SoftBank verspricht 75 Mrd. EUR für Frankreichs KI

A multi-billion euro energy infrastructure plan is reduced to a volatile boardroom wager.
Bildkomposition · tobriefWer bei künstlicher Intelligenz vorn mitspielen will, braucht nicht nur Modelle und Chips, sondern vor allem Strom, Flächen und Netzanschlüsse. Genau darauf zielt die Zusage des japanischen SoftBank-Konzerns, 75 Mrd. EUR in KI-Rechenzentren im Norden Frankreichs zu investieren, angekündigt beim Choose-France-Gipfel in Versailles. Sollte das Vorhaben umgesetzt werden, wäre es der größte einzelne KI-Infrastrukturvertrag in Europa. Zum Vergleich: Alle neun Choose-France-Gipfel zusammen haben seit 2018 87 Mrd. EUR an Investitionszusagen angezogen. Ob SoftBank-Gründer Masayoshi Son dieses Versprechen auch finanzieren kann, ist allerdings die offene Frage.
Was 5 Gigawatt wirklich bedeuten
Kern des Projekts sind 5 Gigawatt Rechenzentrumskapazität. Läuft diese Leistung rund um die Uhr, entspricht sie ungefähr der Hälfte der Spitzenlast Belgiens. Der gesamte Strom würde in das Training und den Betrieb von KI-Modellen fließen.
Frankreich verfügt derzeit über nur 1,5 Gigawatt installierte Rechenzentrumskapazität. SoftBank würde diese Kapazität mehr als vervierfachen. Die erste Phase im Umfang von 45 Mrd. EUR sieht 3,1 Gigawatt an drei Standorten in Nordfrankreich bis 2031 vor: Dünkirchen, Bosquel und Bouchain, wo EDF ein stillgelegtes Wärmekraftwerk zu einem Rechenzentrumsstandort umbaut. Schneider Electric soll im Hafen von Dünkirchen eine robotisierte Fabrik errichten, um Strommodule vor Ort zu produzieren.
Für Frankreich ist der entscheidende Standortvorteil die Energieversorgung. KI-Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen Strom, und Frankreich verfügt über etwas, das vielen europäischen Nachbarn fehlt: Dutzende Kernreaktoren, die wetterunabhängig Grundlast liefern. Son formulierte es entsprechend direkt: „Dass das Land Energieproduzent und Energieexporteur ist, ist für Infrastrukturinvestitionen in künstliche Intelligenz absolut entscheidend.“
Irland zeigt, was passiert, wenn dieser Vorteil fehlt. Dort verbrauchen Rechenzentren inzwischen 22 Prozent des nationalen Stroms, mehr als alle städtischen Haushalte zusammen. Neue Netzanschlüsse sind bis 2028 eingefroren. In Europas gefragtesten Rechenzentrumsstandorten reichen die Wartezeiten inzwischen von 7 bis 13 Jahren. Energiepolitik ist damit längst KI-Politik.
Der Mann, der WeWork verlor und Nvidia verkaufte
SoftBanks Bilanz macht die französische Wette riskant. Der Vision Fund verlor 32 Mrd. Dollar, nachdem er WeWork finanziert hatte. Dessen Bewertung von 47 Mrd. Dollar brach zusammen, bevor das Unternehmen überhaupt an die Börse kam. SoftBank hielt zudem einst 4,9 Prozent an Nvidia zu 4 Dollar je Aktie, verkaufte die gesamte Beteiligung aber 2019, um Verluste zu decken. Heute wäre dieses Paket rund 40 Mrd. Dollar wert.
Son erholte sich durch eine einzige große Wette. SoftBank investierte mehr als 30 Mrd. Dollar in OpenAI, und im Geschäftsjahr 2026 verbuchte der Vision Fund 46 Mrd. Dollar Gewinn, davon 92 Prozent aus der gestiegenen OpenAI-Bewertung. S&P senkte den Ausblick für SoftBanks Kreditwürdigkeit auf negativ und warnte, eine solche Konzentration könne die finanzielle Flexibilität schwächen. Fällt die OpenAI-Bewertung, wird auch die Kapitalbasis für Frankreichs Rechenzentren dünner.
Sons Zusagen folgen einem bekannten Muster. 2016 versprach er der neuen Trump-Regierung Investitionen in den Vereinigten Staaten in zweistelliger Milliardenhöhe, kanalisiert über den Vision Fund, bevor dieser in Schwierigkeiten geriet. Diesmal ist die Sprache vorsichtiger: „bis zu“ 75 Mrd. EUR, eine „Verpflichtung zur Entwicklung“, während für die zweite Phase noch Standorte und Zeitpläne fehlen.
Anschubfinanzierung gegen ein globales Wettrüsten
Der Deal legt eine strukturelle europäische Lücke offen. Deutschland, die größte Volkswirtschaft des Kontinents, reagierte auf den KI-Infrastrukturwettlauf mit einem 125-Mio.-EUR-Programm für Frontier-KI-Labore über die Innovationsagentur SPRIND. Allein SoftBanks erste Phase ist 360-mal größer.
Im globalen Maßstab wird der Abstand noch deutlicher. Die vier größten amerikanischen Technologiekonzerne planen für 2026 zusammen 650 Mrd. EUR an KI-Infrastrukturinvestitionen. SoftBanks Fünfjahreszusage entspricht damit etwa 11 Prozent dessen, was die amerikanischen Tech-Giganten in einem einzigen Jahr ausgeben wollen.
Frankreich setzt darauf, dass nukleare Grundlast, also verlässlicher Strom rund um die Uhr, beschleunigte Genehmigungen und staatlich abgesicherte Flächen einen Standortvorteil schaffen, den kaum ein Nachbarland bieten kann. Die energiewirtschaftliche Logik ist schlüssig. Die finanzielle Logik hängt davon ab, dass Son zahlungsfähig bleibt, OpenAI seinen Wert hält und die Netzanschlüsse rechtzeitig kommen. In Europa ist bislang oft gerade die letzte Bedingung zuerst gebrochen.
How was this article?
Help us get better
Help us get better
Details about this article
- Model:
- claude-opus-4-6
- Generated:
- 5/31/2026, 3:17:24 AM
- Pipeline run:
- eu_pipeline_20260531_015006
- Watermark:
- SynthID (Google's invisible watermark)
- Human review:
- None before publication