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TECH_SCIENCE14 / 18 · Geschichte des Tages3 Min. · 778 Wörter · 24 Quellen

Rumänien stoppt Reaktorprojekt vorerst

Geschrieben von KIto brief AI · 3. Juli 2026, 10:40
Wie sie entstand

The engineering of modular nuclear power is proven, yet its financial bankability remains a small, unfulfilled promise.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Kleine modulare Reaktoren gelten seit Jahren als die industrielle Antwort auf das alte Kostenproblem der Kernenergie. Statt ein einzelnes Großkraftwerk als milliardenschweres Einzelstück zu bauen, sollen kleinere Reaktoreinheiten in Serie gefertigt, transportiert und vor Ort zusammengesetzt werden. Der wirtschaftliche Kern dieser Idee liegt nicht in der Reaktorphysik, sondern in der Wiederholung: Das zehnte Modul soll billiger und schneller entstehen als das erste.

Das rumänische Projekt in Doicești sollte zeigen, dass dieses Modell auch in Europa funktioniert. Nun zeigt es vor allem, wo die eigentliche Hürde liegt. Die Kalkulation kleiner modularer Reaktoren setzt Serienfertigung voraus, doch irgendjemand muss den teuren ersten kommerziellen Bau finanzieren, bevor es überhaupt eine Serie geben kann.

Das erste Modul ist immer das teuerste

In Doicești sollten auf dem Gelände eines früheren Kohlekraftwerks sechs kleine Reaktormodule entstehen, jedes mit 77 Megawatt elektrischer Leistung. Zusammen hätten sie eine mittelgroße Stadt zuverlässig rund um die Uhr mit Strom versorgen können (Economica). Der amerikanische Entwickler NuScale verfügt über die erste regulatorische Designzulassung der Vereinigten Staaten für einen kleinen modularen Reaktor; die Sicherheitsargumentation ist also von der US-Aufsicht akzeptiert worden (NRC). Die Technik ist damit nicht der offensichtliche Engpass.

Der Engpass ist die Finanzierung. Rumänien wollte offenbar eine naheliegende Absicherung: zunächst ein Modul kaufen, dessen Leistung im Betrieb prüfen und erst danach die übrigen fünf bestellen. NuScale habe dieser Risikoteilung nach rumänischen Medienberichten nicht zugestimmt, weshalb die Rahmenvereinbarung nicht unterschrieben worden sei (HotNews). Eine amerikanische Finanzierung von rund 7 Mrd. Dollar über Exportkreditagenturen habe demnach bereitgestanden, sei aber an eine staatliche Garantie Rumäniens gebunden gewesen, die nicht kam (Adevărul).

Am 15. Juli sollen die Aktionäre des staatlich kontrollierten Betreibers Nuclearelectrica darüber abstimmen, ob die ursprüngliche Projektstrategie noch trägt. Bedingungen, die mit einer Investitionsentscheidung im Februar 2026 verknüpft waren, wurden bis zur Frist im Juni nicht erfüllt (BVB/SNN). Die Abstimmung könnte zu neuen Vertragsbedingungen, einem anderen Technologiepartner oder einem umgebauten Projekt führen (Bursa). Eine Absage ist das noch nicht. Dass Europas am weitesten fortgeschrittenes SMR-Vorhaben seine Bedingungen neu prüft, zeigt aber, wie groß die Lücke zwischen nuklearer Industriepolitik und bankfähigem Projektmodell noch ist.

Für NuScale ist es nicht der erste Rückschlag. Das frühere Vorzeigeprojekt des Unternehmens in Idaho wurde gestrichen, nachdem die Kosten gestiegen waren und sich nicht genügend Versorger als Abnehmer fanden (ANS). Die Zulassung belegt, dass ein Design als sicher bewertet wurde. Sie belegt eben nicht, dass es zu einem Preis gebaut werden kann, den Stromkunden oder Versorger akzeptieren.

Was das auf der Stromrechnung bedeuten würde

Eine unabhängige rumänische Analyse schätzte allein den Anteil für Baukosten und Kapitalrückzahlung am Strompreis von Doicești auf rund 244 EUR je Megawattstunde. Mit Betriebskosten komme man auf etwa 276 EUR/MWh (Romania Military). Das ist keine offizielle Vergütung, sondern eine externe Rechnung. Als Größenordnung ist sie dennoch aufschlussreich: Große Solar- und Windparks in Europa liegen je erzeugter Einheit häufig deutlich darunter, auch wenn sie ohne Speicher oder gesicherte Reserveleistung nicht dieselbe stetige Stromlieferung bieten (Lazard).

Rumäniens Übergangsministerpräsident Ilie Bolojan hat öffentlich infrage gestellt, wie viel Geld bereits gebunden wurde: rund 240 Mio. Dollar seien ausgegeben worden, weitere 600 Mio. Dollar könnten allein für die Phase vor Baubeginn nötig werden (Adevărul, ZF).

Jede europäische SMR-Strategie steht vor derselben Frage

Rumänien ist kein Sonderfall. Überall in Europa, wo kleine modulare Reaktoren geplant werden, entwerfen Regierungen öffentliche Absicherungen, weil private Investoren das volle Risiko eines Reaktortyps, der kommerziell noch nirgends läuft, nicht allein tragen wollen.

Polen geht dabei besonders offen vor. Orlen Synthos Green Energy hat nach eigenen Angaben den ersten Differenzvertrag der EU für kleine modulare Reaktoren beantragt, und zwar für 14 Reaktoren (OSGE). Ein Differenzvertrag ist eine staatliche Preisgarantie: Fällt der Marktpreis unter eine vereinbarte Schwelle, zahlt der Staat die Differenz. Das Modell setzt also ausdrücklich voraus, dass SMR-Strom am Markt noch nicht aus eigener Kraft wettbewerbsfähig ist. Schweden geht einen ähnlichen Weg mit stärkerer staatlicher Rolle: Der Staat übernimmt 60 Prozent an dem Kernenergievorhaben Videberg und hat die Aufsichtsbehörden beauftragt, langfristige Instrumente zur Preisabsicherung zu entwickeln, die mit EU-Recht vereinbar sind (Swedish government). Tschechien verknüpft seine Pläne mit Rolls-Royce SMR mit heimischer industrieller Beteiligung und staatlicher Unterstützung, auch wenn die finanziellen Details unklar bleiben (World Nuclear News).

Das Muster ist eindeutig: Kein europäisches Land hat bisher gezeigt, wie sich ein erster kommerzieller SMR zu reinen Marktbedingungen finanzieren lässt.

Die Neubewertung von Doicești beweist nicht, dass kleine Reaktoren scheitern müssen. Sie zeigt, woran sich die nächste Phase entscheiden wird: ob Regierungen Verträge bauen können, die das erste Kraftwerk finanzierbar machen, ohne die Kosten vor jenen zu verstecken, die über Jahrzehnte die Stromrechnungen bezahlen. Die Logik der Serienfertigung kann noch aufgehen. Aber das erste Modul braucht zuerst einen Käufer.

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7/3/2026, 10:27:16 AM
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