Russland beschleunigt Euroclear-Klage über €217 billion

The frozen status quo begins to melt as interest revenues slowly evaporate.
Bildkomposition · tobriefEin Moskauer Gericht hat am 27. Mai die Vollstreckung einer Forderung der russischen Zentralbank gegen Euroclear über 18,2 Billionen Rubel (rund 217 Mrd. EUR) beschleunigt. Euroclear ist der Brüsseler Wertpapierabwickler, über den ein großer Teil des grenzüberschreitenden europäischen Wertpapierhandels läuft (The Moscow Times). Die Entscheidung umgeht den normalen Rechtsmittelweg und erlaubt Russland, sofort Zahlung zu verlangen.
Euroclear weist die Moskauer Zuständigkeit vollständig zurück; die Ansprüche seien „nach EU-Recht nicht anerkannt“ (Meduza). Außerhalb Russlands ist das Urteil kaum durchsetzbar. Moskau hat kein bilaterales Vollstreckungsabkommen mit Belgien und auch keinen praktischen Hebel, um auf Vermögen von Euroclear zuzugreifen, das vollständig in der EU liegt (HCCH Status Table). Der Wert des Urteils liegt deshalb weniger in seiner juristischen Wirkung als in der zusätzlichen Unsicherheit, die es schafft. Genau diese Unsicherheit ist für Moskau nützlich.
Belgiens stiller Sonderertrag
Euroclear verwahrt 200 Mrd. EUR an eingefrorenen russischen Vermögenswerten, 93 Prozent aller entsprechenden Vermögen in der EU (Belga News Agency). Diese Bestände werfen erhebliche Zinserträge ab: 6,9 Mrd. EUR im Jahr 2024 und, nach den Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank, voraussichtlich 5 Mrd. EUR im Jahr 2025 (Euroclear 2025 Results, VRT NWS).
Die EU schöpft den größten Teil dieser außerordentlichen Erträge über einen Sonderbeitrag von 99,7 Prozent ab. Dabei handelt es sich um eine Pflichtabgabe auf Euroclears Zusatzerlöse aus den eingefrorenen Vermögen. Rund 6,6 Mrd. EUR seien bisher an die Ukraine überwiesen worden (compensation.com.ua). Belgien behält jedoch die Körperschaftsteuer auf Euroclears Sondererträge. Fünf von RBC Ukraine zitierte EU-Diplomaten beziffern diese Einnahmen allein für 2024 auf etwa 1,7 Mrd. EUR. Das Geld landet im belgischen Haushalt, nicht in der Ukraine.
Für Belgien und Euroclear ist der Status quo deshalb bequem: Die Vermögen bleiben eingefroren, die Zinsen fließen, die Steuern werden erhoben. Eine vollständige Einziehung des Grundvermögens, wie sie die Niederlande, Polen und die baltischen Staaten fordern, würde diese Einnahmequelle beenden. Der belgische Premierminister Bart De Wever verlangt vor einer möglichen Konfiskation „unbegrenzte finanzielle Garantien“ der EU, eine Bedingung, die kaum erfüllbar sein dürfte (EU Today).
Klagen als Nebelmaschine
Moskau führt mehrere Verfahren parallel, um die Rechtslage weiter zu verkomplizieren. Neben dem in der EU nicht vollstreckbaren Moskauer Urteil hat die russische Zentralbank zwei Klagen beim Gericht der Europäischen Union in Luxemburg eingereicht. Eine richtet sich gegen die Verordnung vom Dezember 2025, mit der die Vermögen unbefristet eingefroren wurden. Die andere greift die Verordnung vom Februar 2026 an, mit der Zinserträge an die Ukraine weitergeleitet werden (Courthouse News, Kyiv Independent). Entscheidungen werden nicht vor Ende 2027 erwartet.
Die Erfolgsaussichten dieser Verfahren gelten als gering. Der politische Nutzen liegt im Zeitgewinn. Jede anhängige Klage liefert vorsichtigen EU-Staaten ein weiteres Argument, die Einziehung des Grundvermögens aufzuschieben.
Der eigentliche Substanzverlust ist mathematisch
Der Einlagensatz der EZB, also der Zinssatz, den Geschäftsbanken für Übernachteinlagen bei der Zentralbank erhalten und der viele kurzfristige Renditen im Euroraum verankert, liegt inzwischen bei 2,00 Prozent. In der Spitze waren es 4,00 Prozent (ECB). Jede Zinssenkung um 25 Basispunkte entzieht den eingefrorenen Vermögen rechnerisch rund 485 Mio. EUR an jährlichen Zinserträgen.
Das 50 Mrd. Dollar schwere ERA-Kreditprogramm der G7, „Extraordinary Revenue Acceleration“, beruht darauf, dass Kredite an die Ukraine aus den Erträgen eingefrorener russischer Vermögen zurückgezahlt werden (White House ERA briefing). Diese Konstruktion setzte robuste laufende Einnahmen voraus. Bei den heutigen Zinsen haben sich die jährlichen Erträge gegenüber 2024 bereits ungefähr halbiert.
Sollten die Zinsen in einem Abschwung weiter fallen, steht die EU vor einer schwierigen Wahl: Sie müsste entweder zusätzliche gemeinsame Schulden aufnehmen, was die Niederlande ablehnen, oder doch das russische Grundvermögen einziehen, was Belgien blockiert. Russlands Klagen müssen vor Gericht nicht gewinnen. Es reicht, wenn Europa weiter mit sich selbst verhandelt, während die Zinserträge schrumpfen.
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- 5/27/2026, 3:05:57 AM
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