Portugal lässt €4.6bn offen

Brussels closes the ledger while Portugal’s unfinished projects remain open.
Bildkomposition · tobriefPortugals Regierung kann den europäischen Teil ihres Corona-Aufbauplans wohl fristgerecht abhaken. Wirtschaftsminister Manuel Castro Almeida erklärte am 28. August, alle Meilensteine und Zielwerte seien vor Ablauf der EU-Frist am 31. August erfüllt worden (ECO, Observador). Diese Darstellung dürfte die Schlussprüfung der Europäischen Kommission voraussichtlich überstehen. Nur bedeutet „abgeschlossen“ in diesem Fall nicht, dass alle Rechnungen bezahlt und alle Projekte fertiggestellt wären.
Brüssel hat die Nachweise. Die Empfänger warten noch.
Die Aufbau- und Resilienzfazilität, das rund 800 Mrd. EUR schwere gemeinsame EU-Schuldenprogramm nach der Pandemie, funktioniert anders als klassische Förderfonds. Brüssel erstattet nicht einzelne Rechnungen, sondern zahlt an Regierungen aus, wenn vereinbarte Reformschritte und messbare Ergebnisse nachgewiesen sind: ein beschlossenes Gesetz, eine gebaute Schule, ein funktionierendes digitales System. Portugal hat bisher rund 17,2 Mrd. EUR seiner 21,9 Mrd. EUR umfassenden Zuweisung erhalten (Vertretung der Kommission in Portugal, IEU Monitoring). Die letzte Tranche von etwa 4,7 Mrd. EUR hängt noch davon ab, ob die Kommission die letzten Zielwerte bestätigt.
Auf diesem europäischen Erfüllungskonto steht Portugal besser da als Spanien und Italien. Im Inland sieht die Rechnung anders aus. Bis Mitte August hatte Lissabon etwa 14,3 Mrd. EUR an Unternehmen, Kommunen, Schulen und Krankenhäuser ausgezahlt, die die Projekte tatsächlich umsetzen (Jornal Económico). Das sind rund 3 Mrd. EUR weniger, als Portugal bereits aus Brüssel bekommen hat. Für Firmen und lokale Verwaltungen, die auf Erstattung warten, ist diese Differenz kein buchhalterisches Detail, sondern ein Liquiditätsproblem: Sie haben Geld ausgegeben, das noch nicht wieder auf ihren Konten ist.
Fernando Alfaiate, der Portugals Umsetzungsstruktur für den Aufbauplan leitet, sagte im Februar im Parlament, 4,6 Mrd. EUR müssten noch 2027 validiert und an Begünstigte ausgezahlt werden, also deutlich nach dem offiziellen Abschluss des Plans (RTP). Den größten offenen Block bilden Unternehmen: Sie haben bisher 5,1 Mrd. EUR erhalten, während Kommunen auf 2,3 Mrd. EUR kamen (Jornal Económico).
Die Projekte, die nicht mehr passten
Hinzu kommt die physische Umsetzung. Castro Almeida räumte selbst ein, dass einige Arbeiten noch liefen und möglicherweise außerhalb des Aufbauplans finanziert werden müssten (RTP). Die Regierung hatte Verträge im Umfang von rund 220 Mio. EUR überzeichnet, um bei Verzögerungen abgeschlossene Projekte nachrücken lassen zu können (Renascença). Für die Brüsseler Zielmatrix hat dieser Puffer offenbar funktioniert. Eine nicht fertige Klinik wird dadurch aber nicht schneller nutzbar.
Portugals nationale Überwachungskommission hatte zuvor 37 Investitionen als problematisch oder kritisch eingestuft und gewarnt, 30 bis 40 Schulen könnten die Augustfrist verfehlen (Observador). Mehrere prominente Vorhaben wanderten ganz aus dem Plan heraus: das Hospital de Todos os Santos, die Verlängerung der roten Linie der Lissaboner Metro und die Entsalzungsanlage an der Algarve wurden in mehreren Umschichtungsrunden gestrichen oder verkleinert (ECO).
Beim Wohnungsbau zeigt sich, wo die Rechnung landet. Das Programm 1.º Direito startete mit 1,4 Mrd. EUR aus dem Aufbauplan. Das reichte nicht aus, weshalb Lissabon 2,8 Mrd. EUR aus dem Staatshaushalt nachlegte (Portugal.gov). Was der EU-Fonds nicht deckt, tragen nun die Steuerzahler über den regulären Haushalt. Das parlamentarische Haushaltsbüro UTAO hat berechnet, dass die Umschichtung von Aufbauplanprojekten den Staatshaushalt zwischen 2023 und 2025 bereits 456 Mio. EUR gekostet hat (Jornal Económico).
Ein europäisches Muster
Die Lücke zwischen dem, was Brüssel zertifiziert, und dem, was Bürger tatsächlich sehen, ist kein portugiesischer Sonderfall. Italien, größter Empfänger der Aufbau- und Resilienzfazilität, meldete bis März 2026 nur 12,4 Prozent des Werts öffentlicher Bauarbeiten als physisch abgeschlossen, obwohl das Land rund 85 Prozent seiner Mittel erhalten hatte (UPB). Der Europäische Rechnungshof hat bereits gewarnt, dass das Zahlungsmodell der Fazilität vor allem prüfe, ob Regierungen Prozessziele erreicht hätten, nicht ob daraus endgültige Ergebnisse entstanden seien (Europäischer Rechnungshof).
Der Plan, den Brüssel nun wohl akzeptieren wird, ist also nicht mehr derselbe Plan, der den Portugiesen ursprünglich versprochen wurde. Projekte wurden gestrichen, verkleinert oder ausgetauscht, damit die Frist gehalten werden konnte. Die Vorhaben, die nicht in den Zeitplan passten, Krankenhäuser, Metrolinien und Entsalzungsanlagen, müssen trotzdem gebaut werden. Das Geld dafür muss nun aus Portugals eigenem Haushalt oder aus künftigen EU-Töpfen kommen. Wie groß diese Rechnung wird, dürfte erst nach der Abrechnung im September klarer werden. Die Kommission kann Portugals Regelkonformität bestätigen. Lissabon muss noch zeigen, dass aus umsortierten Projekten tatsächlich öffentliche Leistungen werden.
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- 8/29/2026, 1:43:12 AM
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