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EU_ECONOMICS02 / 08 · Geschichte des Tages3 Min. · 708 Wörter · 141 Quellen

Aufrüstung treibt Eurozonen-Schulden auf 91.2%

Geschrieben von KIto brief AI · 24. Mai 2026, 03:50
Wie sie entstand

The weight of rearmament bends the Eurozone’s fiscal framework beyond its breaking point.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Die Aufrüstung Europas trifft auf Staatshaushalte, die schon vor dem nächsten Verteidigungsschub eng waren. Nach der Frühjahrsprognose der Europäischen Kommission wird die öffentliche Verschuldung der Eurozone in diesem Jahr 90,2 Prozent des BIP erreichen und bis 2027 auf 91,2 Prozent steigen. Der Anstieg fällt damit stärker aus, als Brüssel noch im vergangenen Herbst erwartet hatte. Der Konflikt zwischen sicherheitspolitischem Anspruch und fiskalischem Spielraum zeigt sich nun direkt in den Haushalten.

Schärfer wurde das Risiko vergangene Woche bei einem informellen Treffen der EU-Finanzminister in Nikosia sichtbar. Alex Pienkowski vom IWF stellte dort ein Szenario vor, dem zufolge die Schuldenquote eines durchschnittlichen europäischen Landes bis 2040 auf 130 Prozent des BIP steigen würde, falls die Regierungen keinerlei fiskalische Anpassungen vornähmen (Athens Times, Asharq Al-Awsat). Diese Zahl ist keine Prognose, sondern eine Warnung vor den Kosten des Nichthandelns: eine Projektion dessen, was passiert, wenn Verteidigungshaushalte wachsen und an anderer Stelle nichts gekürzt wird (Cyprus Mail).

Die Rechnung der Aufrüstung

Der Mechanismus ist gut belegt. Eine IWF-Analyse früherer Aufrüstungsphasen, veröffentlicht im World Economic Outlook vom April, zeigt ein wiederkehrendes Muster: Wenn Staaten in einen anhaltenden Aufrüstungszyklus von mehr als zweieinhalb Jahren eintreten, steigen die Militärausgaben um etwa 2,7 Prozentpunkte des BIP. Rund zwei Drittel dieses zusätzlichen Aufwands werden nicht durch Kürzungen an anderer Stelle finanziert, sondern über neue Schulden. Innerhalb von drei Jahren wächst die öffentliche Verschuldung dadurch um etwa 7 Prozentpunkte des BIP.

Eigentlich sollte der reformierte Stabilitäts- und Wachstumspakt, also das Regelwerk für Defizit- und Schuldenobergrenzen in der EU, genau solche Spannungen beherrschbar machen. Im vergangenen Jahr schuf die EU eine „nationale Ausweichklausel“, mit der Mitgliedstaaten ihre Ausgabengrenzen vorübergehend um bis zu 1,5 Prozent des BIP pro Jahr überschreiten dürfen, sofern es um Verteidigung geht. Bisher haben 17 Mitgliedstaaten die Klausel aktiviert, von Deutschland bis Griechenland.

Doch die Klausel hilft vor allem jenen Ländern, die den Regeln ohnehin nahe waren. Frankreich und Italien, die zweit- und drittgrößte Volkswirtschaft der EU, haben sie nicht beantragt. Beide wollen mehr für Verteidigung ausgeben, aber ihre Haushaltslage lässt den zusätzlichen Spielraum kaum zu. Frankreich weist ein Defizit von rund 5,5 Prozent des BIP aus, Italien von etwa 7,4 Prozent (Europäische Kommission). Beide Länder stehen bereits unter dem EU-Defizitverfahren, dem formellen Disziplinarverfahren für Staaten, die die Defizitgrenze von 3 Prozent verletzen. Zusätzliche 1,5 Prozentpunkte helfen wenig, wenn man schon deutlich über der Grenze liegt.

Wer sich verschulden kann und wer nicht

Deutschland beginnt aus einer anderen Position. Mit einer Schuldenquote von rund 64 Prozent des BIP kann der Bund zusätzliche Verteidigungsausgaben schuldenfinanzieren, ohne sofort in kritische Bereiche zu geraten. Die Kommission erwartet, dass die Quote bis 2027 lediglich auf 68 Prozent steigt (Europäische Kommission). Ähnlich ist die Lage in den baltischen Staaten, in Polen und in Nordeuropa.

Frankreichs Schuldenquote dürfte dagegen bis 2027 auf mehr als 120 Prozent des BIP steigen (Europäische Kommission), Italien auf 139,2 Prozent (EUNews). Beide Länder haben sich für SAFE-Darlehen angemeldet, den neuen EU-Mechanismus „Security Action for Europe“, bei dem die Union gemeinsam 150 Mrd. EUR aufnimmt und das Geld zu günstigen Konditionen für Rüstungsbeschaffung an Mitgliedstaaten weiterreicht (Rat der EU). Die Bedingungen sind günstig. Die Darlehen zählen aber weiterhin zur nationalen Verschuldung.

Damit verstärkt das Fiskalregelwerk eine Spaltung, die sicherheitspolitisch kaum gewollt sein kann: Es belohnt Staaten mit vorhandenem Spielraum und lässt ausgerechnet die hochverschuldeten Länder mit den engsten Optionen zurück. Der ECFR beschreibt genau diese ungelöste fiskalische Trennlinie innerhalb der EU.

Die politische Rechnung

Das Treffen in Nikosia brachte keine Einigung über gemeinsame EU-Schulden für Verteidigung, keine Anpassung der Fiskalziele und keine neuen Instrumente für hochverschuldete Staaten. Der IWF selbst deutete an, dass Verteidigung, Energiesicherheit und Innovation europäische öffentliche Güter seien und gemeinschaftliche Finanzierung ökonomisch sinnvoll sein könne. Zugleich stellte er dies nur als eine Option neben Strukturreformen und Haushaltskonsolidierung dar, ohne eine klare Empfehlung auszusprechen.

Der Thinktank Bruegel kommt bereits zu dem Schluss, dass die reformierten Fiskalregeln erneut reformiert werden müssten. Die OECD warnt, höhere Verteidigungsausgaben könnten kurzfristig zwar die Konjunktur stützen, verschärften aber langfristig den Haushaltsdruck, solange die zugrunde liegenden Wachstumsprobleme ungelöst blieben.

Für Europas nächstes Jahrzehnt wird entscheidend sein, wer die Sicherheitskosten trägt und welche Ausgaben verdrängt werden, wenn die Rechnungen fällig sind. Zwischen Ausweichklauseln und Defizitverfahren müssen gewählte Regierungen am Ende festlegen, welche öffentlichen Leistungen schrumpfen. Bisher mussten sie eben noch nicht offen sagen, welche das sein sollen.

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5/24/2026, 3:03:10 AM
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