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EU_PUBLIC_AFFAIRS01 / 07 · Geschichte des Tages3 Min. · 744 Wörter · 145 Quellen

Pentagon zieht U-Boote aus NATO ab

Geschrieben von KIto brief AI · 28. Mai 2026, 03:50
Wie sie entstand

The formal promises of reinforcement are severed, leaving Europe tethered to an invisible void.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Die Vereinigten Staaten verändern nicht ihre Nato-Mitgliedschaft, sondern die militärische Verlässlichkeit, die im Krisenfall dahintersteht. Washington hat den Verbündeten mitgeteilt, es werde der Allianz künftig keine U-Boote mehr zur Verfügung stellen, die zugesagte Zahl der Kampfflugzeuge um ein Drittel senken und den Pool strategischer Bomber halbieren. Pentagon-Vertreter Alexander Velez-Green nannte die Zahlen vergangene Woche in einer vertraulichen Unterrichtung im Nato-Hauptquartier (Defense News, El País). Bis Anfang Juni erwartet Washington europäische Pläne, wie diese Lücken geschlossen werden sollen.

Das Schlupfloch, das der Kongress nicht schließen kann

Die Kürzungen laufen über das NATO Force Model, ein geheimes Verzeichnis, in dem die Mitgliedstaaten militärische Fähigkeiten für drei Krisenstufen vorab einplanen. Die USA ziehen also nicht einfach Truppen aus Europa ab. Sie nehmen vielmehr das formelle Versprechen zurück, im Kriegsfall bestimmte Verstärkungen bereitzustellen (Stars and Stripes).

Der Kongress kann einen Austritt aus der Nato blockieren und gesetzliche Mindeststärken für amerikanische Truppen in Europa festlegen. Die Zusagen im NATO Force Model fallen jedoch in den Bereich geheimer exekutiver Entscheidungsspielräume; ein eigenes Gesetz regelt sie nicht (Military Times). Das Pentagon kann damit die Krisenarchitektur der Nato ausdünnen, ohne dass im Kapitol auch nur eine Abstimmung nötig wäre.

Elbridge Colby, der Unterstaatssekretär für Verteidigungspolitik und treibende Kraft hinter dem Kurswechsel, formulierte die Logik offen: Die europäischen Verbündeten seien „wesentlich stärker als Russland“ und sollten die Hauptverantwortung für ihre konventionelle Verteidigung übernehmen (war.gov). Für Washington geht es darum, amerikanische Kräfte für einen möglichen Konflikt mit China freizumachen.

Was Geld nicht schnell genug kaufen kann

Das International Institute for Strategic Studies schätzt, dass der Ersatz amerikanischer konventioneller Fähigkeiten in der Nato über 25 Jahre rund 1 Billion Dollar kosten würde (The National News). Das Kieler Institut beziffert den kurzfristigen Zusatzbedarf auf 50 Mrd. EUR pro Jahr an koordinierten Ausgaben (Meta-Defense). Die schwierigsten Lücken sind aber keine Haushaltsfrage, sondern eine Frage von Technik, Produktionszeit und militärischer Physik.

Nur die USA betreiben die EA-18G Growler, jenes Flugzeug, das gegnerische Radarsysteme stört, damit Kampfflugzeuge in umkämpftem Luftraum überhaupt überleben können. Europa verfügt über kein vergleichbares System. Ohne Growler treffen europäische Jets, die gegen russische S-400- und S-500-Luftabwehr eingesetzt würden, auf Radarnetze, die sie selbst nicht ausreichend unterdrücken können (RUSI).

Bei atomgetriebenen Jagd-U-Booten entsteht dasselbe Problem unter Wasser. Amerikanische Boote der Virginia-Klasse können praktisch unbegrenzt getaucht bleiben und Marschflugkörper verdeckt über Distanzen von mehr als 1.500 Kilometern einsetzen. Europäische dieselelektrische U-Boote müssen alle 24 bis 72 Stunden auftauchen. Atomgetriebene Jagd-U-Boote haben in Europa nur Frankreich und Großbritannien; die britische Einsatzbereitschaft ist allerdings schwach. Im März 2026 war von fünf Booten der Astute-Klasse nur eines operativ im Einsatz (19FortyFive).

Ähnlich groß ist die Lücke bei der Luftbetankung. Die USA betreiben mehr als 400 Tankflugzeuge. Alle europäischen Nato-Staaten zusammen kommen auf etwa 50 bis 60 (Defense News).

Dreizehn europäische Staaten kauften F-35-Kampfflugzeuge auch als Versicherung, dass Washington militärisch eingebunden bleibe. Die F-35 ist jedoch für ein amerikanisches Gefechtsführungssystem konstruiert: AWACS-Flugzeuge liefern das luftgestützte Radarbild, Growler stören gegnerische Sensoren, Tankflugzeuge sichern Reichweite. Wird dieses Umfeld entfernt, bleiben europäische F-35 zwar moderne Flugzeuge, aber ohne die Unterstützung, für die sie entwickelt wurden (RUSI).

Die industrielle Mauer

Europas Kampfflugzeugproduktion dürfte bis 2030 bei rund 72 Maschinen pro Jahr ihren Höhepunkt erreichen, verteilt auf Eurofighter, Rafale und Gripen. Nach Schätzung des IISS braucht Europa 400 zusätzliche taktische Kampfflugzeuge, also mehr als fünf Jahre bei maximaler Produktion und ohne Exporte. Das französische Parlament hat zusätzliche 36 Mrd. EUR für Militärausgaben bis 2030 gebilligt (Le Monde), doch die Rafale-Linie ist mit Exportaufträgen ausgelastet. Frankreichs atomgetriebene U-Boote wiederum sind nationale strategische Fähigkeiten und stehen nicht für eine Nato-Poolung bereit (IFRI).

Den Druck spüren zuerst jene Staaten, die Russland am nächsten liegen. Polen gibt 4,81 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus und hat damit die höchste Quote in der Nato. Zugleich verfügt das Land über keine U-Boote, und seine F-35 werden erst 2030 die volle Einsatzfähigkeit erreichen (Bankier.pl). Finnlands Verteidigungsminister Antti Häkkänen sprach von einem „ernsten Moment für Europa“ (IS.fi).

Nato-Generalsekretär Mark Rutte stellte den Kurswechsel als erwartbar dar: „Jeder wusste, dass dies passieren würde“ (NATO). Norwegen widersprach dem Ton und verlangte einen Übergang „in strukturierter Weise“ (Le Monde). Beim Gipfel in Ankara am 7. und 8. Juli soll der neue Lastenteilungsplan formalisiert werden. Die Verwundbarkeit reicht mindestens bis 2030. Politische Zusagen können eben kein U-Boot beschleunigen, das ein Jahrzehnt Bauzeit braucht.

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5/28/2026, 3:03:28 AM
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