Magyar beendet Vetos für €17 billion

A new diplomatic alignment floats on the surface of a deep industrial past.
Bildkomposition · tobriefPéter Magyar hat Polen für seine erste Auslandsreise als ungarischer Ministerpräsident gewählt. Die Stationen Krakau, Warschau, Danzig und ein Treffen mit Lech Wałęsa verorten den Mann, der Viktor Orbán im April deutlich geschlagen hat, in der mitteleuropäischen Tradition demokratischer Erneuerung; Donald Tusk erscheint dabei als Mentor. Magyar hat bereits mehrere EU-Entscheidungen freigegeben, die Orbán jahrelang blockiert hatte. Die meisten politischen Linien Orbáns hat er aber bislang nicht geändert.
Der transaktionale Neustart
Der institutionelle Bruch ist greifbar. Wenige Tage nach seinem Amtsantritt gab Ungarn sein Veto gegen den 90 Mrd. EUR schweren EU-Kredit für die Ukraine auf und ließ auch das 20. Sanktionspaket gegen Russland passieren. Außenministerin Anita Orbán erklärte, Budapest werde Vetos nicht länger „als politisches Theater“ nutzen (Kyiv Independent, Euronews). Unter Viktor Orbán hatte Ungarn 21 Entscheidungen des Europäischen Rates blockiert oder faktisch verhindert. Diese Linie ist nun offiziell aufgegeben.
Der Einsatz liegt bei rund 17 Mrd. EUR eingefrorener EU-Mittel. Davon stammen 10,4 Mrd. EUR aus der Aufbau- und Resilienzfazilität, dem Investitionsprogramm der EU nach der Pandemie. Dieses Geld muss bis zum 31. August abgerufen werden, sonst verfällt es endgültig. Magyar flog am 29. April nach Brüssel und will bis Ende Mai eine Vereinbarung mit Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unterzeichnen. Die Kommission signalisiert ungewöhnliche Beweglichkeit; Beamte sagten ungarischen Medien, es gebe „eine reale Chance“, den gesamten Betrag auszuzahlen (Telex).
Gleiche Politik, andere Umgangsformen
Inhaltlich ist die Kontinuität allerdings auffällig. Magyar sagte der Financial Times, seine Regierung „werde Ungarns Position zur militärischen Unterstützung der Ukraine nicht ändern“ und die Beziehungen zu Russland nicht abrupt kappen (Magyar Tisza). Ungarn liefert weiterhin keine Waffen an Kyjiw. Den Ausstieg aus russischer Energie stellt Magyar bis 2035 in Aussicht, also so spät, dass Moskau mindestens für dieses Jahrzehnt Lieferant bleibt. In der Migrationspolitik lehnt er den verbindlichen Solidaritätsmechanismus der EU ab, nach dem Staaten entweder Asylsuchende aufnehmen oder zahlen müssen. Damit setzt er Orbáns Linie nahezu wortgleich fort.
Tschechische Analysten beschrieben das Paradox treffend: Magyar stehe für „eine Veränderung im Ton, nicht unbedingt in der Substanz“ (Seznam Zprávy). Er hat aufgegeben, was Orbán als Druckmittel nutzte. Was Orbán als Politik aufgebaut hat, hat er noch nicht zurückgedreht.
Fico verliert seinen Partner
Der klarste Verlierer ist Robert Fico. Der slowakische Ministerpräsident hatte sich bei EU-Entscheidungen zu Sanktionen und zur Ukraine auf Ungarn als strukturellen Blockadepartner verlassen. Diese Partnerschaft ist praktisch beendet. Fico, der am 9. Mai als einziger amtierender EU-Regierungschef Putin in Moskau besuchte, steht nun isolierter da. Nach den Regeln der qualifizierten Mehrheit im Rat kann die Slowakei mit ihren 5,5 Mio. Einwohnern Entscheidungen allein nicht verhindern (Centre for European Reform).
Bei Dossiers mit Einstimmigkeit, etwa Außenpolitik und Sanktionen, behält Fico theoretisch ein Veto. Doch das Europäische Parlament stimmte im April dafür, die Kommission zur Aktivierung ihres Instruments gegen demokratische Rückschritte in der Slowakei aufzufordern, mit dem EU-Mittel eingefroren werden können (EU Observer). Weil rund 20 Prozent des slowakischen Bruttoinlandsprodukts mit EU-Haushaltstransfers verbunden sind, ist sein Spielraum für Konfrontation enger geworden. Dass Bratislava seine Blockade des 20. Sanktionspakets still zurücknahm, nachdem die Druschba-Ölpipeline wieder lief, zeigt eher Kostenkalkül als ideologischen Feldzug.
Das Muster, auf das Brüssel achten sollte
Die Visegrád-Gruppe, das informelle Bündnis aus Polen, Ungarn, Tschechien und der Slowakei, ist das Format, das Magyar und Tusk wiederbeleben wollen. Eine Median-Umfrage für den tschechischen Rundfunk ergab, dass 80 Prozent der tschechischen Bürger eine erneuerte Zusammenarbeit unterstützen. Doch das Format funktioniert nur, wenn alle vier Mitglieder eine gemeinsame Grundorientierung teilen. Ficos Moskau-Reise passt eben schlecht zu Magyars Warschauer Geste.
Der eigentliche Test ist, ob Brüssel aus der polnischen Erfahrung gelernt hat. Als Tusk 2023 ins Amt kam, gab die Kommission eingefrorene Mittel frei, bevor Reformen überprüft waren. Fachleute des CEPS warnen, nun zeichne sich dasselbe Muster ab: „politische Ausrichtung, nicht überprüfte Regelkonformität“ treibe die Entscheidung (CEPS). Magyar hat das Sondertribunal zur russischen Aggression weiterhin nicht unterzeichnet. Der EU-Beitrittsprozess der Ukraine bleibt bis zu einem Treffen zwischen Magyar und Selenskyj blockiert. Die 27 Reformmeilensteine, an die die eingefrorenen Mittel geknüpft sind, sind weitgehend unerfüllt.
Magyar hat verändert, mit wem Ungarn zusammenarbeitet. Was Ungarn tatsächlich tut, sieht bisher erstaunlich ähnlich aus wie zuvor. Und über 10,4 Mrd. EUR entscheidet eine Frist, die in zehn Wochen abläuft.
How was this article?
Help us get better
Help us get better
Details about this article
- Model:
- claude-opus-4-6
- Generated:
- 5/19/2026, 2:27:34 PM
- Pipeline run:
- eu_pipeline_20260519_121239
- Watermark:
- SynthID (Google's invisible watermark)
- Human review:
- None before publication