Händler buchen griechischen Gaskorridor

The Vertical Gas Corridor only functions when every national segment is linked.
Bildkomposition · tobriefBei den Kapazitätsauktionen im Juli haben Händler rund 46 Prozent der verfügbaren Exportkapazität in Sidirokastro gebucht, dem wichtigsten Gas-Grenzübergang zwischen Griechenland und Bulgarien. Einige Reservierungen reichen bis 2040/41 (Serbia Energy, News247). Für den sogenannten Vertikalen Gaskorridor ist das mehr als ein politisches Signal: Händler binden reales Kapital an eine Route, die Flüssigerdgas von griechischen Importterminals über den Balkan nach Mittel- und Osteuropa bringen soll. Erstmals zeigt sich damit echte kommerzielle Nachfrage. Ob die Rechnung über alle Grenzen hinweg aufgeht, bleibt allerdings offen.
Jede Grenze ist eine Mautstelle
Der Korridor ist keine einzelne Pipeline. Flüssiggastanker liefern LNG nach Revithoussa nahe Athen oder nach Alexandroupolis in Nordgriechenland. Dort wird das tiefgekühlte Gas wieder in gasförmigen Zustand versetzt und in das griechische Netz eingespeist. Von dort gelangt es über zwei Grenzpunkte nach Bulgarien und weiter durch rumänische Leitungen, teils über Infrastruktur, die früher russisches Gas in die Gegenrichtung nach Süden transportierte. Zielmärkte sind Ungarn, die Slowakei, Moldau und die Ukraine (Powergame, DW România).
Das europäische Gasnetz funktioniert eben nicht wie eine Autobahn. An jeder nationalen Grenze müssen Händler Ein- und Ausspeisekapazitäten buchen, Netzentgelte bezahlen und Bilanzierungsregeln einhalten, also täglich sicherstellen, dass eingespeiste und entnommene Gasmengen zusammenpassen. Der Korridor funktioniert nur, wenn Kapazitäten auf allen Teilstrecken gleichzeitig gesichert sind. Fehlt eine Grenze, bricht die Route praktisch auseinander.
Möglich wurden die Juli-Buchungen durch niedrigere Tarife. Nach Entlastungen auf dem rumänischen Abschnitt sank der Preis für den Gastransport von Griechenland in die Ukraine von 9,39 EUR je Megawattstunde auf etwa 5,85 EUR (Euro2day). Erst damit wurde die Strecke für Händler offenbar günstig genug, um langfristig Kapazitäten zu reservieren.
Die griechischen Terminals füllen sich
Im ersten Halbjahr 2026 verarbeitete Revithoussa 18,61 TWh Gas, Alexandroupolis kam auf 3,46 TWh und damit auf mehr als das Dreifache des Vorjahresvolumens (Iefimerida). Bei der jüngsten Kapazitätsauktion in Alexandroupolis wurde die gesamte angebotene Kapazität verkauft; die Käufer zahlten wegen des knappen Zugangs Aufschläge auf den Mindestpreis (BankingNews).
Griechenland gewinnt dadurch Transitgebühren, Terminalerlöse und mehr Gewicht in regionalen Versorgungsgesprächen. Bulgarien erhält eine Route, die seinen umstrittenen Festpreisvertrag mit dem türkischen Staatsunternehmen Botaş für LNG-Zugang umgeht. Kritiker hatten geltend gemacht, tatsächlich würden nur 10 bis 20 Prozent der vertraglich gesicherten Kapazität genutzt (Fakti).
Die Konkurrenz, die der Korridor schlagen muss
Rumänien ist der Drehpunkt des Korridors und zugleich sein möglicher Konkurrent. Heute leitet das Land Transitgas weiter. Ab etwa 2027 könnte jedoch das Schwarzmeerfeld Neptun Deep in Produktion gehen, dessen Ressourcen auf rund 100 Milliarden Kubikmeter geschätzt werden (HotNews). Wenn rumänisches Eigengas in größerem Umfang nach Mitteleuropa gelangt, dürften Käufer weniger Bedarf an LNG haben, das über Griechenland herangeführt wird.
Auch russisches Gas ist nicht verschwunden. Nach Angaben von ACER, der Agentur der EU-Energieregulierungsbehörden, deckte es von Januar bis Mai 2026 noch etwa 12 Prozent des EU-Verbrauchs; Pipelineimporte lagen 7 Prozent höher als im Vorjahr, LNG-Importe 11 Prozent (InvestEnergy). Für Länder wie die Slowakei, deren energieintensive Industrie auf bezahlbares Gas angewiesen ist, entscheidet am Ende der Preis: Griechisch geroutetes LNG muss mit verbliebenen russisch verbundenen Lieferverträgen konkurrieren können (Energie-portal).
Der breitere Markt erhöht den Druck zusätzlich. Die EU braucht LNG-Importe, die etwa 13 Prozent über dem Niveau von 2025 liegen, um ihre Speicher vor dem Winter wieder auf 90 Prozent zu füllen (Euronews). Moldaus staatlicher Energieversorger Energocom hat bereits Kapazität an der rumänisch-moldauischen Grenze reserviert; zumindest für einen kleineren Käufer ist die Route damit kommerziell nutzbar (Moldova1).
Die Juli-Buchungen zeigen, dass Händler diese Strecke nutzen, wenn der Preis stimmt. Für eine Region, die Russlands Liefermacht unmittelbar erlebt hat, senkt der Korridor das Risiko einseitiger Abhängigkeit. Öffentlich belegt ist bislang aber nicht, dass Kapazitäten über alle Grenzen hinweg gleichzeitig bis zu den Endmärkten gebucht wurden. Am Ende entscheidet weiter das schwächste Glied der Kette, ob das Gas tatsächlich ankommt.
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- 7/11/2026, 2:11:39 AM
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