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EU_ECONOMICS09 / 18 · Geschichte des Tages3 Min. · 689 Wörter · 33 Quellen

Nur 210 Kryptofirmen schaffen MiCA-Frist

Geschrieben von KIto brief AI · 30. Juni 2026, 09:07
Wie sie entstand

Thousands of crypto firms remain suspended in a terminal queue as MiCA rules take effect.

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der Text · 3 Min. Lesezeit

Am 1. Juli 2026 endet die Übergangsfrist für MiCA, die EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte. Anbieter ohne Zulassung dürfen dann keine neuen Kunden mehr aufnehmen und müssen ihre Geschäfte geordnet zurückfahren. Nach Schätzungen aus Presse und Branche hatten Ende Juni nur rund 210 von mehr als 1.200 zuvor registrierten Kryptofirmen eine vollständige Genehmigung erhalten (Euronews). Offiziell bestätigt hat die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA diese Zahl nicht. Doch selbst als grobe Näherung zeigt sie, worum es geht: Der europäische Kryptomarkt wird wohl deutlich kleiner.

Die ESMA hat die Folgen in einer Mitteilung vom Juni beschrieben. Nicht zugelassene Anbieter müssen die Aufnahme neuer Kunden stoppen, ihre Werbung einstellen und bestehenden Nutzern die Auszahlung ihrer Mittel ermöglichen. Die Pflichten zur Geldwäscheprävention gelten auch während der Abwicklung weiter. Eine Verlängerung werde es nicht geben, hatte die Behörde bereits im April klargestellt.

Der Mechanismus ist einfach: MiCA setzt einen einheitlichen Zulassungsstandard für die EU. Wer diesen Standard nicht erfüllt oder dessen Antrag von der nationalen Aufsicht nicht rechtzeitig bearbeitet wurde, verliert den Marktzugang. Übrig bleibt ein kleinerer Markt, in dem vor allem Anbieter bestehen können, die Personal, Prüfungen, Kapitalanforderungen und laufende Berichtspflichten finanzieren können.

Ein Regelwerk, 27 Warteschlangen

MiCA ist eine unmittelbar geltende EU-Verordnung. Sie muss also nicht erst in nationales Recht umgesetzt werden, um verbindlich zu sein. Trotzdem müssen die Mitgliedstaaten Aufsichtsbehörden benennen, Antragsverfahren einrichten und Lizenzen bearbeiten. Genau an dieser nationalen Umsetzungsebene sind die Brüche sichtbar geworden.

Am deutlichsten zeigt sich das in Polen. Das nationale Gesetz, das die Finanzaufsicht KNF formell zur zuständigen MiCA-Behörde machen würde, ist noch nicht in Kraft. Rzeczpospolita berichtete, für große Teile der MiCA-Aufsicht sei damit noch keine nationale Stelle ermächtigt. Polnische Anbieter haben folglich keinen regulären heimischen Zulassungsweg. Binance Poland nimmt bereits keine neuen Nutzer mehr an und hat Kunden aufgefordert, Vermögenswerte auf andere Plattformen zu übertragen (TVN24, Money.pl).

Portugal hat seinen Rechtsrahmen angepasst, kämpft aber mit Verzögerungen bei der Bearbeitung. Der Branchenverband ANIPE warnte kurz vor Fristablauf, die Zahl zugelassener Firmen sei auf ein Minimum reduziert; manche Anbieter müssten ihre Kundendienste wohl einstellen, obwohl sie Anträge gestellt hätten (ECO). Die Banco de Portugal zeigte sich unnachgiebig. Im Parlament erklärte sie, bei Genehmigungen „sehr anspruchsvoll“ zu sein (RTP).

Frankreich hatte mit dem Registrierungssystem der Finanzaufsicht AMF bereits eine strukturierte nationale Vorstufe. Etablierte Anbieter wie Coinhouse und Paymium schafften den Übergang zur MiCA-Zulassung deshalb reibungsloser, auch wenn kleinere Firmen weiter an den Kosten scheitern können (Cryptoast). In Spanien rechnete die CNMV damit, Ende Juni rund 20 zugelassene Betreiber zu erreichen (Cinco Días).

Wer gewinnt, wer verliert

Zu den Gewinnern gehören große, gut kapitalisierte Anbieter, die die tatsächlichen Zulassungskosten tragen können: Compliance-Abteilungen, externe Prüfungen, Mindestkapital und laufende Aufsichtsberichte. In Deutschland dürften banknahe oder stark regulierte Anbieter wie Boerse Stuttgart Digital, Bitpanda und Trade Republic zu jenen gehören, die Marktanteile gewinnen können (Handelsblatt). Der europäische Pass von MiCA ist dabei ein starker Hebel: Eine Zulassung in einem EU-Land reicht, um Kunden im gesamten Binnenmarkt zu bedienen. Größe zahlt sich aus.

Verlierer sind kleinere Betreiber, die diese Regulierungskosten nicht stemmen können, sowie Firmen, die ohne eigenes Verschulden in langsamen nationalen Verfahren feststecken. Ein Unternehmen kann real am Markt tätig sein, Kunden bedienen und auf eine Entscheidung warten, nach Fristablauf aber dennoch rechtlich nicht zugelassen sein.

Verbraucher erhalten bei genehmigten Anbietern stärkere Schutzregeln: Vorgaben zur Unternehmensführung, zur Verwahrung von Vermögenswerten und zu Informationspflichten. Zugleich sinkt die Auswahl. In Märkten mit wenigen Zulassungen müssen Nutzer Geld abziehen oder Vermögenswerte verlagern, bevor Plattformen den Betrieb einstellen.

Wohin wandert das Risiko?

Die großen Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen. Schätzungen, wonach 75 bis 83 Prozent der Anbieter ihren Marktzugang verlieren könnten, stammen aus Kryptomedien, nicht von Aufsichtsbehörden.

Entscheidend ist nun, wohin Nutzer abwandern, die nicht mehr über unzugelassene Plattformen handeln können. Wechseln sie zu regulierten EU-Anbietern, hätte MiCA den Markt im Sinne des Gesetzgebers bereinigt. Gehen sie dagegen zu Offshore-Börsen außerhalb der europäischen Aufsicht, wäre das Risiko nur aus dem regulierten Raum verdrängt. Belastbare Daten dazu gibt es bisher nicht; die Antwort wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen. Genau daran entscheidet sich, ob MiCA vor allem Verbraucherschutz schafft oder lediglich den Markt sortiert.

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6/30/2026, 8:45:47 AM
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