Brückentreffer stoppen Metro über den Dnipro

Kyiv’s green line waits for engineers to clear its river crossing.
Bildkomposition · tobriefDie Südliche Brücke in Kiew ist eine zentrale Verbindung über den Dnipro: Sie trägt den Autoverkehr und die grüne Metrolinie. Am 1. Oktober schlugen zwei Drohnen nahe einem Pfeiler ein, als gerade ein Zug die Brücke überquerte (Kyiv Independent, DW Ukrainian). Weitere Angriffe in den folgenden Tagen stoppten Züge und Autos auf der Brücke und beschädigten weiter nördlich eine zweite Überquerung. Eingestürzt ist kein Brückenabschnitt. Die Metroverwaltung sei bereit, den Zugverkehr wieder aufzunehmen, doch die Ingenieure haben ihre Bewertung der Brücke noch nicht veröffentlicht.
Wie die Angriffe den Arbeitsweg veränderten
Bürgermeister Vitali Klitschko sagte, der Fahrer und die Fahrgäste des ersten Zuges seien unverletzt geblieben (Kyiv Independent). Die Brücke selbst wurde stärker beschädigt. Das wiegt schwer, weil sie zwei Aufgaben erfüllt: Sie trägt sechs Fahrspuren und die grüne Metrolinie. Ihre Sperrung nimmt Autofahrern eine Route und Menschen ohne Auto ihren Weg zur Arbeit mit der Bahn (Yle).
Bei späteren Angriffen wurden ein Pfeiler, die Fahrbahn und die Betonschutzwand an den Gleisen beschädigt (DW Ukrainian). Der Metro- und Straßenverkehr kam zum Erliegen, außerdem wurde die Stromversorgung der Gleise abgeschaltet.
Der Bürgermeister sagte, die Brücke sei am 2. Oktober erneut getroffen worden (Reuters). Die Berichte zählen die Einschläge unterschiedlich. Auch deshalb ist der bauliche Zustand der Brücke bislang unklar.
Auf anderen Brücken wurde der Verkehr meist eingeschränkt, aber nicht vollständig eingestellt. Am 2. Oktober war die Fahrbahn der Metrobrücke in einer Richtung nur noch einspurig befahrbar; auf der Paton-Brücke galt zeitweise Einbahnverkehr (RBC Ukraine). Berichte, wonach fünf der sechs Kiewer Brücken gesperrt gewesen seien, fassten vollständige Sperrungen, einzelne offene Spuren, Einbahnverkehr und Unterbrechungen während Luftalarmen zusammen (TSN, Defence24).
Der Bahnverkehr über den Fluss wurde nicht vollständig eingestellt. Die Kiewer Ringbahn teilte mit, sie sei am 2. Oktober auf ihrer gesamten Strecke gefahren (ZN.ua).
Am 3. Oktober wurde die Nördliche Brücke getroffen. Dabei wurden die Fahrbahn und die Oberleitungen für Oberleitungsbusse beschädigt. Busse kehrten auf ihre Linien zurück, fuhren aber mit Verspätung (Tram News). Unter Berufung auf den Bürgermeister berichtete Rzeczpospolita von einem weiteren Angriff am 4. Oktober, bei dem die Fahrbahn und die Wärmeversorgung beschädigt und zwei Menschen verletzt worden seien (Rzeczpospolita). Seit diesem Angriff wurde keine Übersicht zum Zustand der einzelnen Brücken veröffentlicht.
Wiederaufnahme des Zugverkehrs hängt von Ingenieuren ab
Am 2. Oktober berichtete der Bürgermeister vor dem Kiewer Verteidigungsrat, dem städtischen Koordinierungsgremium für Kriegszeiten, über die Schäden. Seiner Darstellung zufolge hätten Vertreter der Metroverwaltung erklärt, sie seien bereit, wieder Züge über die Südliche Brücke fahren zu lassen (Epravda). Zuvor müssten Ingenieure jedoch das Bauwerk prüfen. Über das zuständige Ministerium seien wissenschaftliche Institute mit dieser Arbeit befasst worden.
Ein abgeschlossener Prüfbericht und ein Termin für Reparaturen liegen öffentlich nicht vor. Auch ist nicht bekannt, wer die Wiederaufnahme des Zugverkehrs formal freigeben muss. Solange diese Fragen offen sind, lässt sich nicht sagen, wann die grüne Linie wieder über den Fluss fahren wird.
Moskaus Begründung und die Anforderungen des Völkerrechts
Das russische Verteidigungsministerium führte eine Kiewer Brücke als Angriffsziel auf, das militärischen Zwecken gedient habe. Nach einem Bericht von Reuters legte das Ministerium dafür keine Belege vor, die die Nachrichtenagentur überprüfen konnte.
Das humanitäre Völkerrecht setzt für eine solche Begründung klare Maßstäbe. Zusatzprotokoll I zu den Genfer Konventionen schützt Zivilisten im Krieg. Nach Artikel 52 gilt ein Objekt wie eine Brücke nur dann als militärisches Ziel, wenn es wirksam zu militärischen Handlungen beiträgt und seine Zerstörung zum jeweiligen Zeitpunkt einen konkreten militärischen Vorteil verspricht (ICRC). Ob die konkreten Angriffe rechtmäßig waren, lässt sich aus der Regel allein nicht ableiten. Dafür müsste bekannt sein, wie die Brücken genutzt wurden; Moskaus unbelegte Behauptung liefert diese Informationen nicht.
Die Schäden an den Brücken werden auch außerhalb der Ukraine aufmerksam verfolgt. Finnische, polnische und deutsche Redaktionen berichten darüber, weil die Angriffe zeigen, wie Russlands Luftkrieg den Alltag in der Hauptstadt erreicht: Selbst der Weg über den eigenen Fluss ist nicht mehr verlässlich.
Die vorliegenden Informationen stützen einen klaren Befund: Wiederholte Angriffe haben Kiews Möglichkeiten eingeschränkt, den Dnipro zu überqueren, ohne dass eine Brücke eingestürzt ist. Wie stark die Südliche Brücke bei den späteren Treffern beschädigt wurde, muss eine veröffentlichte technische Prüfung noch klären.
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- 10/5/2026, 11:49:59 AM
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