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EU_ECONOMICS16 / 18 · Geschichte des Tages3 Min. · 636 Wörter · 27 Quellen

Portugal plant Marokko-Kabel ohne Trasse

Geschrieben von KIto brief AI · 7. Juli 2026, 02:50
Wie sie entstand

The proposed Morocco link remains a strategic ambition lacking the basic infrastructure to function.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Portugals Energieministerin Maria da Graça Carvalho hat am 6. Juli gesagt, eine Stromverbindung nach Marokko liege weiter „auf dem Tisch“ (Correio da Manhã). Nur fehlt bislang alles, was aus einer politischen Idee ein Infrastrukturprojekt macht: eine veröffentlichte Trasse, eine Leistungsangabe, eine Kostenschätzung und ein Finanzierungsplan. Dass Portugal wenige Tage zuvor tatsächlich eine neue Stromverbindung eröffnet hat, macht den Unterschied besonders sichtbar. Das Marokko-Kabel ist derzeit vor allem ein diplomatisches Signal.

Die Verbindung, die es gibt, und das Tor, das geschlossen bleibt

Spanien und Portugal haben am 2. Juli eine neue 400-Kilovolt-Leitung über Galicien in Betrieb genommen. Sie erhöht die Austauschkapazität zwischen beiden Netzen um rund 1.000 Megawatt (La Voz de Galicia, Eco). Es gibt benannte Netzbetreiber, eine definierte Strecke und eine messbare Leistung. So sieht ein reales Projekt aus.

Die eigentliche Begrenzung liegt weiter nördlich. Die Iberische Halbinsel ist mit dem übrigen europäischen Strommarkt nur zu weniger als 3 Prozent ihrer installierten Leistung verbunden, weit entfernt vom EU-Ziel von 15 Prozent bis 2030 (Infobae/EFE, Europäische Kommission). Der Engpass ist die Pyrenäenquerung nach Frankreich. Die wichtigste Entlastung, eine Unterseeverbindung durch die Biskaya, ist weiter nicht fertig. Spanien, Portugal, Frankreich und die Europäische Kommission wollen im September erneut beraten, wie sich das Projekt beschleunigen lässt (Europa Press).

Ein Kabel aus Marokko würde der gemeinsamen iberischen Stromzone einen südlichen Zugang geben. Für Strom, der nach Mitteleuropa weiterfließen soll, ändert das aber wenig: Er müsste weiterhin durch Frankreich. Frankreich kontrolliert damit den wichtigsten Zugang Iberiens zum größeren EU-Markt. Eine neue Tür im Süden öffnet eben nicht das Tor im Norden.

Was reale Projekte kosten

Der naheliegende Vergleich ist ELMED, die geplante Stromverbindung zwischen Sizilien und Tunesien. Dort gibt es benannte Übertragungsnetzbetreiber, Terna und STEG, eine festgelegte Meeresroute, EU-Kofinanzierung sowie Unterstützung der Europäischen Investitionsbank und der Weltbank (fr.allAfrica). Das Projekt kostet rund 1,42 Mrd. EUR für 600 Megawatt über etwa 220 Kilometer, darunter 307 Mio. EUR aus der EU-Fazilität Connecting Europe Facility (Industry EMEA, kikai-news). Bei Portugal-Marokko ist nichts davon öffentlich dokumentiert.

Eine längere Verbindung durch eine tiefere Meerenge dürfte eher teurer werden. Unbeantwortet ist vor allem die Finanzierungsfrage. Die Kosten grenzüberschreitender Stromleitungen landen üblicherweise in einer Mischung aus Netzentgelten für Haushalte und Unternehmen, EU-Zuschüssen und Engpasserlösen. Letztere entstehen, wenn begrenzte Leitungskapazität Preisunterschiede zwischen zwei Strommärkten erzeugt. Für das Marokko-Kabel liegt keine öffentliche Analyse vor, die diese Lastenverteilung nachvollziehbar macht.

Schwarzstart löst das falsche Problem

Carvalho sagte zudem, Portugal verfüge inzwischen über vier Kraftwerke mit Schwarzstartfähigkeit, also Anlagen, die nach einem vollständigen Netzzusammenbruch ohne Strom aus dem Netz wieder anlaufen können (Correio da Manhã). EU-Regeln verlangen von Netzbetreibern solche Wiederaufbaukapazitäten (EU Restoration Code). Für die Wiederherstellung eines Netzes sind sie tatsächlich wichtig.

Nur hilft Schwarzstart erst nach dem Zusammenbruch. Um einen Zusammenbruch zu verhindern, braucht ein Stromsystem andere Leistungen: Spannungshaltung, Frequenzregelung und Ausgleichsenergie. Sie sorgen dafür, dass Strom im richtigen Spannungs- und Taktbereich bleibt, während Erzeugung und Verbrauch sich sekündlich verändern. Nach der Analyse von ENTSO-E zum iberischen Stromausfall vom April 2025 lag das Hauptproblem bei der Spannungshaltung, nicht bei fehlender Erzeugung. ENTSO-E koordiniert die europäischen Übertragungsnetzbetreiber. Schwarzstartkraftwerke und Kapazitätszahlungen gehören in andere Schichten des Systems. Sie ersetzen nicht die Echtzeitdienste, die verhindern sollen, dass das Netz überhaupt kippt.

Marokko baut mit Unterstützung der Weltbank Speicher und erneuerbare Kapazitäten aus (Weltbank). Ein Exportkabel braucht aber auch ein stabiles, ausbalanciertes Ausgangsnetz, das Marokko noch nicht vollständig aufgebaut hat. Würde eine solche Leitung irgendwann entstehen, könnten Verbraucher auf beiden Seiten in angespannten Stunden von günstigerem Strom profitieren, sofern der Preisunterschied zwischen den Märkten die Milliardenkosten rechtfertigt. Öffentlich geprüft ist auch das bisher nicht.

Die Verbindung nach Marokko ist strategisch interessant und technisch im Grundsatz vorstellbar. Wirtschaftlich ist sie nicht belegt. Solange Betreiber, Trasse und Finanzierung nicht öffentlich benannt sind, handelt es sich eher um Diplomatie nach dem Blackout als um belastbare Energieplanung.

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7/7/2026, 3:15:42 AM
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