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EU_ECONOMICS03 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 634 Wörter · 40 Quellen

Rumänien riskiert 100 Millionen für Kohle

Geschrieben von KIto brief AI · 29. August 2026, 02:50
Wie sie entstand

Romania keeps Unit 5 running as Europe’s payment window closes.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Rumänien will drei Braunkohleblöcke länger laufen lassen, obwohl Bukarest der Europäischen Kommission im Gegenzug für Mittel aus dem EU-Aufbaufonds die Stilllegung bis zum 31. August 2026 zugesagt hatte. Die Regierung billigte am 28. August ein Memorandum, nach dem Craiova 1 und 2 bis Mitte 2027 und Turceni 5 bis Anfang 2028 am Netz bleiben sollen (Libertatea, Spotmedia). Am selben Tag erklärte Portugals Minister Castro Almeida, der portugiesische Aufbauplan sei „vollständig abgeschlossen“ (Observador, RTP). Dasselbe Programm, dieselbe Frist, aber zwei sehr unterschiedliche Ergebnisse.

Wie die Aufbau- und Resilienzfazilität zahlt und warum der Zeitpunkt jetzt entscheidend ist

Die Aufbau- und Resilienzfazilität, das mehrere hundert Milliarden Euro schwere EU-Programm nach der Pandemie, funktioniert nicht wie eine klassische Kostenerstattung. Die Mitgliedstaaten vereinbaren vorab konkrete Reformen und Investitionen. Erst wenn sie deren Umsetzung nachweisen, zahlt Brüssel Geld aus (EUR-Lex, Rat der EU). Rumänien verpflichtete sich, den Kohleausstieg gesetzlich festzuschreiben und Kohle- sowie Braunkohlekapazitäten bis zum 31. August 2026 tatsächlich vom Netz zu nehmen (Agerpres).

Bukarest hat beide Zusagen verletzt. Das Parlament beschloss im August Änderungen, nach denen Kohleblöcke erst dann schließen können, wenn Ersatzkapazitäten mit geringen Emissionen gebaut und in Betrieb sind (Agerpres). Damit wird jenes Kohleausstiegsgesetz faktisch zurückgedreht, das die Kommission bereits geprüft und zur Grundlage von Auszahlungen gemacht hatte. Die Regierungsentscheidung, Turceni und Craiova weiter Strom produzieren zu lassen, bricht zudem die zweite Zusage: die physische Stilllegung. Brüssel hatte schon früher in diesem Jahr ein Modell zurückgewiesen, bei dem Rumänien zwar genehmigte Kapazitäten auf dem Papier verringerte, aber keine Anlage tatsächlich abschaltete (Economica.net).

Nach Artikel 24 der RRF-Verordnung läuft die Sanktionierung nicht über eine Geldbuße. Die Kommission setzt eine Zahlung ganz oder teilweise aus, gibt der Regierung Zeit zur Korrektur und kürzt den Betrag dauerhaft, falls der Verstoß bestehen bleibt (EUR-Lex). Ministerpräsident Ilie Bolojan bezifferte die möglichen Kosten der Kohleverzögerung auf bis zu 100 Mio. EUR (Economica.net); wie Brüssel diese Summe berechnet haben soll, bleibt allerdings offen. In einer früheren Phase hätte Rumänien den Verstoß beheben und den Antrag erneut einreichen können. Am Ende des Programms verschwindet dieser Spielraum: Nach den Abschlussvorgaben der Kommission müssen alle Maßnahmen bis zum 31. August abgeschlossen sein, die letzten Zahlungsanträge im September eingereicht und das Programm bis Dezember rechtlich abgewickelt werden (Europäische Kommission). Eine Aussetzung würde jetzt wohl zum endgültigen Verlust.

Portugal hat nicht perfekt geliefert. Es hat Brüssel im Verfahren gehalten.

Portugal erklärte seinen 21,9 Mrd. EUR schweren Aufbauplan für abgeschlossen und bereitet den zehnten und letzten Zahlungsantrag vor. Rund 79 Prozent der zugewiesenen Mittel hat Lissabon bereits erhalten (ECO, portugiesische Regierung). Der Weg dorthin war nicht frei von Abstrichen. Lissabon schichtete etwa 516 Mio. EUR zwischen Investitionen um und strich 85 Etappenziele, überwiegend durch administrative Zusammenlegungen, die Brüssel vor Fristablauf genehmigte (portugiesische Regierung, Sol). Ziele im Gesundheits- und Wohnungsbereich wurden reduziert. Portugal passte seinen Plan mit Zustimmung an. Rumänien änderte die Bedingungen einseitig.

Wer für die längere Kohleverstromung zahlt

In Rumänien profitieren kurzfristig die Braunkohlekraftwerke, ihre Beschäftigten und Politiker im Kohlerevier Oltenien, die eine abrupte Stilllegung vermeiden, solange Ersatzkapazitäten aus Gas- und Solaranlagen noch fehlen (Libertatea). Die Verlierer sind weniger sichtbar, aber nicht weniger real. Wenn Brüssel Zahlungen kürzt, verlieren Projekte aus dem Aufbauplan Finanzmittel. Die rumänischen Steuerzahler müssten die Lücke dann über höhere Verschuldung oder Ausgabenkürzungen schließen (ZF).

Der Fall reicht über Rumänien hinaus, weil auch andere kohleabhängige Mitgliedstaaten, darunter Polen und Bulgarien, noch eigene Energiezusagen im Rahmen der Aufbau- und Resilienzfazilität erfüllen müssen (Euronews Poland, Investor.bg). Lässt Brüssel eine einseitige Verzögerung kurz vor Programmschluss durchgehen, wird die RRF leichter als nachträglich verhandelbar behandelt. Kürzt die Kommission Rumäniens Zuweisung, finanzieren lokale Steuerzahler die politische Entscheidung, Kohle länger am Netz zu halten. Die genaue Berechnung der Kommission bleibt unklar. Der Präzedenzfall ist es nicht: Vereinbarte Etappenziele kosten Geld, wenn sie gebrochen werden, oder sie sind eben keine Etappenziele.

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8/29/2026, 1:46:00 AM
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