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TECH_SCIENCE04 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 776 Wörter · 14 Quellen

Daraxonrasib verdoppelt Überlebenszeit fast

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Geschrieben von KIto brief KI · 9. September 2026, 02:50
Wie sie entstand

A long-resistant cancer finally meets a drug that changes survival.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Metastasierter Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den am schwersten behandelbaren Tumorerkrankungen. Am 26. August hat die US-Arzneimittelbehörde FDA den Wirkstoff Daraxonrasib zugelassen, der einmal täglich als Tablette eingenommen wird. In einer Phase-III-Studie verlängerte er die mediane Überlebenszeit auf 13,2 Monate, verglichen mit 6,7 Monaten unter einer herkömmlichen Chemotherapie.

An der Studie nahmen Patienten teil, deren metastasierter Tumor nach einer vorangegangenen Behandlung weitergewachsen war. Die Zulassung reicht allerdings darüber hinaus: Daraxonrasib darf bei Erwachsenen mit metastasiertem Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse nach mindestens einer systemischen Therapie eingesetzt werden, außerdem bei Patienten, die keine Chemotherapie mit mehreren Wirkstoffen vertragen. Diese zweite Gruppe war in dem randomisierten Vergleich nicht unmittelbar untersucht worden.

Die FDA bezeichnet Daraxonrasib als „erste zielgerichtete Therapie ihrer Wirkstoffklasse gegen metastasierten Bauchspeicheldrüsenkrebs“. Revolution Medicines vertreibt das Präparat unter dem Namen RASONQUE. Grundlage der Zulassung war eine abgeschlossene und im New England Journal of Medicine veröffentlichte Phase-III-Studie, nicht lediglich ein Ersatzendpunkt oder ein erstes Signal aus einer frühen Entwicklungsphase.

Warum dieses Protein so schwer angreifbar war

Bei den meisten Tumoren der Bauchspeicheldrüse treiben Mutationen des Proteins KRAS das Wachstum an. KRAS funktioniert in gesunden Zellen ähnlich wie ein Lichtschalter: Das Protein wird kurzzeitig aktiviert, übermittelt ein Wachstumssignal und schaltet sich anschließend wieder ab. Krebsfördernde Mutationen halten diesen Schalter dauerhaft in der aktiven Stellung, sodass die Zellen fortlaufend Signale zur Teilung erhalten.

Wissenschaftler erkannten diesen Mechanismus bereits in den achtziger Jahren, konnten jedoch lange keinen geeigneten Wirkstoff entwickeln. Die Oberfläche des Proteins ist ungewöhnlich glatt und besitzt kaum jene Vertiefungen, in denen sich Arzneimittel normalerweise festsetzen können.

Im Jahr 2013 entdeckten Forscher eine zuvor verborgene Bindungstasche bei einer bestimmten mutierten Form namens KRAS-G12C. Die Buchstaben-Zahlen-Kombinationen bezeichnen unterschiedliche Veränderungen an derselben Position des Proteins. Aus der Entdeckung gingen inzwischen zugelassene Medikamente hervor, doch wirken diese ausschließlich gegen G12C. Die bei Bauchspeicheldrüsenkrebs vorherrschenden Varianten G12D, G12V und G12R blieben damit therapeutisch unerreichbar.

Daraxonrasib nutzt einen anderen Mechanismus. Einer 2024 veröffentlichten Untersuchung zufolge bindet sich der Wirkstoff zunächst an Cyclophilin A, ein in Zellen häufig vorkommendes Protein. Der daraus entstehende Komplex lagert sich anschließend an aktives RAS an und unterbindet die Weiterleitung des Wachstumssignals. Da Daraxonrasib eine bei mehreren RAS-Varianten vorhandene Oberfläche nutzt und nicht auf eine mutationsspezifische Bindungstasche angewiesen ist, kann der Wirkstoff auch jene Formen erfassen, die in Bauchspeicheldrüsentumoren besonders häufig vorkommen.

