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EU_ECONOMICS06 / 08 · Geschichte des Tages3 Min. · 599 Wörter · 145 Quellen

SoftBanks €75 billion kaschieren Frankreichs Abschwung

Geschrieben von KIto brief AI · 1. Juni 2026, 03:50
Wie sie entstand

Massive digital investments cast long shadows over the stagnant reality of rural French industry.

Bildkomposition · tobrief
der Text · 3 Min. Lesezeit

Der neunte Choose-France-Gipfel sollte Frankreich erneut als europäischen Investitionsstandort inszenieren. SoftBank stellte dort „bis zu“ 75 Mrd. EUR für KI-Rechenzentren in Aussicht, womit die seit 2018 verkündeten Investitionszusagen auf mehr als 100 Mrd. EUR stiegen. Zwei Tage zuvor hatte das französische Statistikamt allerdings die weniger präsentable Zahl geliefert: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im ersten Quartal 2026 um 0,1 Prozent, der erste Rückgang seit Mitte 2020. Das Land, das in Europa bei Investitionsankündigungen führt, wächst derzeit nicht.

Für diese Zusagen gibt es keine öffentliche Erfolgsbilanz. Nach neun Gipfeln und mehr als 230 angekündigten Projekten hat die Regierung nie systematisch offengelegt, wie viele Vorhaben tatsächlich gebaut wurden. Einige sind real. Wie viele, weiß öffentlich niemand.

Die Zahlen passen nicht zusammen

Frankreich verlor 2025 netto 20.000 Industriearbeitsplätze. Der Anteil der Industrie an der Wirtschaftsleistung sank von 10 Prozent im Jahr 2017 auf 9,5 Prozent im Jahr 2025. Die Arbeitslosenquote stieg wieder auf 8,1 Prozent. Olivier Lluansi, früher Industrieberater des Élysée-Palasts, formuliert es nüchtern: Unter Emmanuel Macron seien im Schnitt 15.000 Industriearbeitsplätze pro Jahr entstanden, während für eine echte Reindustrialisierung etwa 70.000 pro Jahr nötig gewesen wären.

Auch der EY European Attractiveness Survey zeigt diese Richtung. Die tatsächlichen Projekte ausländischer Direktinvestitionen, also reale Standorte ausländischer Unternehmen, gingen in Frankreich von 1.194 im Jahr 2023 auf 852 im Jahr 2025 zurück. Das ist ein Minus von 29 Prozent in zwei Jahren. Frankreich bleibt in Europa auf Platz eins, doch die Projektpipeline wird dünner: weniger Vorhaben, größere Überschriften.

SoftBanks 75 Mrd. EUR: Das Kleingedruckte

SoftBanks Zusage von „bis zu“ 75 Mrd. EUR ist eine Obergrenze, keine feste Verpflichtung. Phase eins umfasst 45 Mrd. EUR für Rechenzentrumskapazitäten von 3,1 Gigawatt bis 2031; dafür gibt es Standorte und Partner, darunter EDF, den staatlich geprägten französischen Energiekonzern. Phase zwei mit weiteren 30 Mrd. EUR hat dagegen weder einen Zeitplan noch einen offengelegten Finanzierungsplan.

S&P bewertet SoftBank mit BB+ und negativem Ausblick, also unterhalb der Schwelle zu Investment Grade. Der Konzern trägt rund 123 Mrd. USD Nettoschulden und muss bis Ende 2026 etwa 50 Mrd. USD refinanzieren. Seine Bilanz stützt sich stark auf Buchgewinne aus einem Anteil an OpenAI im Wert von 64,6 Mrd. USD; OpenAI ist nicht börsennotiert, der Anteil lässt sich also nicht ohne Weiteres verkaufen. Analysten sprechen vom „alten Drehbuch“: 2016 hatte SoftBank-Chef Masayoshi Son an der Seite Donald Trumps 50 Mrd. USD für die Vereinigten Staaten zugesagt. Ein großer Teil des Geldes landete später bei WeWork, das kollabierte.

SoftBank verspricht nun zugleich 100 Mrd. USD in den Vereinigten Staaten und 75 Mrd. EUR in Frankreich, finanziert aus derselben Bilanz.

Wer profitiert, wer zahlt

Frankreich hat in diesem Wettbewerb einen echten Vorteil: Atomstrom. Die 57 Reaktoren liefern günstigen Strom rund um die Uhr, zu Großhandelspreisen von etwa 73 USD je Megawattstunde gegenüber 100 USD in Deutschland. Für KI-Rechenzentren, die dauerhaft große Strommengen brauchen, ist das wichtiger als billiger, aber schwankender Solarstrom in Spanien. Frankreich bietet großen Industriekunden inzwischen langfristige Verträge an, die an die Produktionskosten von EDF gekoppelt sind und nicht an die Großhandelspreise. Bruegel, die Brüsseler Denkfabrik, beschreibt solche Modelle als Europas „Industriepolitik unter dem Radar“.

Der Beschäftigungseffekt bleibt allerdings gering. Untersuchungen der Brookings Institution zeigen, dass ein typisches großes Rechenzentrum nach der Bauphase nur 50 bis 400 Menschen beschäftigt. Der Bau ist arbeitsintensiv, der Betrieb eben nicht. Bei Investitionssummen in der Größenordnung, über die SoftBank spricht, würde eine klassische Fabrik deutlich mehr dauerhafte Arbeitsplätze schaffen.

Der Strombedarf ist real. SoftBanks vollständiger Plan würde etwa 45 bis 50 Terawattstunden pro Jahr verbrauchen, also rund 10 Prozent der gesamten französischen Stromproduktion. Ob das nordfranzösische Übertragungsnetz bis 2031 zusätzliche Lasten von 3,1 Gigawatt aufnehmen kann, haben weder RTE, der Netzbetreiber, noch EDF öffentlich beantwortet.

Was offen bleibt

Einige Projekte werden umgesetzt. Orano-XTC begann im Mai 2026 in Dünkirchen mit dem Bau einer Anlage für Batteriematerialien, drei Jahre nach der entsprechenden Choose-France-Ankündigung. Andere verschwinden leise. Frankreichs größtes europäisches Batterieprojekt ACC musste chinesische Techniker holen, um die eigene Fabrik am Laufen zu halten.

Für Europa bleibt damit die Frage, ob dieses Modell aus großen Zusagen, großzügigen Strompreisen, begrenzter Beschäftigungswirkung und fehlender öffentlicher Rechenschaft eine Industriestrategie ist oder vor allem Kommunikationspolitik. Solange Frankreich keine Umsetzungsquoten veröffentlicht, zählt der Rest Europas Pressemitteilungen.

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6/1/2026, 3:06:16 AM
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