieses Druckmittel aufgäbe.
Warum Kapitäne weiter warten
Der Vorfall am Samstag ist am besten dokumentiert. UK Maritime Trade Operations (UKMTO), ein britischer Dienst, der Schiffsberichte an andere Schiffe weiterleitet, erfasste um 19.20 Uhr UTC die Meldung, ein nicht näher bezeichneter auslaufender Tanker sei an Backbord von einem unbekannten Geschoss getroffen worden. Der Tanker geriet in Brand; die Besatzung sei in Sicherheit (UKMTO).
Die Schäden vom Sonntag sind weniger klar. UKMTO meldete Schäden an Backbord eines zweiten auslaufenden Tankers, ohne das Schiff oder die Ursache zu nennen. Indiens Schifffahrtsminister bezeichnete ein an diesem Tag getroffenes Schiff separat als VALTHERA und sagte, die elf indischen Besatzungsmitglieder seien in Sicherheit (UKMTO, Sonowal). Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, ein Supertanker auf einer von ihnen als nicht genehmigt bezeichneten Route habe seine Navigationsgeräte ausgeschaltet und sei auf eine Seemine gelaufen (Tasnim). Die Garden nannten weder Schiff noch Position; UKMTO bestätigte keine Mine. Frühere Angriffsbehauptungen der Garden blieben ebenfalls unbelegt (To Brief).
Für einen Kapitän zählt vor allem das Risiko, nicht die Ursache des Schadens. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) rät Schiffen weiterhin, die ausgewiesenen Fahrwasser zu meiden, auf denen Minen gemeldet wurden (IMO). Eine veröffentlichte Fassung des iranischen Plans legt nicht dar, wie sich nach einer angekündigten Öffnung die Sicherheit der Gewässer überprüfen ließe.
Die wenigen Fahrten, die noch stattfinden
Einige Ladungen werden weiterhin transportiert, doch die Zahl der Fahrten ist gering. Das Datenunternehmen Kpler zählte am 6. Oktober sieben Passagen von Rohstoffschiffen, so wenige wie an keinem Tag seit Juli (Reuters).
Ein großer Teil der Transporte läuft über sogenannte Shuttle-Fahrten, wie Schiffsmakler sie nennen. Dabei fährt ein großer Tanker in den Golf, lädt und läuft wieder aus; häufig übergibt er seine Ladung außerhalb des Golfs an ein wartendes Schiff. Von der griechischen Nachrichtenseite OT zitierte Makler beziffern die Kosten auf 30 bis 40 Mio. US-Dollar je Fahrt oder 15 bis 20 US-Dollar je Barrel, noch ohne Versicherung (OT). Wer den Tanker beauftragt, trägt diese Kosten. Wie viel davon in den europäischen Kraftstoffpreisen ankommt, ist nicht ermittelt worden.
Beim Gas besteht ein anderes Problem: Einige Lieferungen fallen vollständig aus. Der italienische Versorger Edison teilte mit, Lieferungen aus Katar blieben wegen höherer Gewalt bis Anfang Dezember aus. Damit erklärt ein Lieferant, dass Ereignisse außerhalb seiner Kontrolle eine Lieferung verhinderten (Edison). Seit April seien 35 LNG-Ladungen mit insgesamt 4,6 Mrd. Kubikmetern betroffen, beziffert das Unternehmen. 23 davon habe man an seinem Adriaterminal ersetzt und könne die Kunden weiter versorgen. Die Ersatzladungen federn die Ausfälle ab. Edison hat nicht mitgeteilt, was sie kosteten; Lieferungen aus Katar seien noch nicht wieder angelaufen.
Die Straße von Hormus bleibt trotz Rezaeis Behauptung einer Teileinigung eine knappe und teure Route; der Inhalt der amerikanischen Antwort ist weiterhin nicht verifiziert. Der Schiffsverkehr kehrt zurück, sobald die Angriffe enden und freigegebene Fahrwasser veröffentlicht sind.
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- 10/12/2026, 1:35:52 AM
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