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EU_ECONOMICS06 / 08 · Geschichte des Tages3 Min. · 606 Wörter · 141 Quellen

Ölreserven bei $123 im August erschöpft

Geschrieben von KIto brief AI · 21. Mai 2026, 03:50
Wie sie entstand

The sea of supply turns to stone as strategic reserves hit operational stress levels.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Brent-Öl steht bei 107 Dollar je Barrel, doch für europäische Raffinerien ist das nur die Ausgangsgröße. Kriegsrisikoversicherungen, längere Transportrouten und neue iranische Transitgebühren treiben die tatsächlichen Anlandungskosten auf etwa 120 bis 123 Dollar je Barrel. Die Notreserven, die genau solche Schocks abfedern sollen, werden schneller verbraucht, als das System verkraften kann.

Die IEA, die Internationale Energieagentur zur Koordinierung von Ölkrisen in 32 Mitgliedsländern, startete am 11. März die größte Freigabe ihrer Geschichte: 400 Mio. Barrel aus strategischen Vorräten. Nach zehn Wochen sind davon rund 44 bis 45 Prozent verbraucht, bei etwa 2,5 Mio. Barrel pro Tag (Fortune). Bleibt dieses Tempo bestehen, ist die Zusage vor Mitte August ausgeschöpft. Ein Ende der Krise in der Straße von Hormus ist derzeit nicht absehbar.

Die Blockade als verdeckte Steuer

Die Blockade wirkt wie eine hohe Abgabe auf das Öl, das überhaupt noch durchkommt.

Vor der Krise kostete die Kriegsrisikoversicherung eines Supertankers, eines sogenannten VLCC mit rund 2 Mio. Barrel Ladung, etwa 25.000 Dollar im Jahr. Heute kostet eine einzige Passage 10 bis 14 Mio. Dollar (Lloyd's List). Die Haftpflichtdeckung der P&I-Klubs, also der Gegenseitigkeitsversicherer der Handelsschifffahrt, stieg von 25.000 Dollar im Jahr auf 30.000 Dollar pro Woche (Lloyd's Market Association). Ohne gültige Versicherung darf ein Schiff praktisch nicht anlegen, wird nicht finanziert und kann nicht beladen werden.

Die Tagesraten für Supertanker aus der Golfregion erreichten im März mit 423.736 Dollar einen Höchststand. Die neue iranische Persian Gulf Strait Authority, ein am 18. Mai eingeführtes formelles Mautsystem, verlangt Berichten zufolge bis zu 2 Mio. Dollar je Transit, zahlbar in chinesischen Yuan. Allein die Versicherung schlägt mit etwa 5 Dollar je Barrel zu Buche. Zusammen mit Frachtkosten und Umwegen zahlen Raffinerien in Rotterdam oder Triest 15 bis 16 Dollar mehr als die Brent-Notierung, bevor die Verarbeitung überhaupt beginnt.

Zwei Sicherheitsnetze, beide unter Druck

Raffinerien leben zunächst von kommerziellen Beständen, also den Betriebsvorräten der Unternehmen für den laufenden Bedarf. Wenn diese Bestände sinken, öffnen Regierungen ihre strategischen Erdölreserven, die für genau solche Krisen vorgehalten werden. Inzwischen stehen beide Puffer unter Belastung.

IEA-Chef Fatih Birol warnte beim G-7-Treffen in Paris, einige Regionen verfügten nur noch über „several weeks“ zugänglicher kommerzieller Vorräte (Tovima, CNBC). Allein im März und April sanken die kommerziellen Bestände um 246 Mio. Barrel (IEA).

Im EU-Durchschnitt reichen die Vorräte offiziell noch für mehr als 90 Tage. Diese Zahl verdeckt allerdings erhebliche Unterschiede. Rumäniens Dieselreserven liegen nur bei 30,2 Tagen (Euronews). Bukarest erklärte bis zum 30. Juni eine Krise am Ölmarkt, begrenzte Kraftstoffmargen und schränkte Dieselausfuhren ein, nachdem Dieselpreise im Jahresvergleich um 32,68 Prozent gestiegen waren (Digi24). In der EU haben 15 der 27 Mitgliedstaaten mindestens eine Kraftstoffart auf kritischem Niveau.

Deutschland gab 19,5 Mio. Barrel aus nationalen Reserven frei, etwa ein Fünftel seines Vorrats (finanzen.net). Die Preise an den Zapfsäulen liegen trotz einer Kraftstoffsteuersenkung im Umfang von 1,6 Mrd. EUR weiter über 2 EUR je Liter (ADAC via presseportal.de). Deutschland kann sich eine solche Entlastung leisten. Italien bat Brüssel, die EU-Fiskalregeln für ähnliche Energieausgaben zu lockern, und erhielt eine Absage.

Das Kalenderproblem

Europas Reservesystem ist für Störungen von Tagen bis wenigen Wochen gebaut. Die Hormus-Krise geht nun in ihren 80. Tag. Vor der Krise passierten täglich etwa 130 Schiffe die Meerenge und transportierten 20 Mio. Barrel Öl, rund 20 Prozent des weltweit per Schiff gehandelten Öls (UNCTAD). Zuletzt waren es an einzelnen Tagen nur noch zwei.

JPMorgan warnt, dass die kommerziellen Ölbestände der Industrieländer Anfang Juni „operative Stressniveaus“ erreichen dürften, also jenen Punkt, an dem Pipelines und Raffinerien auch physisch schwerer am Laufen zu halten sind. Der Zeitpunkt ist ungünstig: Der Sommertourismus erhöht die Nachfrage nach Kerosin, während die Reserven dünner werden. Die verbleibende IEA-Zusage ist etwa im September vollständig aufgebraucht. Märkte reagieren meist lange bevor der letzte Tank leer ist.

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5/21/2026, 4:16:28 AM
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