LKAB darf Seltene-Erden-Park in Luleå bauen

Beneath the frozen waste of the Swedish North lies the hidden core of Europe’s green transition.
Bildkomposition · tobriefIn Elektromotoren, Offshore-Windkraftanlagen und präzisionsgelenkter Munition steckt derselbe Engpass: Dauermagnete aus Seltenen Erden. Europa verbraucht jedes Jahr Tausende Tonnen dieser Rohstoffe, fördert aber bislang keine nennenswerten Mengen selbst. 95 Prozent der Seltenen Erden werden importiert; China kontrolliert rund 70 Prozent der EU-Versorgung und bis zu 90 Prozent der weltweiten Verarbeitung. Die Umweltgenehmigung, die ein schwedisches Gericht am 26. Mai erteilte, ändert diese Abhängigkeit nicht sofort. Sie schafft aber die Voraussetzung dafür, dass Europa an einer Stelle der Lieferkette überhaupt wieder einsteigt.
Schatz in den Rückständen
Der staatliche schwedische Eisenerzkonzern LKAB darf in Luleå einen Industriepark für kritische Mineralien bauen. Der Rohstoff soll nicht aus einer neuen Mine stammen, sondern aus altem Bergbauabfall: Apatit, ein phosphorhaltiges Mineral, das LKAB seit mehr als einem Jahrhundert bei der Eisenerzförderung aussortiert. In diesem Apatit befinden sich alle 17 Seltenen Erden, also genau jene Elemente, die für die Magneten der grünen Industrie und der Rüstungsproduktion gebraucht werden.
Das Verfahren ist chemisch zunächst gut nachvollziehbar. Gemahlener Apatit wird in Säure gelöst, wodurch Ionen Seltener Erden zusammen mit Phosphor und Kalzium freigesetzt werden. Über mehrere Fällungs- und Filtrationsschritte sollen die Seltenen Erden zu einem Mischkonzentrat verdichtet werden; der Phosphor wird getrennt zurückgewonnen und kann als Düngemittel dienen. Eine Demonstrationsanlage, die seit Januar 2025 im Bau ist, soll den integrierten Prozess bis Herbst 2026 bestätigen. Aus einem Jahrhundert Bergbaurückständen würden damit zwei Produkte, die Europa dringend benötigt. Im Labor funktioniert das Konzept; nun muss sich zeigen, ob es auch in industrieller Größenordnung zuverlässig läuft.
Ein Teil der Lösung, nicht die ganze Lösung
LKABs Pläne sind groß angelegt. Drei miteinander verbundene Projekte in Nordschweden haben nach dem Critical Raw Materials Act der EU den Status strategischer Vorhaben erhalten. Die Lagerstätte Per Geijer bei Kiruna enthält nach Unternehmensangaben geschätzte 2,2 Mio. Tonnen Seltenerdoxide und gilt als größte bestätigte Ressource Europas.
Für Dauermagnete sind unter den 17 Elementen vor allem Neodym und Praseodym entscheidend. Sie erzeugen die starken Magnetfelder, die Elektromotoren kompakt und Windkraftgeneratoren effizient machen. Offizielle Mengenprognosen für diese magnetrelevanten Elemente hat LKAB bisher nicht veröffentlicht. Der Konzern strebt aber an, einen erheblichen Teil des EU-Ziels abzudecken, mindestens 10 Prozent des eigenen Bedarfs an Seltenen Erden in Europa zu fördern.
Die Großproduktion ist für die dreißiger Jahre vorgesehen. Eine endgültige Investitionsentscheidung steht noch aus. LKABs Produktionsvorstand sagte, das Unternehmen werde „Schritt für Schritt“ vorgehen und Kapital erst binden, „wenn die Bedingungen stimmen“.
Der Engpass liegt hinter der Mine
Europas eigentliches Problem liegt weniger in der Förderung als in der Trennung und Raffination, die aus Mischkonzentrat industrietaugliche Materialien machen. Seltene Erden sind chemisch einander sehr ähnlich; sie zu trennen, ist eher Feinarbeit als klassischer Bergbau. Dafür braucht es Hunderte aufeinanderfolgende chemische Bäder, ein Verfahren namens Lösungsmittelextraktion. China hat diese Technik über vier Jahrzehnte perfektioniert und betreibt heute 85 bis 90 Prozent der weltweiten Trennkapazität. Europas einzige größere Anlage, Silmet in Estland, verarbeitet rund 3.000 Tonnen im Jahr.
Frankreich kündigte am 5. Mai einen nationalen Resilienzplan über 600 Mio. EUR an, um genau diese nachgelagerte Kapazität wieder aufzubauen. In der Theorie ergänzen sich der französische und der schwedische Ansatz: Schweden liefert das Erzkonzentrat, Frankreich macht daraus nutzbare Metalle. Praktisch passen die Zeitpläne noch nicht zusammen. Die französische Trennung soll um 2028 erste Produktion erreichen, während LKAB größere Mengen erst Anfang der dreißiger Jahre liefern dürfte. Für den Rest dieses Jahrzehnts werden französische Raffinerien deshalb Ausgangsmaterial von außerhalb Europas brauchen.
Parallel entsteht ein informeller nordischer Korridor: schwedische Förderung, norwegische Trennung, finnische Prozesstechnologie. Drei Länder übernehmen komplementäre Rollen, ohne dass es bislang formale Koordinierungsabkommen gäbe. Der Markt fügt hier zusammen, was Regierungen noch nicht geordnet haben.
Selbst wenn alle geplanten europäischen Projekte ihre Ziele erreichen, dürfte Europa nach Analysen von IRIS in den dreißiger Jahren weiterhin 85 bis 95 Prozent seines Bedarfs an Seltenen Erden aus China decken müssen.
Worauf es jetzt ankommt
Die Demonstrationsanlage von LKAB wird im Herbst die erste technische Frage beantworten: Lässt sich der Extraktionsprozess außerhalb des Labors zuverlässig steuern, und bleiben die Emissionen innerhalb der genehmigten Grenzen? Davon hängt ab, ob die Investitionsentscheidung für den Vollausbau folgt.
Der nächste größere Test liegt außerhalb Schwedens. Im Oktober 2026 läuft Chinas befristete Aussetzung von Exportbeschränkungen für Seltene Erden aus. Die ersten europäischen Trennkapazitäten sollen erst Anfang 2027 ans Netz gehen. Diese kurze Lücke dürfte sehr klar zeigen, wie verwundbar Europa noch ist und wie dringend aus einzelnen Projekten eine funktionierende Lieferkette werden muss.
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- 5/28/2026, 3:12:35 AM
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