Meridiam stützt Zypern-Kabel vor Budget

The cable has an investor, but still no journey to Cyprus.
Bildkomposition · tobriefZypern ist der einzige EU-Mitgliedstaat, dessen Stromnetz nicht mit dem europäischen Verbundnetz verbunden ist (Europäische Kommission). Ein Unterseekabel von Kreta nach Zypern soll diese Isolation beenden. Am 5. August unterzeichnete der französische Infrastrukturinvestor Meridiam eine Vereinbarung, mit der er Mehrheitsgesellschafter der Great Sea Interconnector (GSI) wird, der Projektgesellschaft hinter der Stromverbindung (Baird Maritime, Proto Thema). Damit hat das Vorhaben nun einen belastbaren Finanzinvestor. Einen verbindlichen Bauhaushalt hat es aber noch nicht.
Was Meridiam übernimmt — und was weiter fehlt
Meridiam steigt mit mehr als 50 Prozent ein. Bislang kontrollierte ADMIE, der unabhängige griechische Übertragungsnetzbetreiber, das Projekt, nachdem er es im Oktober 2023 aus einer früheren Entwicklungsstruktur übernommen hatte. ADMIE bleibt Minderheitsgesellschafter, soll in der Entwicklungsphase die technische Arbeit führen und das Kabel nach der Fertigstellung betreiben (Iefimerida). Eine eigene Vereinbarung mit dem französischen Kabelhersteller Nexans betrifft Meeresbodenuntersuchungen, also jene Vorarbeiten, mit denen Ingenieure Trasse und Untergrundbedingungen absichern müssen (Newsit).
Die Reihenfolge ist entscheidend. Solche Untersuchungen kommen vor der endgültigen Investitionsentscheidung, der sogenannten Final Investment Decision, bei der die Geldgeber die Finanzierung des gesamten Baus tatsächlich freigeben. Meridiams Einstieg bringt GSI in die Vermessungsphase. Er ersetzt noch keine Bauentscheidung.
Die finanziellen Bedingungen wurden nicht veröffentlicht. Baird Maritime berichtete, es seien keine Details der Transaktion bekanntgegeben worden (Baird Maritime). Ein griechisches Medium nannte eine Meridiam-Investition von 250 Mio. EUR, doch öffentlich bestätigt hat Meridiam diese Zahl nicht (in.gr). Unklar bleiben damit die genaue Beteiligungshöhe, die Zusammensetzung des Verwaltungsrats und die zugesagte Eigenkapitalleistung.
Geld fließt gleichwohl schon. Wie To Brief zuvor berichtete, waren bis Ende 2024 251,4 Mio. EUR an Nexans gezahlt und 160 Kilometer Kabel produziert worden, obwohl die vollständige Bauanweisung für einen Vertrag über rund 1,43 Mrd. EUR zuzüglich Mehrwertsteuer noch nicht erteilt war. Nexans verhandelte zudem über einen Brückenauftrag, der die Verzögerungsphase abdecken sollte (Capital.gr).
Wer das Kabel bezahlt
Für den Abschnitt von Kreta nach Zypern wird ein Budget von rund 1,9 Mrd. EUR genannt (Kathimerini, Europäische Kommission). Ein EU-Zuschuss von etwa 657 Mio. EUR deckt ungefähr ein Drittel; das Geld stammt aus dem Programm der Union für grenzüberschreitende Energieinfrastruktur (EUR-Lex). Übrig bleiben rund 1,24 Mrd. EUR, die aus drei Quellen kommen müssen: Eigenkapital der Investoren, Bankkredite und Umlagen auf Stromrechnungen.
Am stärksten trifft die Kostenverteilung Zypern. Nach der vereinbarten Formel entfallen 63 Prozent der Kabelkosten auf Zypern und 37 Prozent auf Griechenland; die zyprische Regulierungsbehörde hat bereits 125 Mio. EUR an Netzentgelten während der Bauphase genehmigt (Kathimerini). Der Druck dahinter ist real: Zypern droht nach 2029 eine Stromlücke von etwa 750 Megawatt, weil ältere Kraftwerkskapazitäten in Dhekelia und Vasiliko vom Netz gehen. Die Planung ging davon aus, dass das Kabel bis 2030 in Betrieb sein werde (Cyprus Mail).
Ein Netzanschluss bedeutet allerdings nicht automatisch niedrigere Stromrechnungen. Investitionen in Leitungen werden über Netzentgelte refinanziert, also über regulierte Aufschläge auf die Stromrechnung. Irland zeigt das Muster: Dort führte eine Entscheidung 2026 zu zusätzlichen Kosten von etwa 41 EUR pro Jahr für Haushalte, um Netzausbauten zu finanzieren (The Irish Times). Zypern muss gemessen an seinem kleinen Strommarkt einen deutlich größeren Infrastrukturblock tragen; die Belastung je Haushalt dürfte deshalb wohl höher ausfallen.
Der Europäische Rechnungshof hat darauf hingewiesen, dass grenzüberschreitende EU-Netzprojekte häufig Verzögerungen erleiden, selbst wenn ihre wirtschaftliche Begründung tragfähig ist (Europäischer Rechnungshof). GSI passt in dieses Muster. Die Geldgeber haben gezeigt, dass das Projekt wieder Bewegung hat. Die Unterlagen, die seine Finanzierbarkeit belegen würden, sind aber noch nicht veröffentlicht.
Stocks in this story
Details about this article
- Model:
- claude-opus-4-6
- Generated:
- 8/6/2026, 1:52:13 AM
- Pipeline run:
- eu_pipeline_20260806_005006
- Watermark:
- SynthID (Google's invisible watermark)
- Human review:
- None before publication