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EU_ECONOMICS14 / 18 · Geschichte des Tages3 Min. · 567 Wörter · 17 Quellen

Malta bohrt zweite Stromleitung nach Sizilien

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Geschrieben von KIto brief KI · 16. Juli 2026, 02:50
Wie sie entstand

Two sockets in the rock: Malta carves a second lifeline into its ancient isolation.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Malta ist für seine Stromversorgung stärker von der Außenanbindung abhängig als große kontinentale Strommärkte. Auf der Insel frisst sich nun ein Bohrer durch das Küstengestein, um den unterirdischen Zugang für ein neues Hochspannungskabel zum Meer zu schaffen (Lovin Malta). Das Kabel soll unterseeisch nach Sizilien führen und Malta eine zweite Verbindung zum europäischen Stromnetz geben. Geplant ist eine zusätzliche Importkapazität von 225 MW (Interconnect Malta).

Für ein Land, das bereits heute einen erheblichen Teil seines importierten Stroms über eine einzige Leitung aus Sizilien bezieht, ist das vor allem Absicherungsinfrastruktur. Der zweite Anschluss soll verhindern, dass ein Ausfall oder eine Wartung der bestehenden Verbindung die Insel sofort in eine Versorgungslücke drückt.

Warum zwei Kabel die Rechnung verändern

Malta importiert Strom aus Sizilien über eine bestehende Leitung. Fällt diese Verbindung aus oder wird sie für Wartungsarbeiten abgeschaltet, muss das Land stärker auf heimische Gaskraftwerke zurückgreifen. Mit einem zweiten Kabel könnte Malta auch dann noch Strom aus dem italienischen Netz beziehen, wenn die erste Verbindung nicht verfügbar ist (Terna).

Die zweite Leitung verbessert zudem den Umgang mit Solar- und Windstrom. Kleine Stromsysteme reagieren empfindlicher auf Schwankungen: mittags zu viel Sonne, abends zu wenig Erzeugung. Wenn es nur eine Verbindung zu einem größeren Netz gibt, bleiben Netzbetreibern wenige Möglichkeiten, überschüssigen Strom abzugeben oder kurzfristig zusätzlichen Strom hereinzuholen. Eine größere Anbindung an das kontinentale Netz schafft mehr Spielraum, weil italienische und europäische Betreiber Schwankungen mitausgleichen können, die Malta allein nur schwer abfedern kann (Europäische Kommission).

Kabel ersetzen allerdings keine eigenen Reserven. Der Blick nach Spanien zeigt das recht deutlich: Trotz der Verbindungen zu den Balearen und Kanaren sehen spanische Planer weiterhin Bedarf für Hunderte Megawatt an gesicherter Leistung, die einspringen kann, wenn Importe oder erneuerbare Erzeugung nicht ausreichen (El Periódico de la Energía). Interkonnektoren verringern die Isolation. Sie heben sie nicht auf.

Warum das die Stromrechnung nicht automatisch senkt

Bei nahezu jedem Infrastrukturprojekt steht das Versprechen niedrigerer Strompreise im Raum. In diesem Fall trägt die Beleglage diese Erwartung nur begrenzt.

Was Haushalte am Ende zahlen, setzt sich aus Großhandelspreisen, Netzentgelten, Steuern, Abgaben und staatlichen Subventionen zusammen (Eurostat). Ein stabileres Netz kann die Endkundenpreise unverändert lassen, wenn die Baukosten über Tarife refinanziert werden, importierter Strom nicht billiger ist als heimische Erzeugung oder die Regierung die Preise politisch steuert.

Zyperns Energieminister hat diese Unterscheidung offen ausgesprochen. Er unterstützt den Great Sea Interconnector zwischen Zypern und Griechenland aus Gründen der Versorgungssicherheit, warnt aber davor, Preissenkungen als gesichert anzunehmen (Powergame). Die geschätzten Kosten dieses Projekts haben sich seit Planungsbeginn fast verdoppelt; zyprische Kritiker bezweifeln, ob der Aufwand gerechtfertigt sei, auch wenn sie die strategische Logik nicht grundsätzlich bestreiten (Kathimerini Cyprus). Malta dürfte vor derselben Abwägung stehen.

Wer gewinnt und wer zahlt

Nutzen und Kosten verteilen sich unterschiedlich. Maltesische Haushalte und Unternehmen profitieren, wenn die Versorgung verlässlicher wird und Stromausfälle seltener werden. Steuerzahler tragen die Baukosten, deren genaue Höhe öffentlich schwer festzumachen bleibt; im Umlauf sind Zahlen um 300 Mio. EUR (Interconnect Malta, Europäische Kommission). Betreiber heimischer Gaskraftwerke verlieren Laufzeiten, behalten aber ihren Wert als Reserve für Notfälle.

Das Projekt passt in eine breitere EU-Strategie. Mehrere Mitgliedstaaten dürften das Interkonnektionsziel der EU von 15 Prozent verfehlen, also den Anteil der nationalen Erzeugungskapazität, der über Grenzen hinweg transportiert werden kann. Die Europäische Kommission drängt deshalb besonders periphere Stromsysteme zu physischen Verbindungen mit dem kontinentalen Netz (Europäische Kommission). Die Bohrarbeiten auf Malta sind damit eine Versicherungspolice: Sie machen die Stromversorgung der Insel robuster, ohne verlässlich billigeren Strom zu versprechen.

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7/16/2026, 2:34:07 AM
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