Was die Studie gemessen hat

In der internationalen Studie RASolute 302 wurden 500 Patienten nach dem Zufallsprinzip einer Behandlung mit Daraxonrasib oder einer von vier etablierten Chemotherapien zugeteilt, die der behandelnde Arzt auswählen konnte. Bei allen Teilnehmern war der metastasierte Bauchspeicheldrüsenkrebs nach einer vorangegangenen Therapie fortgeschritten. Ihr Allgemeinzustand erlaubte ihnen noch leichte körperliche Tätigkeiten und eine selbständige Versorgung.

Für diese Tumorerkrankung fiel der Unterschied deutlich aus. In der zahlenmäßig größten Gruppe mit RAS-G12-Mutationen lebten nach einem Jahr noch 53,3 Prozent der mit Daraxonrasib behandelten Patienten, gegenüber 18,7 Prozent unter Chemotherapie. Die Hazard Ratio für das Sterberisiko betrug 0,40. Dieser Wert bedeutet, dass die geschätzte Sterberate während des Beobachtungszeitraums unter Daraxonrasib erheblich niedriger war. Unabhängige Gutachter, denen die jeweilige Behandlung nicht bekannt war, stellten auf den Tumoraufnahmen bei rund 30 Prozent der Daraxonrasib-Patienten eine objektiv messbare Verkleinerung fest; unter Chemotherapie waren es 11 Prozent.

Nebenwirkungen traten gleichwohl häufig auf. Laut Fachinformation entwickelten etwa 85 Prozent der Patienten einen Hautausschlag, 58 Prozent litten unter Durchfall und 53 Prozent unter Entzündungen oder Geschwüren im Mund. Schwere Nebenwirkungen und Therapieabbrüche waren seltener als unter Chemotherapie. Zudem berichteten die Patienten erst zu einem deutlich späteren Zeitpunkt über eine Verschlimmerung ihrer Schmerzen.

Die Ergebnisse beschreiben Durchschnittswerte einer vergleichsweise belastbaren Patientengruppe nach genau einer vorangegangenen Behandlung. Für den einzelnen Erkrankten lässt sich daraus kein entsprechender Überlebensgewinn ableiten. Da die mediane Nachbeobachtungszeit erst 8,5 Monate betrug, ist zudem noch offen, wie dauerhaft die Wirkung bei länger behandelten Patienten ausfällt.

Der Zugang in Europa dürfte noch dauern

Die Entscheidung der FDA hat in der Europäischen Union keine rechtliche Wirkung. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) begann im Juli 2026 im Rahmen ihres Cancer Medicines Pathfinder mit einer schrittweisen Prüfung. Dabei bewertet sie bereits einzelne Datenpakete, bevor der Hersteller einen vollständigen Zulassungsantrag einreicht.

Bis Anfang September war in den öffentlich zugänglichen Unterlagen kein vollständiger Antrag verzeichnet. Einen Zeitplan für die Zulassungsentscheidung nannte die EMA nicht; die Gesamtdauer des Verfahrens lasse sich noch nicht absehen. Bereits im April hatte Daraxonrasib in der EU den Status eines Arzneimittels für seltene Leiden zur Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs erhalten. Diese Einstufung gewährt dem Hersteller regulatorische Anreize, ist aber eben keine Marktzulassung. Selbst nach einer positiven EU-Entscheidung würden nationale Preisverhandlungen und Erstattungsbeschlüsse darüber bestimmen, wann Patienten in den einzelnen Mitgliedstaaten das Präparat tatsächlich erhalten.

Für vergleichsweise belastbare Patienten, deren metastasierter Bauchspeicheldrüsenkrebs nach einer Behandlung weitergewachsen war, verlängerte Daraxonrasib in einer belastbaren Vergleichsstudie das Überleben gegenüber einer Chemotherapie. Frühe Untersuchungen desselben Wirkstoffs bei Lungenkrebs ergaben Ansprechraten von 31 bis 37 Prozent; Phase-III-Studien dazu laufen bereits. Präklinische Modelle weisen auf mehrere mögliche Resistenzmechanismen hin, deren Bedeutung für Patienten bislang jedoch unklar ist. Ob die europäischen Behörden Daraxonrasib zulassen und wann die nationalen Gesundheitssysteme die Behandlung finanzieren würden, bleibt damit offen.

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9/9/2026, 2:45:26 AM
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