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EU_ECONOMICS04 / 05 · Geschichte des Tages3 Min. · 628 Wörter · 48 Quellen

Slovalco fährt mit Stromhilfen wieder hoch

Geschrieben von KIto brief AI · 29. August 2026, 02:50
Wie sie entstand

Europe’s aluminium returns where public power keeps flowing.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

In Europa entscheidet der Strompreis inzwischen darüber, ob energieintensive Grundstoffindustrien überhaupt noch produzieren können. Beim slowakischen Aluminiumhersteller Slovalco in Žiar nad Hronom laufen seit dieser Woche erstmals seit drei Jahren wieder Elektrolyseöfen, nachdem die Produktion wegen der stark gestiegenen Strompreise eingestellt worden war. Der Fall zeigt, welchen Preis Regierungen mittlerweile zahlen, um solche Industrien im Land zu halten: günstigen Strom, Entlastung bei CO₂-Kosten und Hilfen ohne klares Ablaufdatum.

75.000 Tonnen, nicht 175.000

Slovalco nimmt zunächst 75.000 Tonnen Jahresproduktion wieder auf. Die gesamte Kapazität des Werks liegt bei rund 175.000 Tonnen, die Investition beträgt mindestens 100 Mio. EUR. Die übrigen 100.000 Tonnen hängen von Stromverträgen ab, die es noch nicht gibt, und von Rahmenbedingungen nach 2030.

Ministerpräsident Robert Fico stellte den Neustart als Beitrag dar, der bis zu 17 Prozent der europäischen Primäraluminiumproduktion wiederherstelle. Diese Zahl bezieht sich allerdings auf die volle Werkskapazität, nicht auf die nun zugesagten 75.000 Tonnen, und sie misst Slovalco an der Primärproduktion der EU, die nach Werksschließungen auf etwa 950.000 Tonnen im Jahr gefallen ist. Die gesamte europäische Produktion lag im ersten Halbjahr 2026 bei etwa 3,6 Mio. Tonnen. Je nach Bezugsgröße bleibt der tatsächliche Neustart also deutlich kleiner als die politische Überschrift.

Günstiger Strom wird Industriepolitik

Primäraluminium, also neues Metall aus Erz statt recyceltem Schrott, ist einer der stromintensivsten Industrieprozesse überhaupt. Für eine Tonne werden rund 14 Megawattstunden benötigt; Strom macht typischerweise 30 bis 40 Prozent der Produktionskosten aus. Deshalb schließen Aluminiumhütten bei Preissprüngen früh, und deshalb kommen sie ohne staatliche Hilfe nur schwer zurück.

Die slowakische Hilfe hat zwei Elemente. Erstens erhält Slovalco über einen langfristigen Vertrag mit Vodohospodárska výstavba, dem staatlichen Wasserkraftunternehmen, rund 100 Megawatt stetige Grundlast. Aluminiumöfen lassen sich nicht billig hoch- und herunterfahren; sie brauchen gleichmäßigen Strom rund um die Uhr, und zwar zu Preisen deutlich unter Marktniveau. Der genaue Preis ist nicht öffentlich. Das Staatsunternehmen hat Mengen und Konditionen als Geschäftsgeheimnis eingestuft.

Zweitens hat Bratislava die Erstattung CO₂-bedingter Stromkosten neu geregelt. Stromerzeuger geben die Kosten der Zertifikate aus dem EU-Emissionshandel, dem ETS, über die Großhandelspreise weiter. Für große Verbraucher verteuert das den Strom auch dann, wenn sie selbst nicht entsprechend mehr Emissionen verursachen. Die Europäische Kommission billigte die überarbeitete slowakische Regelung im Juli: Das Programmvolumen steigt von 250 Mio. auf 710 Mio. EUR, der Staat darf statt 75 Prozent nun 80 Prozent der förderfähigen Kosten übernehmen. Hinzu kommen Entlastungen bei der Abgabe für den Atomfonds und weiteren Gebühren (Teraz). Slowakische Medien beziffern die jährlichen Kosten der Industrieentlastung aus dem Umweltfonds auf etwa 75 Mio. EUR.

Die Slowakei ist damit kein Sonderfall. Die Kommission genehmigte im selben Zeitraum ähnliche Kompensationsregelungen für Tschechien, Frankreich, die Niederlande, Österreich und Spanien (Brussels Times). In Spanien nahm Alcoa San Cibraó bis April 2026 alle 512 Elektrolyseöfen wieder in Betrieb und sicherte damit mehr als 1.000 Arbeitsplätze. Die längerfristige Tragfähigkeit hängt dort aber weiter an noch nicht gebauten Windparks und erwarteten CO₂-Kompensationen von 72 Mio. EUR. Auch das Bundeswirtschaftsministerium argumentiert, wettbewerbsfähige Industriestrompreise hielten Zulieferer, Fabriken und Facharbeit im Land. Kritiker verweisen dagegen darauf, dass manche Entlastung kaum spürbar sei: Nach einem ARD-Beispiel würde ein Programm den Industriestrompreis lediglich von 18 auf 17,6 Cent je Kilowattstunde senken.

Wer zahlt, wer profitiert

Die Vorteile konzentrieren sich auf wenige Akteure. Der norwegische Aluminiumkonzern Hydro, der 55,3 Prozent an Slovalco hält, und der Miteigentümer Penta Investments bekommen ein produzierendes Werk zurück. Mehr als 200 Beschäftigte in Žiar nad Hronom behalten ihre Arbeit. Weiterverarbeiter erhalten wieder eine europäische Quelle für Primärmetall, statt noch stärker auf Importe angewiesen zu sein, die bereits 70 bis 80 Prozent der EU-Nachfrage decken.

Die Kosten verteilen sich breiter: auf Steuerzahler, öffentliche Haushalte und Klimafonds. Die CO₂-Kompensation verwendet Einnahmen aus ETS-Versteigerungen, die sonst für Klimaprogramme oder Defizitabbau zur Verfügung stünden. Das Staatsunternehmen bindet Strom zu unbekannten Konditionen und verzichtet damit wohl auf Erlöse, die am offenen Markt möglich wären. Vor allem aber handelt es sich nicht um eine einmalige Anschubfinanzierung. Die Unterstützung ist darauf angelegt, Jahr für Jahr weiterzulaufen. Slovalco zeigt damit, dass der Neustart möglich ist, wenn der Staat die Stromkosten dauerhaft mitträgt. Selbst die Eigentümer machen keinen Hehl daraus: Für die zweite Werkshälfte wollen sie sich ohne weitere Garantien nicht festlegen.

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8/29/2026, 1:45:52 AM
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