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EU_ECONOMICS03 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 754 Wörter · 63 Quellen

Rosatom bleibt Europas Nuklear-Lieferant

Geschrieben von KIto brief AI · 25. August 2026, 02:50
Wie sie entstand

Europe closes Russian energy routes while leaving the nuclear passage open.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Deutschland hat seine letzten Atomkraftwerke abgeschaltet, bleibt aber Teil der europäischen Nuklearwirtschaft. Genau dort zeigt sich nun eine Lücke der Sanktionspolitik: Die EU hat russische Kohle, den Großteil des Öls und große Teile des Gases aus ihrem Energiesystem gedrängt, die zivile Nuklearzusammenarbeit mit Russland aber weitgehend unangetastet gelassen.

Am 22. Juli genehmigte Niedersachsen die Erweiterung der Brennelementefabrik in Lingen, die von einer Tochter des französischen Konzerns Framatome betrieben wird. Dort dürfen künftig Brennelemente für VVER-Reaktoren hergestellt werden, also für sowjetisch entwickelte Reaktortypen, die noch immer in Mittel- und Osteuropa laufen (Framatome, BMUKN). Die Produktion beruht auf Lizenzen, Technologie und Maschinen von TVEL, der Brennstofftochter des russischen Staatskonzerns Rosatom.

Warum Berlin genehmigte, was es politisch ablehnt

Das Bundesumweltministerium erklärte, es habe keine rechtliche Grundlage für eine Ablehnung gegeben. Das deutsche Atomrecht prüft Sicherheit, nicht Geopolitik; zudem erfassen die geltenden EU-Sanktionen die zivile nukleare Zusammenarbeit nicht (BMUKN). Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer nannte die russische Beteiligung falsch, sagte aber, das Land handle unter Bundesaufsicht und könne die Genehmigung nicht verweigern (NDR).

Die Erlaubnis wurde mit Sicherheitsauflagen verbunden: begrenzter Zugang für Rosatom-Personal, getrennte IT-Systeme und Kontrollen der Hardware (ZEIT). Deutschland versucht damit, russische Beteiligung zu kontrollieren, nicht sie zu beenden.

Dass die EU diese Lücke bislang nicht geschlossen hat, liegt an zwei Hindernissen: einem technischen und einem politischen.

Nuklearbrennstoff lässt sich nicht austauschen wie Rohöl. Ein Brennelement ist ein technisches Bauteil für einen bestimmten Reaktortyp, von der jeweiligen nationalen Aufsicht zugelassen und in feste Betriebszyklen eingebunden. Framatome zählt 19 VVER-Reaktoren in der EU (Framatome). Wer deren russisch geprägten Brennstoff ersetzen will, braucht neue Designs, Testelemente und Genehmigungen für jedes einzelne Kraftwerk. Das dauert Jahre.

Die politische Hürde ist einfacher zu beschreiben: EU-Sanktionen erfordern nach Artikel 31 des EU-Vertrags Einstimmigkeit (EUR-Lex). Eine Regierung kann also das ganze Paket blockieren. Ungarns Außenminister Péter Szijjártó hat erklärt, Nuklearsanktionen würden den Ausbau von Paks II gefährden, ein von Rosatom geführtes Projekt, das durch einen russischen Staatskredit von bis zu 10 Mrd. EUR gestützt wird (Agenzia Nova, World Nuclear Association).

Wo die eigentliche Abhängigkeit liegt

Russlands Einfluss sitzt weniger beim Natururan als in den Verarbeitungsschritten danach. Nach Angaben der Euratom-Versorgungsagentur lieferte Russland 2024 etwa 15,6 Prozent des Natururans der EU, aber rund 22,4 Prozent der Konversionsdienstleistungen, bei denen Uranerz in ein für die Anreicherung geeignetes Gas umgewandelt wird, und 23,5 Prozent der Anreicherungsdienstleistungen, bei denen der spaltbare Anteil so erhöht wird, dass der Brennstoff im Reaktor eingesetzt werden kann (Euratom Supply Agency, S&P Global). Diese Stufen sind schwerer zu ersetzen, weil nur wenige Anlagen weltweit sie in industriellem Maßstab beherrschen.

Die Länder mit VVER-Reaktoren lassen sich in drei Gruppen einteilen. Tschechien und Bulgarien stellen bereits um: Temelin erhielt Ende 2024 seine letzte TVEL-Lieferung, und Block 5 des bulgarischen Kraftwerks Kozloduy wird mit Westinghouse-Brennstoff beladen (Seznam Zprávy, Sega). Die Slowakei hat Verträge mit westlichen Lieferanten geschlossen, sie aber noch nicht für alle fünf Reaktoren vollständig umgesetzt; weil die Kernkraft rund 62 Prozent des slowakischen Stroms liefert, bleibt der Spielraum für Störungen gering (Reuters, World Nuclear Association). Ungarn hat für Paks noch keinen westlichen Brennstoff zugelassen; erste alternative Framatome-Brennelemente werden um 2028 erwartet (Atlatszo).

Frankreich macht die Lage zusätzlich widersprüchlich. Reuters berichtete, Frankreich habe 2025 39 Prozent seines angereicherten Urans aus Russland bezogen (Reuters). Orano, der französische Brennstoffkreislaufkonzern, bevorzugt sinkende Quoten statt eines abrupten Bruchs, während Framatome durch die Lingener Erweiterung Aufträge für VVER-Brennstoff gewinnen kann. Paris wirbt also für Diversifizierung und profitiert zugleich vom bestehenden System.

Der wirtschaftliche Fall für Fristen

Die Vereinigten Staaten haben bereits einen Mittelweg gewählt. Washington verbot 2024 Uranimporte aus Russland, lässt aber befristete Ausnahmen zu, wenn Alternativen noch fehlen (Congress). Die EU hat trotz ihrer REPowerEU-Zusage, die Abhängigkeit von russischer Energie zu beenden, keinen vergleichbaren Vorschlag vorgelegt (Europäische Kommission).

Westinghouse, Framatome und europäische Anreicherer im Umfeld von Urenco würden von klaren Fristen profitieren, weil sie Aufträge und damit eine belastbare Grundlage für Investitionen erhielten. Die Unsicherheit über den EU-Kurs bremst nach Reuters-Angaben bereits Ausgabenentscheidungen bei Urenco (Reuters). Rosatom verlöre Einnahmen. Budapest verlöre diplomatischen Hebel.

Ein sofortiges pauschales Verbot wäre riskant, weil einige Reaktoren noch nicht mit nicht-russischem Brennstoff betrieben werden können. Gar kein Verbot hält Rosatom wohl für ein weiteres Jahrzehnt in europäischer Energieinfrastruktur verankert. Die naheliegende Lösung liegt dazwischen: verbindliche Ausstiegsfristen, die sich am tatsächlichen Umstellungszeitpunkt jedes Reaktors orientieren, ergänzt durch Ausnahmen für Anlagen, bei denen der Wechsel nachweislich noch nicht möglich ist. Ohne einen solchen Rahmen sanktioniert Europa russische Energie und genehmigt zugleich russische Nukleartechnik.

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8/25/2026, 2:07:43 AM
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