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EU_ECONOMICS06 / 08 · Geschichte des Tages3 Min. · 715 Wörter · 144 Quellen

Madrid will Hernández de Cos an der EZB-Spitze

Geschrieben von KIto brief AI · 7. Juni 2026, 03:50
Wie sie entstand

The race for the Eurozone’s most powerful seat begins in the shadows.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Christine Lagardes achtjährige Amtszeit an der Spitze der EZB läuft erst im Oktober 2027 aus. Doch die Nachfolge wird in Europas Hauptstädten längst vorbereitet, weil die Personalie in ein politisch enges Zeitfenster fällt.

Euronews berichtete im Februar, Lagarde könne vor der französischen Präsidentschaftswahl im April 2027 vorzeitig gehen. Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz hätten damit noch Gelegenheit, ihre Nachfolge mitzuprägen, solange sie selbst im Amt sind. Die Antwort der EZB war bewusst offen formuliert: Lagarde habe „keine Entscheidung über das Ende ihrer Amtszeit getroffen“. Ein Dementi ist das nicht.

In Umfragen unter Fachleuten dominieren zwei Namen: Klaas Knot, Präsident der niederländischen Notenbank, und Pablo Hernández de Cos, früherer Gouverneur der spanischen Zentralbank und inzwischen Chef der BIZ, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die als Koordinierungsforum der Zentralbanken dient. Eine OMFIF-Umfrage sah beide im April gleichauf. Auch eine Umfrage der Financial Times unter Ökonomen führte sie als gemeinsame Favoriten. Der eigentliche Wettbewerb läuft aber zwischen den Regierungen, die hinter ihnen stehen.

Madrids Kandidat und der Gouverneur, der ihn verhindern will

Spaniens Werben für De Cos verläuft nicht geräuschlos. Pedro Sánchez tat sich lange schwer damit, einen Mann zu unterstützen, der von seinem konservativen Vorgänger Mariano Rajoy ernannt worden war und dessen Zentralbankberichte die Haushaltspolitik der Regierung wiederholt kritisiert hatten (El Debate). Nach Informationen von Vozpópuli brauchte Wirtschaftsminister Carlos Cuerpo wochenlange Überzeugungsarbeit, um Sánchez auf Linie zu bringen. Inzwischen steht die Regierung hinter De Cos, vermeidet aber eine förmliche öffentliche Unterstützung und hält die Kandidatur damit bewusst informell (Cinco Días).

Das größere Problem kommt aus der spanischen Zentralbank selbst. José Luis Escrivá, der amtierende Gouverneur der Banco de España, arbeitet nach Angaben von El Debate aktiv gegen De Cos, indem er mit Journalisten und anderen Notenbankchefs in Europa über dessen Kandidatur spricht. Sein Motiv ist institutionelle Arithmetik: Wenn De Cos EZB-Präsident würde, könnte Spanien kaum zugleich einen Sitz im EZB-Direktorium beanspruchen. Escrivás eigene Ambitionen wären damit wohl erledigt.

Berlins leise Präferenz

Deutschland hat offiziell eine eigene Kandidatin im Feld. Isabel Schnabel, bereits Mitglied des EZB-Direktoriums, sagte Reuters, sie würde die Präsidentschaft übernehmen, „wenn man sie frage“ (WirtschaftsWoche). Ihre ausgeprägt restriktive Linie, also ihr Drängen auf höhere Zinsen selbst bei schwächerem Wachstum, macht sie für hochverschuldete südeuropäische Regierungen allerdings schwer vermittelbar.

Econostream schrieb im Mai, Deutschland betrachte Knot als „optimale Ausweichlösung“: stabilitätsorientiert, erfahren, fiskalisch ernsthaft. Das passt gut zu Merz’ ordoliberalem Reflex, also zur deutschen Vorliebe für regelgebundene Haushaltspolitik und Preisstabilität.

Frankreich scheint sich zurückgenommen zu haben. François Villeroy de Galhau trat vorzeitig als Gouverneur der Banque de France zurück; ersetzt wurde er durch Emmanuel Moulin, einen Macron-Vertrauten, der die parlamentarische Bestätigung nur knapp überstand (Le Monde). Ein französischer Kandidat für die EZB-Spitze ist nicht erkennbar. Nach zwei französischen Präsidenten, Jean-Claude Trichet und Christine Lagarde, dürfte Paris akzeptieren, dass nun ein anderes Land an der Reihe ist.

Was die Entscheidung verändert

Der EZB-Präsident bestimmt nicht allein die Geldpolitik, prägt aber den Konsens über Zinsen und entscheidet mit darüber, wann das TPI aktiviert wird. Dieses Transmission Protection Instrument erlaubt der EZB, Staatsanleihen einzelner Länder zu kaufen, wenn deren Finanzierungskosten stark steigen und die einheitliche Wirkung der Geldpolitik gefährden. Für Länder wie Italien oder Griechenland ist das ein Sicherheitsnetz.

Der Renditeaufschlag italienischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen, also die Differenz der Finanzierungskosten, liegt derzeit bei einem 15-Jahres-Tief von rund 73 bis 76 Basispunkten. Diese Ruhe hängt auch daran, dass die Märkte den TPI-Schutzschirm für glaubwürdig halten.

De Cos gilt Analysten als Zentrist mit eher expansiver Neigung, also als Notenbanker, der niedrigere Zinsen zur Stützung des Wachstums eher akzeptiert. Er hat das TPI und schrittweise Zinsanpassungen in seiner Laufbahn wiederholt unterstützt (BIZ). Knot war lange einer der profiliertesten Falken im EZB-Rat. Zwar hat er seinen Ton in den vergangenen Jahren gemildert, doch sein geldpolitischer Instinkt bleibt straffer.

Formal entscheidet der Europäische Rat mit qualifizierter Mehrheit, nachdem Europäisches Parlament und EZB-Rat angehört wurden (Consilium). Praktisch wurden alle bisherigen EZB-Präsidentschaften in größeren Personalpaketen ausgehandelt, bei denen Spitzenposten zwischen Ländern verrechnet wurden. Die Nationalität zählt dabei meist mehr als die geldpolitische Schule.

Spanien hat die EZB-Präsidentschaft noch nie gestellt. Seit Luis de Guindos das Direktorium am 31. Mai verlassen hat, ist Madrid dort gar nicht mehr vertreten. Dieses Argument wiegt. Am Ende dürfte entscheiden, welche Hauptstadt das bessere Paket schnürt und ob Madrid verhindern kann, dass der eigene Zentralbankgouverneur die Kandidatur vorher beschädigt.

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6/7/2026, 3:09:35 AM
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