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EU_ECONOMICS05 / 08 · Geschichte des Tages3 Min. · 673 Wörter · 140 Quellen

Italien schließt erst €3.7bn EU-Projekte ab

Geschrieben von KIto brief AI · 24. Mai 2026, 03:50
Wie sie entstand

Thousands of administrative approvals accumulate across a landscape where nothing is being built.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Die Aufbau- und Resilienzfazilität (RRF), der 2021 geschaffene EU-Fonds zur wirtschaftlichen Erholung nach der Pandemie, läuft auf eine harte Frist zu. Bis zum 31. August 2026 müssen die vereinbarten Reform- und Investitionsziele erreicht sein; bis zum 30. September müssen alle Zahlungsanträge vorliegen. Was dann nicht abgerufen ist, verfällt. Von den insgesamt 577 Mrd. EUR sind bislang rund 58 Prozent an die Regierungen ausgezahlt worden (Europäische Kommission, ING Think). Der eigentliche Engpass liegt aber nicht in Brüssel, sondern zwischen der Auszahlung an den Staat und dem Moment, in dem daraus tatsächlich ein Krankenhaus gebaut oder ein kleiner Betrieb finanziert wird.

Italien hat das Geld bekommen. Die Projekte kamen nicht hinterher.

Italien zeigt dieses Muster besonders deutlich. Rom hat bereits 166 Mrd. EUR erhalten, also 85 Prozent seiner Zuweisung von 191 Mrd. EUR, der größten im gesamten EU-Programm (italienische Regierung). Der italienische Rechnungshof fand jedoch nur 3,7 Mrd. EUR an tatsächlich abgeschlossenen Projekten (upday, Il Resto del Carlino). Der Rest steckt in unterschiedlichen Stufen der Verwaltung. Tausende kleine Gemeinden haben Mittel zugesagt bekommen, verfügen aber kaum über Personal für Ausschreibungen, Vergabe und Kontrolle. Am stärksten liegen die südlichen Regionen zurück: Sizilien kommt auf eine Zahlungsquote von 22 Prozent, Kalabrien auf 25 Prozent, Venetien dagegen auf 47 Prozent (Il Foglio).

Zur administrativen Knappheit kommt eine reale Baukostenkrise. Seit 2022 sind die Baukosten um 40 Prozent gestiegen, während die EU-Zuschüsse für diese Projekte auf Preisen von 2021 beruhen (Legacoop Romagna). Für Bauunternehmen geht diese Rechnung oft nicht mehr auf: Sie bieten eine Schulsanierung zu einem Preis an und sehen dann, wie Materialkosten den Etat aufzehren, bevor das Dach fertig ist. Die Folge waren 13.500 Insolvenzverfahren im italienischen Bausektor im Jahr 2025 (Unioncamere). Jede Insolvenz blockiert das öffentliche Vorhaben, das an ihr hängt.

Weiter östlich ist die Lage noch schwieriger. Ungarn hat erst 9 Prozent seiner 10,4 Mrd. EUR erhalten; 9,5 Mrd. EUR sind wegen Rechtsstaatskonflikten eingefroren (Portfolio.hu). Rumänien drohen mögliche Kürzungen von 15 Mrd. EUR, weil 38 Meilensteine noch nicht erfüllt sind (DCNews). Bulgarien hat nach sieben Regierungswechseln seit der Genehmigung seines Plans nur 53 Prozent der Mittel absorbiert.

Überleben durch kleinere Ziele

Länder, die erfolgreicher aussehen, haben ihre Ziele oft nach unten angepasst. Portugal vermied den Verlust von 2 Mrd. EUR, indem es seinen Plan dreimal umprogrammierte, Metroprojekte in Lissabon und Porto strich, Wohnungsbauziele halbierte und die Zahl geplanter Krankenhausbetten um 40 Prozent senkte (Eco/Sapo, Observador). Zugleich leitete Portugal 964 Mio. EUR in eine Entwicklungsbank um, deren Kreditprogramme schon mit Vertragsunterzeichnungen als „ausgeführt“ gelten, nicht erst mit abgeschlossenen Projekten (Conta-la.pt). Portugals eigene Kontrollinstanz stellte deshalb die Frage: „Opfern wir Wirkung?“

Griechenland, das 68,5 Prozent seines 36-Mrd.-EUR-Pakets abgerufen hat, gerät auf andere Weise unter Druck. Die Nachfrage nach günstigen RRF-Darlehen mit Zinssätzen von 0,3 bis 1 Prozent übersteigt das Angebot um 6 bis 8 Mrd. EUR (News247). Wenn diese Kredite auslaufen, müssen Unternehmen wohl auf Marktzinsen ausweichen, die drei- bis viermal so hoch liegen (Protothema).

Ein Konstruktionsfehler des Instruments

Der Europäische Rechnungshof hat den Kernwiderspruch benannt: Die RRF zahlt für Meilensteine, nicht für tatsächlich entstandene Kosten. Es gibt keinen Mechanismus, mit dem Geld zurückgefordert werden kann, wenn ein Meilenstein formal erreicht wurde, die dahinterstehende Investition aber nie fertig wird (Sonderbericht 13/2024 des Europäischen Rechnungshofs, eucrim).

Das tiefere Problem liegt in der institutionellen Logik des Fonds. Wie Bruegel, ein Brüsseler Wirtschaftsforschungsinstitut, festhielt, setzen leistungsabhängige Zahlungen starke Verwaltungen voraus (Bruegel). Rumänien, Bulgarien und Ungarn, also Länder mit besonders schwachen Verwaltungskapazitäten, sind zugleich jene, die den größten Transformationsbedarf haben. Die RRF sollte Unterschiede verringern. In der Praxis hat sie sie vielfach reproduziert.

Nach Schätzung des Europäischen Fiskalausschusses erhöhten die RRF-Zuschüsse die öffentlichen Investitionen in der EU jährlich um rund 0,25 Prozent des BIP. Dieser Impuls verschwindet 2027, ohne dass ein Ersatzinstrument bereitsteht (Europäischer Fiskalausschuss). Der nächste EU-Haushaltszyklus beginnt 2028, doch die Verhandler sind sich nicht einmal einig, ob es ein dauerhaftes Investitionsinstrument geben soll. Offen ist damit nur noch, wie viel Geld verfällt und ob die Lücke, die es hinterlässt, politisch überhaupt sichtbar wird.

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5/24/2026, 3:29:51 AM
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