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EU_ECONOMICS03 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 661 Wörter · 30 Quellen

Meridiam übernimmt 66 Prozent

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Geschrieben von KIto brief KI · 7. August 2026, 02:50
Wie sie entstand

Cypriot households are charged before the cable carries its first current.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Der Great Sea Interconnector soll Zypern aus seiner elektrischen Insellage holen. Genau deshalb ist das geplante Unterseekabel zwischen Kreta und Zypern energiepolitisch wichtig. Finanzpolitisch bleibt das Projekt aber heikel, weil ein großer Teil der Kosten am Ende über regulierte Netzentgelte auf den Stromrechnungen der Verbraucher landet.

Der französische Infrastrukturinvestor Meridiam hat in dieser Woche vereinbart, 66 Prozent an dem Projekt zu übernehmen (griechischer Ministerpräsident). Der griechische Netzbetreiber ADMIE behält 34 Prozent und bleibt technisch federführend (Powergame). Damit bekommt das seit Monaten stockende Vorhaben etwas, das ihm bislang fehlte: einen privaten Investor, der eigenes Kapital einsetzen will. Nicht veröffentlicht ist allerdings die Aktionärsvereinbarung, also auch nicht die Regelung, wer Kostenüberschreitungen trägt. Bei einem Kabel von 1,9 Mrd. EUR, das teilweise über Stromkunden finanziert wird, ist das keine Nebensache.

Zypern ist der einzige EU-Mitgliedstaat, dessen Stromnetz vollständig vom europäischen Verbundsystem getrennt ist (Europäische Kommission). Die Leitung würde der Insel Zugang zum kontinentaleuropäischen Strommarkt verschaffen und ihre Abhängigkeit von importierten Brennstoffen verringern. Der politische Nutzen ist damit klar. Umstritten ist, wer zahlt, wenn Bau, Genehmigungen oder Finanzierung teurer werden als geplant.

Wer die Kosten trägt

Der Abschnitt von Kreta nach Zypern wird auf 1,9 Mrd. EUR veranschlagt (Knews Kathimerini Cyprus). Rund 657 Mio. EUR kommen aus der Connecting Europe Facility der EU, einem Förderprogramm für grenzüberschreitende Infrastruktur (Cyprus Mail). Der Rest muss aus Eigenkapital, Fremdkapital und regulierten Einnahmen finanziert werden. Reguliert heißt hier: Die Rückzahlung läuft über Netzentgelte, die Verbraucher auf ihrer Stromrechnung tragen.

Die Regulierer haben diese langfristige Last zu 63 Prozent Zypern und 37 Prozent Griechenland aufgeteilt, weil Zypern vom Ende seiner Isolation stärker profitiert (Kathimerini Cyprus).

Zyprische Verbraucher sollen zudem schon während der Bauphase zahlen: 25 Mio. EUR pro Jahr über fünf Jahre, insgesamt also 125 Mio. EUR, bevor das Kabel in Betrieb ist (Iefimerida). Die erste Rate wurde eingefroren, nachdem Behörden auf unvollständige Umsetzung und Streit über die Finanzierungsquelle verwiesen hatten (Cyprus Mail). Zypern wehrt sich damit bereits gegen Zahlungen für eine Leitung, die noch keinen Strom transportiert.

Was Meridiams Geld tatsächlich kauft

Meridiam soll die verbleibenden 40 Prozent der Meeresbodenuntersuchungen finanzieren, die nötig sind, um die Kabeltrasse technisch festzulegen. Zudem könnte der Investor ADMIE 66 Prozent der bereits angefallenen 251,4 Mio. EUR erstatten (Powergame). Eine parallele Vereinbarung mit dem französischen Kabelhersteller Nexans zielt darauf, die Untersuchungen ab September wieder aufzunehmen (SigmaLive).

Das ist noch kein Financial Close, also nicht der Zeitpunkt, an dem die gesamte Finanzierung rechtlich verbindlich steht. Zyperns Energieminister Michael Damianos sagte, seine Regierung warte weiter auf die Due-Diligence-Prüfung der Europäischen Investitionsbank, bevor sie über eine staatliche Beteiligung entscheide (Euronews Greek). Wie wir bei Bekanntgabe der Vereinbarung berichtet haben, hat sich die Eigentümerstruktur geändert; die entscheidenden Finanzierungszusagen stehen aber noch aus. Kaufpreis, Zusammensetzung des Verwaltungsrats, Vetorechte und Verteilung von Kostenüberschreitungen sind nicht offengelegt.

Das Kabel führt durch umstrittene Gewässer

Les Echos stellte Meridiams Einstieg in den Zusammenhang türkischen Drucks, zyprischer Streitigkeiten und der französisch-griechischen Annäherung (Les Echos). Diese Geopolitik ist von der Kostenfrage nicht zu trennen. Vermessungsschiffe in umstrittenen Gewässern können aufgehalten werden. Verzögerungen erhöhen Bau- und Finanzierungskosten. In der unveröffentlichten Aktionärsvereinbarung müsste stehen, ob privates Kapital diese Mehrkosten trägt oder ob sie über öffentliche Tarife weitergereicht werden. Der Europäische Rechnungshof hat gewarnt, dass grenzüberschreitende Stromprojekte der EU selbst bei überzeugender politischer Begründung immer wieder unter Verzögerungen leiden (Europäischer Rechnungshof).

Gelingt das Projekt, profitiert Zypern am stärksten: Die Insel bekäme einen Weg aus der Stromisolation, mehr Versorgungssicherheit und Zugang zu potenziell günstigeren Importen. Meridiam und ADMIE erhielten ein reguliertes Infrastrukturvermögen mit einer berichteten zulässigen Rendite von 8,3 Prozent plus 3,7 Prozent Prämie über 17 Jahre (Kathimerini). Griechische Verbraucher tragen mit 37 Prozent einen kleineren direkten Anteil, doch wegen der 251,4 Mio. EUR ADMIE-Ausgaben steht auch im griechischen regulierten System Kapital im Risiko.

Am klarsten belastet wären bei steigenden Kosten die zyprischen Verbraucher: Sie stehen auf der 63-Prozent-Seite und sollen schon während der Bauphase zahlen, bevor eine Kilowattstunde fließt. Meridiams Einstieg macht das Projekt glaubwürdiger. Transparenter macht er es bislang nicht.

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8/7/2026, 2:01:30 AM
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